09.08.2019 - 16:18 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Automat gesprengt: Gar nicht auf das Geld abgesehen?

Ist es eine "Probe-Sprengung" gewesen, mit denen die Verbrecher den Automatentyp testen wollten? Die Polizei geht anscheinend dieser Theorie nach. Die Täter sind noch nicht gefasst, aber der Schaden ist zwischenzeitlich repariert.

Beamte der Kriminalpolizei Amberg und des Münchner Landeskriminalamts nahmen im April die Ermittlungen auf, nachdem im SB-Center der Commerzbank an der Neuen Amberger Straße (hellblaues Gebäude) der Geldausgabeautomat gesprengt wurde.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Es ist 4.15 Uhr am 15. April dieses Jahres, ein Montag; und noch dunkel, als die Beschäftigten einer Bäckerei an der Neuen Amberger Straße in Schwarzenfeld durch einen lauten Knall alarmiert werden. Wie sich zeigt, stammt das ungewöhnliche Geräusch von der Straßenseite gegenüber. Dort ist ein SB-Center der Commerzbank, in dem sich ein Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat befinden. Auf diesen Geldautomaten haben es die vermutlich drei Täter abgesehen, die den Metallkasten sprengten und bei ihrer Flucht beobachtet wurden. Eine Zeugin bemerkte jedenfalls, dass drei Männer weglaufen und mit einem dunklen SUV flüchten. Das Trio musste ohne Beute abrücken, da der innen liegende Tresor nicht aufging. Die Kriminalpolizei Amberg und Beamte des Landeskriminalamts München nahmen damals die Ermittlungen auf.

Lange Lieferzeit

Die Direktoren Bastian Wild und Roland Hintermeier von der Commerzbank Schwandorf informierten nun auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass der Schaden an dem SB-Center wieder in Ordnung gebracht worden sei, Der Kontoauszugsdrucker, der dort installiert sei, gehe schon länger wieder, sagte Wild, "aber auf den Bankautomaten müssen wir noch warten". Er werde aber demnächst geliefert. Das man auf so einen Geldausgabeautomaten vier Monate warten müsse, sei nichts Ungewöhnliches, versicherte Wild: "Es gibt nur wenige Hersteller in Deutschland und die haben derzeit eine lange Lieferzeit."

Denn die Sprengung von Geldautomaten ist der Bankraub des 21. Jahrhunderts, so dass die Hersteller kaum noch nachkommen mit der Produktion neuer Geräte. Die Sicherheitskräfte registrieren nämlich immer weniger klassische Überfälle mit vorgehaltener Waffe - dagegen hat die Gesamtzahl der "Angriffe auf Geldautomaten" einen neuen Höchststand erreicht. 369 Fälle wurden im vergangenen Jahr deutschlandweit registriert. Das ist ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber 2017 (268 Fälle). Zugleich ist dies der höchste Stand seit zehn Jahren.

In Schwarzenfeld kamen die Täter im April nicht zum Ziel - wenn man es als Ziel definiert, Geld zu stehlen. "Der Tresor mit dem Geld im Bankautomaten war unversehrt", berichtete Roland Hintermeier. Er hat von der Polizei im Zug der Ermittlungen eine ganz andere Theorie gehört: "Das könnte eine Probe-Sprengung gewesen sein, um dieses Automatenmodell zu testen." Also wie viel Gas oder Sprengstoff man nehmen muss, um an die begehrten Scheine heranzukommen. Ein Hinweis stützt diese Überlegung: Es lag vermutlich nicht viel Geld im Tresor des Geräts - denn es wurde Freitag letztmals gefüllt und hätte erst wieder am Montag mit Scheinen bestückt werden sollen, also erst einige Stunden nach dem Zeitpunkt der Sprengung. Da es ein reiner Ausgabeautomat ist, dürfte die Barsumme über das Wochenende abgeschmolzen sein.

Ermittlungen laufen

Die Experten des Waffen- und Sprengstoffsachgebiets des Bayerischen Landeskriminalamts gingen im April davon aus, dass ein "explosionsgefährlicher Stoff" zur Sprengung verwendet wurde. Untersuchungen dazu sollten noch im gleichen Monat im Kriminaltechnischen Institut des LKA in München stattfinden. Eine entsprechende Nachfrage ergab jetzt aber lediglich, "dass keine neuen Erkenntnisse vorliegen und die Ermittlungen andauern", wie ein Sprecher des Landeskriminalamts sagte.

Ein Blick in das SB-Center der Commerzbank enthüllte den Schaden am Geldautomaten. Die Sprengung erfolgte am frühen Morgen des 15. April dieses Jahres. Die drei Täter flüchteten damals ohne Beute.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.