"Früher war beim Pflanzenbautag der Saal im Restaurant Miesberg bis auf den letzten Tag besetzt. Heute sind gerade einmal 20 Landwirte da", brachte ein Tagungsteilnehmer die derzeitige Situation der Landwirte auf den Punkt. Eine unverständliche Gesetzgebung und eine überbordende Bürokratie ließen viele Bauern die Reißleine ziehen. Die Konsequenzen aus dem Volksbegehren machen ihre Situation nicht einfacher. Dabei war das Volksbegehren nicht das große Thema beim Pflanzenbautag. Da hieß es schon eher abwarten, was dabei herauskommt. Für alle Anwesenden stand außer Frage, dass das Artensterben ein Anliegen aller Bürger sein müsse. Die Landwirtschaft sei nur ein Teil der Misere. "Wenn nicht der gesunde Menschenverstand einsetzt, nützen auch neue Gesetze nichts", so die Meinung der Tagungsteilnehmer.
Für sie ging es bei dem Seminar um das "tägliche Brot", das die Bauern durch ihre Arbeit verdienen müssen. Dazu gaben versierte Fachleute des AELF wertvolle Hinweise. Die Moderation lag in Händen von Patricia Steinbauer vom ALEF Schwandorf. Die Sortenempfehlung für das Jahr 2019 hatte das Referat von Theresia Addokwei vom AELF Regensburg zum Thema. Das vergangene Jahr konnte witterungsbedingt als dramatisches Jahr bezeichnet werden. Von der Trockenheit waren die Landkreise Schwandorf und Neustadt besonders hart betroffen. Einbußen von über 50 Prozent bei Kartoffel und Getreide waren die Folge. Auch beim Mais war das Ergebnis ähnlich. Wie nachteilig sich die Gesetzgebung auf die Ernte auswirken kann, wurde am Beispiel des Maiswurzelbohrers deutlich. Seit die bewährte Regel "Nicht Mais auf Mais" aufgehoben wurde, breitet sich dieser Schädling unaufhaltsam aus. Addokwei verwies auf den Beschluss des Bayerischen Kabinetts vom März 2017, wonach ab Stichtag 1. Juli 2019 keine finanziellen Unterstützungen in Form von Soforthilfen mehr gewährt werden, wenn die eingetretenen Schäden versicherbar waren.
Wichtig: Grünlandanalyse
Wie nach dem trockenen Sommer das Grünland wieder fit gemacht werden kann, zeigte Michael Beimler von der Erzeugerringberatung Oberpfalz auf. "Grünland kann man gegen Schäden nicht versichern", so die nüchterne Feststellung. Wichtig sei eine objektive Grünlandanalyse. Dabei könnten Lücken in der Grasnabe durchaus eine Chance sein, um eine optimale Grasstruktur zu erzeugen. Hochwertiges Grünland besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Gräsern, 10 bis 15 Prozent Leguminosen und 10 bis 15 Prozent aus Kräutern. Je nach Schäden in der Grasnabe komme eine Nach- und Übersaat oder eine Pflegeneuansaat infrage. Alle Veränderungen des Grünlandbestandes müssen dem AELF angezeigt werden.
Die Steigerung der Biodiversität und der Artenvielfalt hatte Wildlebensraumberater Balduin Schönberger vom AELF Amberg in seinen Vortrag gewählt. Als Biodiversität bezeichnet der Fachmann die gesamte Vielfalt des Lebens. Bereits jetzt leiste die Landwirtschaft einen enormen Beitrag zum Erhalt einer artenreichen Umwelt. Nur würden diese Anstrengungen wenig publikumswirksam dargestellt. Als Beispiele nannte er das Greening und Kulap. Diese Programme seien bereits jetzt wertvolle Beiträge zum Erhalt der Umwelt. Balduin Schönberger wünschte sich "viel mehr Unordnung in unserer Landschaft. Bodenlebewesen haben keine Chance zum Überleben und fehlen in der Nahrungskette", hat der Fachmann festgestellt. Tiere, wie das Rebhuhn, die auf tierisches Eiweiß angewiesen sind, müssten verhungern. "Blühstreifen und Winterzwischenfrucht schaffen wertvolle Lebensräume."
Der Wechsel macht's
Es sollte eine Wechselspiel zwischen offenen Räumen und Deckungen entstehen. Auch für Schönberger ist es besonders wichtig, dass jeder seinen Beitrag für eine artenreiche Umwelt leistet. Ein Berufsstand alleine könne dies nicht bewerkstelligen.













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