Schwarzenfeld
21.11.2018 - 13:04 Uhr

Umkehr hin zu mehr Mitgefühl

"Ein Feiertag - und irgendwie doch kein Feiertag" sei der Buß- und Bettag, urteilt Karl Georg Haubelt zu Beginn des Gottesdienstes in der Christuskirche. In seiner Predigt bringt er eine alte, sehr moderne Botschaft.

Karl Georg Haubelt, der die Besucher des Gottesdienstes am Buß- und Bettag an der Kirchentüre verabschiedete, bezeichnete die Teilnahme an der Feier als "Abstimmung mit den Füßen" für einen "Feiertag, der eigentlich kein Feiertag ist". Bild: Thomas Dobler
Karl Georg Haubelt, der die Besucher des Gottesdienstes am Buß- und Bettag an der Kirchentüre verabschiedete, bezeichnete die Teilnahme an der Feier als "Abstimmung mit den Füßen" für einen "Feiertag, der eigentlich kein Feiertag ist".

Den Kirchenbesuch am Mittwoch Vormittag bezeichnete Haubelt "als stumme Abstimmung mit den Füßen, dass wir uns diesen Feiertag nicht nehmen lassen, der uns damals genommen wurde".

Sein Predigtext orientierte sich an der Offenbarung des Johannes. Zugrunde lag ein 2000 Jahre altes Schreiben an die christliche Gemeinde in Laodizea, das in der heutigen Westtürkei lag. Dem Textduktus nach ist es Johannes, dem Verfasser der Offenbarung, von Jesus Christus diktiert worden, um die frühchristliche Gemeinde zu ermahnen. Damals war Laodizea eine sehr wohlhabende Metropole des Römischen Reichs. Um 90 n. Chr. lebten dort bereits Christen, gut integriert in die städtische Gemeinschaft - mit allen negativen Eigenschaften für Festigkeit und Leidenschaft im Glauben.

"Reich, aber elend"

In dem Brief geht es um einen angekündigten Besuch des Erlösers. Wie würde er die Gemeinde sehen, die so stolz auf sich war? Volle Taschen, aber leere Herzen; reich, aber innerlich elend, lautete das schonungslose Urteil. In der Gemeinde von Laodizea war der geistliche Tod eingetreten, obwohl nach außen hin alles gut geregelt war. Die reichste Stadt von Phrygien lag strategisch günstig: Banken, Medizin - etwa die Augenheilkunde - und Textilgewerbe standen in Hochblüte. Daraus hatte sich eine satte Selbst-Zufriedenheit ergeben, die auch vor den Christen nicht halt machte. Der Herr empfahl den Laodizenern in dem Brief dringend, reines Gold zu kaufen, Gold im geistlichen Sinn.

Die laodizenische Gemeinde des ersten Jahrhunderts trug Kennzeichen an sich, welche die christlichen Gemeinden aller Jahrhunderte aufweisen. Der Gemeinde wurde im Brief implizit vorgeworfen, dass sie so lau sei wie das von weitem herangeführte Trinkwasser, dass sie armselig, bemitleidenswert, arm, blind (und das in der Welthauptstadt der Augensalben) und nackt sei.

Karl Georg Haubelt schlug einen Bogen in die Jetztzeit und erkannte in den Bewohnern von Laodizea den modernen Christen, "den mit sich selbst beschäftigten Menschen, den das Schicksal der anderen nur als Nachricht angeht". Gerade so jemand brauche Buße und Umkehr: "Von sich selbst weg, hin zu den anderen." Der Prädikant redete einer "Kultur der Barmherzigkeit, der Empathie" das Wort. "Denn dies zeichnet das christliche Abendland aus". Das wollte er besonders jenen ins Stammbuch geschrieben wissen, "die immer vom christlichen Abendland schwadronieren".

 
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