Schwarzenfeld
15.06.2018 - 18:03 Uhr

Rosen auf der Speisekarte

Schon mal Senfrosen zur Weißwurst probiert oder Sekt mit Rosensirup aufgegossen? Für ihre Delikatessen muss die Familie Bergler-Fischer früh aufstehen. Meist fährt sie schon um 5 Uhr früh auf das Rosenfeld in Wolfring.

Petra Bergler-Fischer (rechts) und ihre Tochter Veronika beginnen schon frühmorgens auf dem Feld in Wolfring mit der Rosenernte. Völkl
Petra Bergler-Fischer (rechts) und ihre Tochter Veronika beginnen schon frühmorgens auf dem Feld in Wolfring mit der Rosenernte.

Das Feld liegt direkt gegenüber dem Wolfringer Rathaus. Auf 7500 Quadratmetern gedeihen 2500 Rosenstöcke. In der Saison wird jeden Tag geerntet. Reihe für Reihe wird durchkämmt, um aus dem Ertrag im alten Schwarzenfelder Schulhaus 80 verschiedene Produkte herzustellen. Kaum zu glauben, was aus Rosen gemacht werden kann. Die Spezialitäten sind im Shop erhältlich, können online bestellt oder beim jährlichen Rosenfest und im Laden erworben werden. Im Lauf der Jahre haben sich Kontakte zur Spitzengastronomie aufgebaut. Ein Gourmetlokal bezieht seit Jahrzehnten Rosensirup, eine Konditorei in Südbayern gezuckerte Rosenblätter, und ein Delikatessengeschäft schätzt die Rosennudeln zu Wild und Fisch. Im Juni ordern immer die Organisatoren des Rosenfestes auf einer britischen Insel Produkte für ihr großes Event.

80 Artikel sind mittlerweile im Angebot, vom Rosengelee über kandierte Rosenknospen, Rosentörtchen im Glas, Rosensalz und Rosentee bis hin zur Wildpate mit Rose. Dabei hat alles 1986 mit drei Rosen angefangen. Während Petra Bergler-Fischer auf dem Feld die Rosen schneidet, erzählt sie von den Anfängen, die gar nicht so rosig waren. Die Familie hatte in Unterfranken in der Nähe von Würzburg eine kleinen Hof. Sie musste mitverdienen, aber wie mit vier Kindern? Petra Bergler-Fischer hatte in Triesdorf eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, schon immer gerne Liköre hergestellt. Im Vorgarten dufteten alte Rosen. Wäre das nicht was für ein Likör oder Rosengelee? Die Schwiegermutter war nicht gerade begeistert, als in ihrem Bauerngarten neben den Gurken drei neue Rosenstöcke standen.

2500 Rosenstöcke

Petra Fischer-Bergler erkannte, "dass sich daraus was machen lässt". 150 weitere Stöcke wurden bestellt. "Die haben gemeint, ich mach das für einen Schlossgarten", lacht sie. Die Fränkin experimentierte, entwickelte Rezepte, verkaufte auf Wochenmärkten. Es gab anfangs viele Zweifler. "Wer isst denn Rosen", hieß es. Doch das Thema "Delikatesse Rose" sprach sich herum. Anfangs kam sie mit den Bestellwünschen gar nicht nach. Rosenstöcke brauchen schließlich zwei bis vier Jahre, bis sie richtig tragen. 2500 Rosen hatte die Familie schließlich gepflanzt.

Der Hof wurde zu klein, und im Internet stieß Petra Bergler-Fischer auf die Verkaufsannonce für das alte Schwarzenfelder Schulhaus. Die großen Räume, früher Klassenzimmer, waren genau das Richtige für die Delikatessen-Manufaktur: Viel Platz zum Trocknen, zum Likör ansetzen und zum Destillieren. Es gibt auch einen Raum für Verkostungen. Alles wurde nach und nach hergerichtet. 2009 dann der Umzug mitsamt der 2500 Rosenstöcke. Sechs Wochen dauerte die "Aktion Rose". Die Stöcke wurden zurück geschnitten, ausgegraben nach Schwarzenfeld gefahren, in Silo-Plane eingeschlagen und gewässert. Nach und nach kamen sie in den Boden. "Ende Mai bei 28 Grad", erinnert sich Petra Bergler-Fischer an die Aktion, die sie mit Ehemann Dieter und den Kindern bestritt.

Wenn noch alles schläft

Für das gepachtete Grundstück in Wolfring sprach der lehmige Boden, da kommen die duftenden zyklamfarbenen und hellrosa Damascener-Rosen besser über Trockenperioden. Normalerweise beginnt die Ernte Ende Mai, heuer hat sich das zwei Wochen nach vorn verschoben. Geerntet wird bis zum ersten Frost Ende September. Petra Bergler-Fischer, ihre Töchter Veronika und Sophia ist am Start, wenn das Dorf noch schläft. Wird die Sonne zu stark, beeinträchtigt das die Qualität. Meist sind bis gegen 11 Uhr alle Stöcke mit der Gartenschere abgeerntet. Das muss sein: "Was ich heute nicht ernte, ist morgen Biomüll", erzählt die Rosenspezialistin.

Unterschieden wird in zwei Güteklassen. Mit B-Ware bezeichnet Tochter Veronika Fischer offene Blütenstände, Das ist mehr was für Liköre. A-Ware hat feste Blüten, die noch mehr Duft haben und optisch schöner sind. Ihre Blätter werden getrocknet. Die Knospen - meist für Deko - füllen einen Extra-Korb. Das Rosenfeld will gepflegt sein: "Wir müssen mit den Schädlingen leben", erzählt die Unternehmerin. Läuse bei Wärme, Pilzbefall bei Regenwetter. Doch das Lebensmittel Rose wird nicht gespritzt. Ehemann Dieter geht im Frühjahr, bevor die Knospen kommen, mit einer stärkenden Rapsöllösung über die Pflanzen.

Nach der morgendlichen Ernte wird nach Hause gefahren, gefrühstückt, dann gezupft. Veronika (26) macht das seit ihren neunten Lebensjahr. Routiniert nimmt sie jede Blüte in die Hand, öffnet sie und weiß, für welche Produkte sie geeignet ist. Die Blütenware kommt in den Trocken- oder in den Gefrierschrank. Liköre und Essig werden angesetzt. In der Brennerei entstehen Rosengeist und andere Destillate. Die Delikatessen-Manufaktur produziert schon wieder für Weihnachtsmärkte. Alle Rezepte hat die Familie selbst entwickelt. Und zu den Produkten gibt es auch ein Kochbuch: "Rosen á la carte".

Hübsch verpackt eignen sich die Rosenprodukte als nettes Mitbringsel. Völkl
Hübsch verpackt eignen sich die Rosenprodukte als nettes Mitbringsel.
Nach der Rosenernte auf dem Feld werden in der  Delikatessenmanufaktur in Schwarzenfeld die Blätter gezupft und nach Verwendungszweck sortiert. Völkl
Nach der Rosenernte auf dem Feld werden in der Delikatessenmanufaktur in Schwarzenfeld die Blätter gezupft und nach Verwendungszweck sortiert.
Es gehört viel Routine dazu, um die Qualität der Blüten zu taxieren. Völkl
Es gehört viel Routine dazu, um die Qualität der Blüten zu taxieren.
Die Knospen werden in die Trocknung geschoben. Völkl
Die Knospen werden in die Trocknung geschoben.
Rosen können auch in der Küche verwendet werden. Das Rosenkochbuch zeigt wie. Völkl
Rosen können auch in der Küche verwendet werden. Das Rosenkochbuch zeigt wie.
Ob Rosentörtchen im Glas oder Senfrose: Alle Rezepte hat Petra Bergler-Fischer selbst einwickelt Völkl
Ob Rosentörtchen im Glas oder Senfrose: Alle Rezepte hat Petra Bergler-Fischer selbst einwickelt
 
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