Florian Sorgenfrei war noch nie im englischen Hereford. Trotzdem weiß er genau, wie das Register der Orgel in der Kathedrale dort aussieht und er kennt den speziellen Klang mit dem beeindruckenden Hall-Effekt. Die entsprechende Software und ein Instrument Marke Eigenbau machen es möglich, dass in seinem Zimmer im Elternhaus in Schwarzhofen Orgelpfeifen ertönen, die sich jederzeit an einen beliebigen Ort transferieren lassen. Nach einer Testphase von einem Jahr ist für den Musiker und seinen Vater klar: Die digitale Orgel hat sich bewährt.
Der grüne Balken am seitlichen Display zeigt an, dass der integrierte Computer gerade mit dem Laden des Programms beschäftigt ist. Florian Sorgenfrei lehnt das Notenblatt an den gläsernen Ständer der hölzernen Konstruktion und legt los mit der "Toccata" von Théodore Dubois. Erst noch leise, dann ganz schön laut füllt die Klangwelt des französischen Komponisten das Jugendzimmer im ersten Stock. "In meiner Mietwohnung in Regensburg spiele ich natürlich mit Kopfhörer", räumt der 27-Jährige mit Blick auf die beiden Boxen ein, die rechts und links vor der digitalen Orgel stehen. Zusammen mit seinem Vater Michael hat er den Traum von einer transportablen Orgel realisiert.
"Ganz neu ist die Idee nicht", gibt der junge Organist zu und verweist auf sein Vorbild Cameron Carpenter. Der amerikanische Organist hat sich so ein Instrument gebaut, allerdings braucht er für den Transport einen Truck. Auch bei ihm stand wohl die Überlegung im Vordergrund, dass Perfektion nur über absolute Vertrautheit mit dem Instrument möglich ist. "Jede Orgel hat einen eigenen Charakter, das macht es schwierig, sich in der Kürze der Zeit darauf einzustellen", erklärt Sorgenfrei die Beweggründe für das Projekt. "Außerdem ist der Orgelklang zu schön, um ihn nur in einer Kirche zu Gehör zu bringen."
Drei Keyboards kombiniert
"Interessante Geschichte", meinte Vater Michael, als er mit der Idee des Filius konfrontiert wurde. Der 57-Jährige, laut Sohn "von Haus aus ein Tüftler in seinem Job bei EMZ", stufte die Sache als realistisch ein und lieferte die erste Zeichnung. Drei Keyboards wurden zerlegt und in einen Rahmen aus leichtem Paulownia-Holz eingesetzt. Ein Blick hinter die Tasten offenbart jede Menge Drähte, Platinen und eine ganze normale Mehrfach-Steckdose. Für die Pedale hat das Vater-Sohn-Duo eine hölzerne Konstruktion durch einen teilbaren Alurahmen ersetzt. Nicht zuletzt musste noch ein Rechner mit viel Power her, und das alles sollte zerlegbar sein. Vor allem beim Programmieren stieß der 32-jährige Wirtschaftsinformatiker da manches Mal an seine Grenzen: "Da genügt ein falsch gesetzter Haken, und nichts funktioniert."
Fast zwei Jahre haben Vater und Sohn an dieser digitalen Orgel gebastelt. "Manuell ist hier nur der Tastendruck", erläutert Florian Sorgenfrei, der nun immer und überall üben kann und - anders als in schwer beheizbaren Kirchen - dabei auch keine kalten Füße bekommt. Außerdem lässt sich das digitale Instrument bei Bedarf auch höher oder tiefer stimmen, was das Zusammenspiel mit anderen Musikern enorm erleichtert. Das Modell Marke Eigenbau muss am 3. Februar auch mit in die Oberviechtacher Auferstehungskirche, obwohl dort ja eine Orgel vor Ort bereitstehen würde. Beim Konzert "Sorgenfrei meets Lottner" ist man dann nämlich schon eingespielt mit den Musiker-Kollegen.
Ist man da nicht schnell etwas verwöhnt? "Ja, absolut", gesteht der Organist, der sich vorstellen kann, dass die digitale Orgel auch in den Kirchen eine Zukunft hat. "In unseren Breitengraden schimmeln viele Orgeln", weiß er "einerseits sollte man alte Instrumente erhalten, andererseits macht eine Neuanschaffung gerade in kleineren Gemeinden vielleicht in Zukunft mehr Sinn."
Patent problematisch
Haben Vater und Sohn das Modell vorsorglich schon als Patent angemeldet? "Das ist schwierig", meinen beide, denn alle Teile gebe es ja bereits, nur eben nicht in dieser reisefähigen Kombination, die in Konzertpausen das Publikum magisch anzieht und erst kürzlich ihren großen Auftritt hatte: Mit der Gruppe "Kaleidoskop der Musik" und seiner digitalen "Königin der Instrumente" war Florian Sorgenfrei beim Bundespresseball in Berlin vertreten. Der Konstrukteur träumt inzwischen schon von einer neuen Software, die keinen weiteren Umbau nötig macht. Nur eine kleine Investition, dann könnte in seinen vier Wänden die Mutin-Cavaillé-Coll-Orgel aus der Kirche "Notre Dame de Metz" erklingen.
"Sorgenfrei meets Lottner"
Die Konzertreihe „Sorgenfrei meets Lottner“ geht in die nächste Runde. Zwei Konzerte stehen nun an, bei denen auch die digitale Orgel zum Einsatz kommt: am 3. Februar in der Oberviechtacher Auferstehungskirche und am 10. Februar im Fürstenkasten von Rötz, jeweils um 17 Uhr. Die Gruppe "Kaleidoskop der Musik", die beim Bundespresseball aufgetreten ist, hatte 2016 den Titel aus den Nachnamen der Musiker gebildet. "Musik in ihrer Vielfalt erleben", heißt es nun bei Werken von Seal, Edith Piaf, den Eagles, Roger Cicero und anderen. Mit von der Partie sind neben Florian Sorgenfrei Alexander Lottner (Tenor) und seine Schwester Felicitas Mandon (Sopran) sowie David ( Gitarre, Trompete) und Jonas Sorgenfrei (Schlagzeug).
















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