24.04.2019 - 18:16 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Pferdesport und Hitlergegner

Polo ist noch immer ein eher elitärer Sport, hoch zu Ross. Einer der Gründerväter des deutschen Polo lebt viele Jahre in Schwarzenfeld: Ernst von Heintze-Weißenrode. Martin Irl weiß interessante Geschichten über ihn.

Martin Irl hat neue Geschichten rund um das Schwarzenfelder Schloss ausgegraben.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Aufgekommen ist Polo im Deutschen Reich des Kaisers Wilhelm II., gespielt wurde der Pferdesport damals von den Spitzen der wilhelminischen Gesellschaft. Ernst Konrad Franz Freiherr von Heintze-Weißenrode, dessen Name fast so lang ist wie sein Leben war - er starb 1951 im Alter von fast 90 Jahren - war einer der Väter des Polos in Deutschland. Der Jurist und Hofbeamte diente im 19. Jahrhundert als junger Mann unter anderem als Legationsrat an der kaiserlichen Gesandtschaft in Buenos Aires. Dort hat der Diplomat das Polo-Spiel kennengelernt, und er führte es auch in Deutschland ein. Am 3. Januar 1898 gehörte von Heintze zu den Gründern des Hamburger Poloklubs, des ersten Polo-Clubs in Deutschland.

Schloss gepachtet

Was hat nun der sportbegeisterte Adelige mit Schwarzenfeld zu tun? Der Gutsbesitzerssohn aus dem Raum Lübeck zeigte nach der Jahrhundertwende Interesse am Schloss an der Naab. Dort lebte Gräfin Maximiliane von Holnstein, aber zunehmend ungern. Wegen der traurigen Erlebnisse in Zusammenhang mit dem Tod ihres Gemahls zog sie aus, das Schloss stand zur Verpachtung. So kam von Heintze in Kontakt mit dem damaligen Schlossbesitzer, dem Sohn von Maximiliane - Ludwig Karl. Man wurde handelseins und der Preuße im Staatsdienst pachtete von 1908 bis 1912 das Schloss, wo er als Ministerresident a. D. mit dem Titel Exzellenz lebte. Im benachbarten Park legte er eine Rennbahn für seine Pferde an.

Tragisches Ende

Es gibt eine schöne Postkarte aus dem Jahr 1910, die Martin Irl kürzlich erstanden hat. Sie zeigt vorne eine Aufnahme des Schwarzenfelder Schlosses, vom Haupttor aus gesehen. Diese Karte hat damals Schlossherr von Heintze versandt, Adressat war ein gewisser Graf Franz Montgelas, ein alter Polo-Freund aus dem Fränkischen.

Die beiden Pferdesportler hatten vier Jahre zuvor zusammen mit dem deutschen Kronprinzen einen weiteren Polo-Club aus der Taufe gehoben, den in Berlin. Kein Wunder, dass Montgelas, der als Architekt und Designer arbeitete, auch in Schwarzenfeld ein gern gesehener Gast war. Franz von Montgelas Leben nahm 35 Jahre später ein tragisches Ende, wie Irl berichtete.

Der Graf wurde nämlich im April 1945 in Nürnberg von einem Sondergericht zum Tod durch Erschießen verurteilt. In der "Fränkischen Tageszeitung" hieß es dazu: "Das Standgericht für den Verteidigungsbezirk Franken hat zum Tode verurteilt: den Grafen Franz von Montgelas auf Schloß Kreuth; Franz von Montgelas hat den Führer in unflätigster Weise beschimpft, ihn verächtlich gemacht und mit seiner böswilligen und zersetzenden Kritik die Kampfkraft des Volkes zu untergraben versucht. Die Urteile sind vollstreckt."

Agentin angesetzt

Denn der Graf zählte zu den Sympathisanten des Attentats vom 20. Juli 1944 und war der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in eine Falle gegangen. Sie hatte eine hübsche Agentin als Spitzel auf ihn angesetzt. Nichtsahnend machte der Graf im November 1944 der Bekannten gegenüber aus seinem Herzen keine Mördergrube, schimpfte im Hotel in Nürnberg auf Hitler und die Nazi-Größen - und wurde verraten. Ein Sondergericht verurteilte ihn dann im folgenden April zum Tode. Das Urteil wurde einen Monat vor der Kapitulation des Deutschen Reichs noch vollstreckt.

Postkarte: Schloss Schwarzenfeld im Jahr 1910
Aus einer Illustrierten des Jahres 1910: Freiherr von Heintze, der damalige Schlossherr in Schwarzenfeld, bei einem Polo-Turnier.
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