16.04.2021 - 14:36 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Vor 50 Jahren: Autobahnbau verändert das Gesicht des Naabtals

Soweit das Auge reicht: Eine Großbaustelle bestimmt die Landschaft Anfang der siebziger Jahre zwischen Lindenlohe und Pfreimd. Die A 93 wird gebaut.

Für das Naabtal hat die Großbaustelle viele Veränderungen mit sich gebracht. Hier ein Blick in Richtung Nabburg, vom Traunrichter Berg aus betrachtet.
von Manfred BäumlerProfil

Beschaulich und geradezu idyllisch ruhig bot sich das Naabtal vom Schwarzenfelder Miesberg aus gesehen dem Betrachter, bis vor gut fünfzig Jahren eine Großbaustelle daraus wurde. Von Lindenlohe bis Pfreimd wurde ein Bauabschnitt des Autobahnbaus begonnen und damit ein weiterer Meilenstein zur Vollendung der A 93 geschaffen. Einen Anschluss an das innerdeutsche Autobahnnetz und damit Verkehrsverbindungen in Richtung Ostblockstaaten sollte der Ausbau bewirken.

"Von Regensburg nach Weiden 15 Minuten schneller", so der Slogan des Straßenbauamtes Regensburg vor Beginn der Baumaßnahme. Dabei war ursprünglich der Bau einer Schnellstraße zwischen Regensburg und Weiden geplant, die mit dem ersten Teilstück bei Nabburg in Richtung Weiden bis Pfreimd bereits 1965 begonnen und drei Jahre später für den Verkehr freigegeben worden war. Zweifellos eine bauliche Herausforderung stellte die Verwirklichung des 19 Kilometer langen Teilstücks mit neun Brücken und der Verlegung der Naab an mehreren Stellen dar. Das längste Brückenbauwerk erstreckt sich mit einer Länge von zweihundert Metern über die Schwarzach bei Schwarzenfeld. Allein 2,5 Millionen Kubikmeter Erdreich, teils mit felsigem Granit, mussten für die Umbauten der umliegenden Straßen- und Schienenführungen bewegt werden. Kulchberg und Wölsenberg forderten dabei die über 250 Arbeiter der Großbaustelle extrem hart. Besonderes beim Ort Wölsendorf fanden einschneidende Geländeveränderungen statt. Auf einer Länge von 600 Metern erhielt die Naab ein neues Flussbett. Es muss ein bewegendes Schauspiel gewesen sein, als sich die Wassermassen der Naab zum ersten Mal in den neuen Verlauf ergossen haben. Dadurch war es auch erforderlich geworden, die nördlich des Dorfes bestehende Eisenbahnbrücke der Schienenverbindung Nabburg- Schönsee um knapp dreißig Meter zu verlängern. Schon zu dieser Zeit wurden aufgrund der kostenintensiven Maßnahme Überlegungen angestellt, die Strecke stillzulegen, was dann im Jahr 1976 Wirklichkeit wurde.

Eine Bausumme von 63 Millionen Mark wurde bei diesem Autobahnabschnitt verbaut, wobei allein die bauliche Umsetzung entlang des Wölsenbergs aufgrund der Geländegegebenheiten mit etwa 15 Millionen zu Buche geschlagen hatte.

Eine halbe Autostunde südlich stand zum Ende des Jahres 1971 ein weiteres 70-Millionen-Projekt an. Die Winzerer Höhen bei Regensburg galt es auf einer Länge von 900 Metern zu durchstoßen und mit dem Tunnelbau die Nord-Süd-Achse zu verwirklichen. "Wir pendeln uns langsam ein", prophezeite Bau-Chef Hermann damals und wies dabei auch auf die Fertigstellung der Straßenführung von Lindenlohe in Richtung Schwandorf im Jahre 1975 und geplante Vollendung bis Regensburg 1980 hin.

Mit einem Festakt konnte nach zweijähriger Bauzeit im Dezember 1971 die Teilstrecke Nabburg-Lindenlohe für den Verkehr freigegeben werden.

Hintergrund:

Der Verlauf der A 93

  • Der Nordteil beginnt im Dreieck Hochfranken nordöstlich von Hof nahe dem Ort Trogen am Kreuzungspunkt mit der A 72. Die Autobahn quert die Autobahnkreuze Oberpfälzer Wald (A 6) und Regensburg (A 3) und mündet am Dreieck Holledau in die A 9.

  • Der Südteil zweigt am Dreieck Inntal von der A 8 ab und geht am deutsch-österreichischen Grenzübergang Kufstein/Kiefersfelden in die Inntal Autobahn über.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.