19.07.2020 - 10:28 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Blattläuse schonend in Schach halten

„Hilfe! Die Blätter an meinem Zwetschgenbaum sind verkrüppelt und eingerollt!“ Schuld an diesem Ärger für viele Gartenbesitzer sind Schädlinge, meist die Kleine und Große Zwetschgenblattlaus.

Schäden am Zwetschgenbaum durch Blattlausbefall
von Redaktion ONETZProfil

Die beiden Arten saugen im Frühjahr zuerst an der Basis der Knospen, später an der Unterseite der sich entwickelnden jungen Blätter, und verursachen Blattverkräuselungen und zum Teil massive Stauchungen und Verdrehungen des jungen Triebs. Dadurch werden Stoffwechsel und Photosynthese stark beeinträchtigt. Unterentwickelte Früchte sind die Folge.

Größere Bäume vertragen zwar normalerweise Blattlausbefall, doch es können auch Pflanzenviren übertragen werden, die schwere Schäden hervorrufen. Oft sieht man den Befall zunächst an den Ameisen, die den Baum hinauf- und hinunterwandern. Ameisen melken die Blattläuse, nutzen deren ausscheidenden Honigmehltau als Nahrung und beschützen sie deshalb gegen Fressfeinde.

Michael Altmann aus Schwarzenbach ist ein erfahrener Gartenpfleger und Pomologe (Obstsortenkenner). Sein Credo: „Mit der Natur statt gegen sie.“ Die mit Blattläusen befallenen Triebe könne man mit den Fingern oder mit einem Schnitt entfernen und im Restmüll entsorgen. Jeder Gifteinsatz hingegen vernichte viele Nützlinge.

Als Alternative setzt Altmann in seinem unaufgeräumten, naturnahen Garten auf biologische Schädlingsbekämpfung und bietet den kleinen Helfern Lebensraum, Unterschlupfmöglichkeiten und Kinderwiegen für ihren Nachwuchs. Natürliche Feinde der Blattläuse seien neben Vögeln vor allem Marienkäfer und ihre Larven, Ohrwürmer, Spinnen, Mauer- und Holzbienen, Hornissen, die Larven von Schlupfwespen und Schwebfliegen sowie die als "Blattlauslöwen“ bekannten Florfliegenlarven.

Für sie alle könne man im eigenen Garten Blühstreifen oder eine Bienenwiese anlegen, Nistkästen anbringen, mit Holzwolle gefüllte Blumentöpfe verkehrt als Unterschlupf für Ohrwürmer in die Bäume hängen, Totholzhecken anlegen oder ein Insektenhotel installieren. Ein solches hat Altmann bei sich als Rundbau mit Innenraum errichtet.

Habe man bereits einen starken Befall von Blattläusen auf dem Zwetschgenbaum, könne man sie mit einem scharfen Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch herunterspritzen. Das dürfe man aber nicht anwenden, wenn der Baum schon fast reife Früchte trage, da diese platzen würden. Zu jeder Zeit könne man die Blätter des Baumes mehrmals mit einer Lösung von Wasser mit Spülmittel, Rapsöl oder Schmierseife tropfnass absprühen. Dadurch würden die Tracheen der Läuse verklebt. Auch das Anpflanzen von Salbei und Lavendel halte Blattläuse ab, die deren ätherischen Öle nicht vertragen. Von Leimringen um die Baumstämme, um Ameisen am Hochlaufen zu hindern, hält Altmann nicht viel, denn auch Nützlinge blieben daran kleben. Besser sei es, eng anliegende Wellpappestreifen herumzubinden, in denen sich die Ameisen verkriechen und von Vögeln verzehrt werden.

Auf einer veredelten Kirsche entdeckt Michale Altmann einige Schwarze Kirschblattläuse.
Pomologe Michael Altmann begutachtet vor seinem Insektenhotel die Zweige seines Zwetschgenbaumes.
Nur wenige Zweige sind befallen.
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