Am Freitagabend fand in der Aula der Dr.-von-Ringseis-Grundschule die Feier zum 50-jährigen Jubiläum des SPD-Ortsverbands Schwarzhofen statt. Ehrengast und Festredner war Markus Rinderspacher, Vizepräsident des bayerischen Landtags. Vorher fand man sich am Pfarrberg ein, um den zweiten Gedenkstein an die Opfer der Todesmärsche im April 1945 einzuweihen. Marktrat, Ortsheimatpfleger und früherer langjähriger Vorsitzender Alfred Wolfsteiner hielt die Gedenkrede.
Er stellte heraus, dass genau am 21. April der erste Zug mit KZ-Häftlingen den Markt Schwarzhofen durchquerte. Einen Tag später, an einem nasskalten Aprilsonntag, schleppte sich ein zweiter Zug durch den Ort. Den Kirchgängern bot sich ein schreckliches Bild von ausgemergelten Gestalten. Ebenso wie am Vortag erschossen die SS-Schergen eine Reihe von Häftlingen, die das Tempo nicht mehr mithalten konnten. Man warf sie einfach in einem Bombentrichter. Nur notdürftig verscharrt erfolgte erst im Juni 1945 auf Befehl der Besatzer die Exhumierung der Leichen.
Überlebende der Todesmärsche waren nach ihrer Befreiung zurückgekehrt, um nach den sterblichen Überesten ihrer Kameraden zu suchen und ihnen ein würdiges Begräbnis zu ermöglichen. Das ganze Dorf musste zusehen, als die Leichen in den örtlichen Friedhof überführt wurden. Den SPD-Markträten Angela Heller-Wolfsteiner, Adolf Dümmelbeck und Anton Ziereis sen. war es 50 Jahre später ein Anliegen, dass das Leid der KZ-Häftlinge nicht in Vergessenheit geraten würde. Auf ihren Antrag hin gab der Markt einen Gedenkstein in Auftrag, der am so genannten Rosentradl an der Straße nach Neunburg am Volkstrauertag eingeweiht wurde.
Anton Ziereis hatte als zwölfjähriger Bub die Todeszüge durch den Ort noch bewusst miterlebt. Sein größter Wunsch war es, dass auch hier, am Pfarrberg, ein zweiter Gedenkstein gesetzt würde. Zusammen mit dem Markt hat der SPD-Ortsverband diesen Stein realisiert. Wolfsteiner bedankte sich abschließend für den Ortsverband beim Markt, bei den Bauhofarbeitern für die Unterstützung, bei Markus Käsbauer vom Landkreisbauhof für die Hilfe bei der Auswahl der Stelle für den Stein, vor allem aber bei Steinmetz Franz Birner für die Überlassung des Steins, des Sockels, der Gedenktafel und die Gravur der Inschrift.
In der Aula konnte die Vorsitzende Sandra Richthammer ein "volles Haus" willkommen heißen und freute sich über den guten Besuch. Alfred Wolfsteiner stellte in einem langen Vortrag die Chronik des Ortsverbands vor. Die Gründung des Ortsverbands am 1. Mai 1972 ist sicher, doch muss es schon vorher einen Ortsverein gegeben haben, über den aber weiter nichts bekannt ist. Allerdings haben in den 1950er und 1960er-Jahren SPD-Genossen im Marktrat die Parteifahne hochgehalten.
Die am 1. Juli 1972 in Kraft getretene Gemeindegebietsreform politisierte die Bevölkerung im neuen Landkreis Schwandorf. Mit Hans Schuierer hatte sich ein "Roter" knapp als Landrat durchgesetzt. Doch in Schwarzhofen blies dem jungen Ortsverband ein eisiger Wind ins Gesicht. Auch war es oft nicht einfach, ein Lokal für Versammlungen zu finden.
Im Jahr 1975 übernahm Anton Ziereis von Franz Weinfurtner die Leitung des Ortsvereins. Dieser wurde bald vor eine harte Probe gestellt, mit der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge verlor er wieder etliche Mitglieder. Zu Beginn der 1980er Jahre stand dann ein neues brisantes politisches Thema an, das auch die Bevölkerung in Schwarzhofen spalten sollte: der Plan des Baus einer WAA. Für die Parteiarbeit blieb wenig Zeit, doch auch in Schwarzhofen zeigte sich Widerstand vor Ort.
Neuen Schwung brachte Angela Heller-Wolfsteiner in den Ortsverband. Sie übernahm nach 14 Jahren von Anton Ziereis die Leitung. Tatsächlich gelang es ihr mit einer Liste von 24 Kandidaten bei den Kommunalwahlen im März 1990 die SPD-Stimmen zu verdoppeln. Die Zahl der Mitglieder verdreifachte sich, doch reduzierte sie sich gleich wieder beim Streit um die Erhaltung des Neunburger Krankenhauses. Der Streit um den Standort eines Kindergartens war ein neues heikles Thema.
In seiner brillanten Festrede schlug Rinderspacher immer wieder Brücken von der Vergangenheit in die Jetztzeit. "Die SPD ist die älteste demokratische Partei seit 130 Jahren, sie hat nie ihren Namen wechseln müssen, sie ist Zentrum von Freiheit, sie engagiert sich überall, hat den Rechtsstaat aufgebaut", begann er. Heute sei die SPD die stärkste Fraktion im Bundestag, die höchsten Ämter im Staat sind mit Sozialdemokraten besetzt.
Die Vorsitzende Sandra Richthammer ehrte die Jubilare des Ortsverbands mit Urkunden. Geehrt wurden für 20 Jahre Dieter Dettwiler, Christian Voith und Gudrun Moritz. Seit 25 Jahren ist Alfred Wolfsteiner dabei. Auf 30 Jahre Zugehörigkeit können Andreas Immervoll und Alfred Richthammer blicken. Für 40 Jahre wurden Angela Heller-Wolfsteiner und Georg Voith sen. geehrt. Seit 45 Jahren halten Eckart Meißner und Richard Merkl dem Ortsverband die Treue.
SPD-Ortsverein Schwarzhofen
- Gründung: 1. Mai 1972
- Vorstände: Franz Weinfurtner (1972-1975), Anton Ziereis (1975-1989), Angela Heller-Wolfsteiner (1989-2002), Alfred Richthammer jun. (2002-2007), Alfred Wolfsteiner (2007-2021), Sandra Richthammer (seit 2021)

















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