Schwarzenfeld
08.03.2019 - 15:22 Uhr

Steingutfabrik: "Heferlbude" als Teil der Industriegeschichte

Wer erinnert sich heute noch an die „Heferlbude“ in Schwarzenfeld? Die dort hergestellten Tafelgeschirre bekamen klingende Mädchennamen. Details weiß ein Pfarrer, der dieses Steckenpferd reitet.

Die Geschirr-Sammlung der Tonwarenfabrik im Rathaus-Foyer wird von Helga Katrin Stano aus München betreut, die Klaus Haußmann für einen Lichtbildervortrag gewinnen konnte. Bild: exb
Die Geschirr-Sammlung der Tonwarenfabrik im Rathaus-Foyer wird von Helga Katrin Stano aus München betreut, die Klaus Haußmann für einen Lichtbildervortrag gewinnen konnte.
Pfarrer Klaus Haußmann, ein Experte für Steingut Bild: exb
Pfarrer Klaus Haußmann, ein Experte für Steingut

Wer erinnert sich heute noch an die "Heferlbude" in Schwarzenfeld? Die dort hergestellten Tafelgeschirre bekamen klingende Mädchennamen. Details weiß ein Pfarrer, der dieses Steckenpferd reitet.

Viele Schwarzenfelder beiderlei Geschlechts arbeiteten in dieser Fabrik. In den meisten Haushalten war das von dort stammende Geschirr mit Namen wie Klara, Maria, Helga oder Jutta in Gebrauch, oftmals sogar handbemalt. Es trug auf der Unterseite den Stempel mit dem schön geschwungenen Schwan.

Bedeutende Designer

Die Stücke waren qualitätvoll im jeweiligen Zeitgeschmack gestaltet, so im Jugendstil, Art déco, Funktionalismus und im "New Look" der 1950er Jahre.  Es gab aus Schwarzenfeld auch aufwendig geformte und prächtig dekorierte Kunstkeramiken.

Sogar bedeutende Designer lieferten Geschirrentwürfe. Hier sind die Namen Jean Beck aus München und Heinrich Löffelhardt aus Arzberg zu nennen. In den 1930er Jahren expandierte die Firma und war sogar auf der Leipziger Messe vertreten. Dadurch wurde das Schwarzenfelder Geschirr weltweit bekannt und bis nach Südamerika exportiert. Leider versäumte man es nach dem Krieg, die Fabrik zu modernisieren. Dadurch wurde sie mehr und mehr unrentabel. 1956 kam das Aus.

Aber in vielen Haushalten gab und gibt es noch immer Erinnerungsstücke an diese Zeit. Aus Schenkungen und Leihgaben ist im Foyer des Rathauses Schwarzenfeld seit letztem Herbst wieder die Geschirr-Sammlung der Tonwarenfabrik ausgestellt. Sie wird von Helga Katrin Stano aus München betreut, die den Referenten Klaus Haußmann für den Lichtbildervortrag gewinnen konnte.

Pfarrer Klaus Haußmann aus Ammerthal beschäftigt sich seit seiner Kaplanszeit in Schwandorf (1991/93) mit der Geschichte und den Produkten des Steingutwerkes in Schwarzenfeld und hat eine große, umfassende Sammlung aller Herstellungsphasen zusammengetragen. Im Lichtbildervortrag wird Typisches und Seltenes, Bekanntes und Unbekanntes gezeigt.

Besucher des Vortrages können auch eigene Steingutstücke zur Begutachtung mitbringen. Der Vortrag ist am Freitag, 22. März, um 19 Uhr im Rathaus Schwarzenfeld. Er ist öffentlich und kostet keinen Eintritt.

 
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