30.03.2020 - 17:22 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Kreativität ersetzt Jubelstürme

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Wie geht es einer Band in Corona-Zeiten, wenn Starkbierfeste ausfallen und Dulten abgesagt werden? Der Schwarzenfelder Christoph Plank von den "Rotzlöffl" kann ein Lied davon singen. Die Gruppe entdeckt gerade neue kreative Reserven.

So kennt und liebt man die Band Rotzlöffl, die die Festzelte regelmäßig auf den Kopf stellt. Damit ist derzeit Schluss.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

In der Presse wurde die Band mal so beschrieben: "In Las Vegas gehören sie bereits zum Inventar, in Australien rockten sie das Oktoberfest, mit der AIDA haben sie die Weltmeere bespielt und in Brasilien haben sie eines der größten Oktoberfeste der Welt in Blumenau unsicher gemacht - die Rotzlöffl." Nach ihrem Auftritt in der ARD bei "Immer wieder sonntags" wandte sich Moderator Stefan Mross an seine Zuschauer: "Merken Sie sich diese Namen! Ihr werd's scho' seh'n!"

Doch diese Umtriebigkeit wird nun von einem winzigen Virus gestoppt. "Alle Auftritte in den Monaten März und April wurden gecancelt oder verschoben," bedauert Bandleader Christoph Plank. Der Musiker und Musiklehrer ist derzeit zu Hause in Schwarzenfeld, im Home-Office. Im Hintergrund hört man beim Telefonat den Nachwuchs des Mittdreißigers um Aufmerksamkeit heischen.

Wer soviel auf der Bühne steht, wie die Rotzlöffl, der erlöst damit auch einen guten Teil seines Lebensunterhalts. "Ja, die Absagen bedeuten für uns einen Verdienstausfall," sagt Plank, richtet den Blick aber auch gleich auf die Veranstalter: "Ich bin mit ihnen in Verbindung, die sind alle verzweifelt."

Aktuell sind von der Partyband vier bis fünf Termine betroffen, die für die momentane Starkbierzeit und die die üblichen Dulten geplant waren. Zum Beispiel sagte die Stadt Regensburg am Montag die Maidult ab; wegen des grassierenden Coronavirus wird das vom 15. Mai bis zum 1. Juni geplante Volksfest nicht stattfinden. "Wir waren dort für das Glöckl-Zelt gebucht, wo wir auch schon in den letzten Jahren aufgetreten sind," so Plank.

Dass Plank und seine Bandkollegen Sandro Augustin, David Sorgenfrei und Matthias Zimmerer zu Hause sind und bleiben, hat nicht nur Selbstschutzgründe. "Wir wollen damit auch als Vorbild dienen", versichert der Mittdreißiger. Die ungewöhnliche Trennungssituation hat zwischenzeitlich dazu geführt, "dass wir unsere Proben über Videokonferenzen abhalten". Plank kann dem Zustand sogar etwas Positives abgewinnen: "Jetzt, wo wir zu Hause sind und eine Zwangspause haben, wird die Kreativität angekurbelt." Man habe Zeit zum Nachdenken und zum Ausprobieren neuer Songs - was bei der normalen Band- und Tour-Routine oft zu kurz komme. Wer von Rotzlöffl trotzdem etwas mitbekommen möchte, für dien "füttern wir Facebook und Instagram".

Plank denkt auch an die Zeit nach Corona und äußert einen dringenden Wunsch an die Fans und Partygänger: "Wenn das alles wieder rum ist, müsst ihr auch die Feste wieder gut besuchen und Courage zeigen." Denn eines möchte er nicht: "Das wir wegen der Angst der Menschen vor leeren Festzelten spielen."

Etwas anders sieht die Lage für Joe Brandl aus, den bekannten Schwandorfer Gitarristen und Kopf der Bluesrockband Nec Percé. Brandl und seine Mitstreiter Hans Weiß, Chris Mayer und Fritz Delling (neu) spielen nur aus Freude an der Musik und nehmen in der Regel nur kleine Gigs an - etwa am 1. Februar im Schwandorfer Felsenkeller, der allerdings ausverkauft war. Ansonsten spielt die Gruppe einmal in der Woche in ihrem Wackersdorfer Probenraum zusammen. "Aber das ist jetzt total auf Eis gelegt", sagt Brandl. Denn auf für Nec Percé gilt: Kontakte vermeiden. "Unser Bandleben läuft derzeit eher über soziale Medien", verrät er.

Anders als Solokünstler haben die Bluesrocker nicht die Möglichkeit, bei Wohnzimmer- oder Terrassenkonzerten für ihre Fans aufzutreten und das zu streamen; der Schwarzenfelder Gitarrist Ben Stone hat das kürzlich vorgemacht. Dabei kann man sogar noch ein paar Euro verdienen, denn es gibt die sogenannten "virtuellen Hüte" - wer will, kann dabei über Paypal an den Künstler für den Auftritt ein paar Euro überweisen. Ob das ein lohnendes Geschäftsmodell für regionale Entertainer ist, hat sich allerdings noch nicht bewiesen.

Joe Brandl von Nec Percé: "Unser Bandleben läuft derzeit eher über soziale Medien"
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