10.11.2020 - 12:25 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Zum Tod des Ruhestandspfarrers Hermann Lämmermann

Seinen letzten öffentlichen Auftritt in Schwarzenfeld hatte Ruhestandspfarrer Hermann Lämmermann vor ziemlich genau sieben Jahren bei einem Festgottesdienst. Vor zwei Wochen ist der Geistliche in Amberg verstorben. Er wurde 84 Jahre alt.

Pfarrer Hermann Lämmermann.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Diesen Festgottesdienst hat man Ende Oktober 2013 zum Jubiläum der evangelischen Christuskirche gefeiert, bei dem auch die umgebaute Orgel gesegnet wurde. Alle damals noch lebenden, früheren evangelischen Pfarrer der Christuskirche gaben sich dabei ein Stelldichein. Hermann Lämmermann, zu dieser Zeit schon lange im Ruhestand, war einer von ihnen. Er trat bei Gottesdienst auch ans Lesepult, um seiner ehemaligen Pfarrgemeinde seine besten Wünsche zu übermitteln.

Das Leben machte es dem im Juli 1936 in Fürth geborenen Lämmermann nicht immer leicht. Seine Jugendzeit verbrachte er im Stadtteil Burgfarrnbach. Er war zunächst Elektrotechniker bei Siemens in Nürnberg und Erlangen; Lehrzeit und Gesellenjahre schloss er mit der Facharbeiterprüfung ab. Bei Siemens absolvierte Lämmermann zusätzlich einen Technikerspezialkurs, um danach noch mehrere Jahre in dem Elektrogroßkonzern tätig zu sein. Als deutlich wurde, dass der gelernte Beruf ihn nicht auf Dauer erfüllen würde, begab sich Lämmermann auf den zweiten Bildungsweg und studierte als Spätberufener Theologie.

Ehrenamtlich in der Jugendarbeit

Schon vor Eintritt in das evangelische Seminar im Herbst 1969 arbeitete der damals 33-Jährige ehrenamtlich in der Jugendarbeit und auch als Lektor und Prädikant in seiner Kirchengemeinde mit. Zu dieser Zeit gab es in der evangelischen Landeskirche einen Pfarrermangel, so dass man einen seminaristischen Ausbildungsweg für "Männer gereifteren Alters" für sinnvoll erachtete. In der Sprache der 1960er Jahre wurde das so begründet: "Wer aus einem säkularen Beruf kommt und sich dort schon Jahre in einem harten Existenzkampf bewährt hat, kann in der Seelsorge besonders lebensnah wirken. Der Pfarrerstand innerhalb der Landeskirche könne nur bereichert werden, wenn aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten und Lebenserfahrungen die künftigen Träger des geistlichen Amtes kommen."

Seine Ausbildung bis zum ersten theologischen Examen erfolgte von 1969 bis 1972 in Neuendettelsau im dortigen Missions- und Diaspora-Seminar. Eingeschlossen waren auch die Teilnahme an Vorlesungen der Augustana-Hochschule. Lämmermanns erste Pfarrei war 1972 in dem kleinen Plößberg (Landkreis Tirschenreuth), wo er als Vikar anfing und später zum Pfarrer ordiniert wurde. Sechs Jahre wirkte Lämmermann in der nördlichen Oberpfalz. Mit 42 Jahren führte ihn schließlich im September 1978 sein Weg nach Schwarzenfeld.

Aus der Geschichte der Kirchengemeinde

Zwölf Jahre versah der Geistliche seinen Dienst in Schwarzenfeld. In diese Zeit fiel unter anderem die Auseinandersetzung um die WAA, bei der sich der Geistliche auf Seiten der Gegner des Atomprojekts positionierte. Sein Sohn Andreas war sogar Mitglied im Vorstand der Anti-WAA-Bürgerinitiative. Mitte der 1980er Jahre erlitt die Familie, zu der die drei Kinder Andreas, Brigitte und Helmar gehörten, einen Schicksalsschlag, als Ehefrau und Mutter Margarete früh verstarb. Ende des Jahrzehnts endete dann auch das pfarrliche Wirken Lämmermanns abrupt.

"Verständnisvoller Seelsorger"

"Er war ein ausgleichender, verständnisvoller Seelsorger und hat bis zuletzt Kontakt zu uns gehalten. Wir danken ihm für alles, was er für uns getan hat," erinnern sich Pfarrerin Heidi Gentzwein und Roland Willecke als Vertrauensmann des Kirchenvorstands an ihn. Von seiner Verbundenheit mit der Gemeinde Schwarzenfeld zeugt auch ein Wandrelief im Gemeinderaum mit dem Thema „Der gute Hirte“.

Bedingt durch eine schwere Erkrankung wurde er mit Wirkung vom 1. August 1990 in den Ruhestand versetzt. In der Zeit der Krankheitsvertretung waren als Seelsorger Pfarrerin z. A. Bärbel Mayer und Pfarrer z. A. Roland Knöll eingesetzt. Die Vakanzvertretung bis zur Neubesetzung der Stelle oblag einem Geistlichen aus Schwandorf: Pfarrer z. A. Christian Strecker führte bis zum Amtsantritt von Pfarrer z. A. Stefan Ranke und Pfarrerin z. A. Haike Ranke am 1. Februar 1991 die Geschäfte in Schwarzenfeld.

Lämmermann lebte danach im Fränkischen, wo er in der Diakonie in Nürnberg aktiv war, und zuletzt im Heilig-Geist-Spital in Amberg, wo sich seine Tochter Brigitte um ihn kümmern konnte, die in dem Heim als Therapeutin tätig ist. Am 29. Oktober dieses Jahres ist Hermann Lämmermann gestorben.

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