"Wir haben es versäumt, die Öffentlichkeit in die Entwicklung der modernen Produktion einzubinden und die Leistungen der Landwirte im Umwelt- und Tierschutz zu verdeutlichen", betonte Vorstandsvorsitzender Hans Auer bei der Bezirksversammlung der „Erzeugergemeinschaft Südbayern“ im Miesberg-Restaurant. Die "Erzeugergemeinschaft Südbayern" ist eine bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung mit 10 000 Mitgliedern und einem Jahresumsatz in 2018 von 424 Millionen Euro. Die Organisation vermarktete im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Schweine, 1,4 Millionen Ferkel, 80 000 Rinder und 60 000 Kälber. Sie beschäftigt 130 Mitarbeiter und hat 28 Fahrzeuge im Betrieb, die die Tiere von den Stallungen abholen und zu den Schlachthöfen transportieren. "Ein Eigenkapital von 26 Millionen Euro ist ein Beleg für unsere Stärke", betonte Hans Auer. Was dem Vorstandsvorsitzenden aber Sorge bereitet, ist das Imageproblem der Tiervermarkter. Die Gesellschaft sehe im Landwirt nicht mehr den Garanten für eine verlässliche Versorgung der Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, "sondern den Buhmann der Nation und Verursacher von Fehlentwicklungen". Die Erzeugergemeinschaft Südbayern unterstütze deshalb die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative "Unsere Bayerischen Bauern".
Für den Vorstandsvorsitzenden sind bei der tierischen Veredelung die Zeiten von wachsenden Märkten vorbei. Der Verzehr von Schweinefleisch sei seit Jahren rückläufig. "Die Leute essen weniger und achten dafür mehr auf Qualität", beobachtet Hans Auer. Er sieht seine Organisation aber bestens auf diese Entwicklung vorbereitet, "weil durch die Verschmelzung mit der Erzeugergemeinschaft Oberbayern im vergangenen Jahr ein weitreichender Strukturanpassungsprozess umgesetzt wurde". In den sieben Geschäftsstellen, darunter auch Nittenau, nutze die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung die Synergien, um die Effektivität zu steigern und die Kosten zu senken.
Das Mitglied des Vorstandes, Willi Wittmann, sieht den Ferkel- und Schweinemarkt kritisch. Nicht nur der Inlandsverzehr schrumpfe, auch die Exportmärkte seien immer schwerer zu bedienen, "weil die Produktionsbedingungen und die Kosten bei den wichtigsten Mitbewerbern gerade auf dem amerikanischen Kontinent deutlich unter den deutschen Voraussetzungen liegen". Mit Sorge beobachtet Wittmann auch "das rasante Tempo des Strukturwandels", der sich mit der Verschärfung der Düngeverordnung weiter beschleunigen dürfte. Seit dem Jahr 2000 seien die Hälfte der Zuchtsauenplätze weggebrochen und 60 Prozent der Zuchtsauenhalter "haben die Stalltüre für immer geschlossen". Die Mäster seien mittlerweile auf Ferkellieferungen aus anderen Regionen Deutschlands angewiesen.
Vor vier Jahren schloss sich der Verband der "Ringferkel in der Oberpfalz" der "Erzeugergemeinschaft Südbayern" an und liefert dem Dachverband seitdem jährlich 280 000 Ferkel mit einem Gewicht von 30 Kilogramm. Dafür bekommen die 100 Ferkelerzeuger, die in der Oberpfalz noch verblieben sind, 70 Euro pro Tier. "80 Euro wären notwendig, um kostendeckend arbeiten zu können", sagt Peter Nißl. Er leitet die Geschäftsstelle der Erzeugergemeinschaft Südbayern in Nittenau, die sich ausschließlich um die Ferkelvermarktung kümmert.
Vorsitzender des Verbandes der Ringferkel war bis zur Fusion im Januar 2015 Anton Scherr aus Katzdorf (Stadt Neunburg v.W.). Er gehörte anschließend vier Jahre dem Vorstand des Dachverbandes "Erzeugergemeinschaft Südbayern" an. Nun wurde er aus dem Gremium verabschiedet. Anton Scherr bleibt aber weiter zweiter Vorsitzender der "Ringgemeinschaft Bayern".




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