14.11.2019 - 09:55 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Stille zwischen Teenager und Turbulenz

Ohne Getöse erobern die Holz-Skulpturen von Vasilij Plotnikov den Raum. Für die Ausstellung "Stille Zeit" bekommen sie in der Galerie VKUS in Schwarzhofen knallig bunte Gesellschaft. Edles aus dem russischen Sotchi ist auch dabei.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Drei Tage vor der Vernissage ist Nastja Swerdlova gerade dabei, ihre Schmuckstücke in der Galerie VKUS in Schwarzhofen für die Vernissage zu arrangieren. Silbern funkeln Ohrringe und Anhänger, deren Ornamentik ihre Wurzeln in Peru hat. Aber auch Holz hat die Goldschmiedin zusammen mit Sergej Tokmakov in Ringen verarbeitet, die dem kalten Metall etwas Wärmendes verleihen. Nebenan wetteifern die bunten Werke von Michael Dietlinger aus dem Oberviechtacher Ortsteil Wildeppenried mit dem großen Bild "Gutes Gefühl" von Klara Ratajczak um die Gunst des Betrachters. Das Schaufenster halten vor allem die hölzernen Skulpturen von Hausherr Vasilij Plotnikov besetzt, der seine Räume ab 16. November, 18 Uhr, für die Ausstellung mit internationalen Gästen öffnet.

Präzise bis abstrakt

"Stille Zeit" titelt die Ausstellung, die zur Betrachtung von Werken einlädt, die viel konzentrierte Bewegung verraten. Da sind die präzisen Buntstift-Zeichnungen von herbstlichen Blättern, die Klara Ratajczak, so detailgetreu fertigt, dass man an ein reales, gepresstes Objekt glaubt. Aber sie kann auch anders: Groß und in Holz spürt sie den Strukturen der Natur nach oder bevölkert Nischen und Regale mit kleinen Figuren - wenn sie nicht gerade abstrakt und farbenfroh auf mit dem Pinsel auf einer Leinwand unterwegs ist.

Liebling Holz

Holz ist das bevorzugte Material von Plotnikov. Der 47-Jährige findet es oft auf Reisen, arbeitet zarte Rillen in organisch geformte Miniatur-Objekte oder lässt im Großformat die Kettensäge sprechen. Aber auch Bronze, Stein und Draht sind ihm nicht fremd. Auf dem jüngsten Erfolg, einem Brunnen für seine Wahlheimat Schwarzhofen, will er sich nicht ausruhen auch wenn er sich sehr über die Anerkennung von vielen Seiten gefreut hat.

Energiegeladen

Egal ob groß oder klein wie ein Schmuckstück, es ist die Arbeit, die solche Gegenstände seiner Ansicht nach wertvoll macht, "weil Energie in sie hineinfließt". Energiegeladen beugt sich dann ein riesiger "Teenager" nach vorne, während die "Turbulenz" mit ihren spiralförmien Strukturen auf Augenhöhe abzuheben scheint. Ganz viel Farbe und dazu noch satten Glanz bringt Michael Dietlinger mit in die Ausstellung. Der 44-Jährige findet seine Motive eher zweitrangig. Über Druckgrafik und die dabei verwendeten Platten hat er seinen Weg zu einer Form der Kunst gefunden, in der das Werkzeug selbst zur Kunst wird. Wo ursprünglich nur Farbreste zurückblieben, hat er dick aufgetragen, einen Stuhl, Schuhe, eine Gitarre oder auch das Testbild aus dem Fernsehen mit reliefartigen Strukturen aufs Bild gebannt.

Pop Art als Ausdrucksform schillert da unter einer dicken Schicht Lack durch, die für einen fast schon keramischen Charakter sorgt. "Angefangen hat das alles mit einer Madonnen-Serie und Druckstöcken, die ich mit Blattgold bearbeitet habe", erklärt Dietlinger, der sich in seiner Diplomarbeit an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg mit der Aura auseinandergesetzt hat. Wie eine Aura umgibt seine Bilder auch der jeweilige Titel, der vor allem schräg daherkommt. "Wenn mir ein geistreicher Satz einfällt, dann schreibe ich den gleich auf", sagt der Künstler. Ein Bild füllender roter Stuhl bekommt beispielsweise als "zweite Ebene" den Titel "Die Nornen spinnen das Schicksal" verpasst. "Und das will ich auch nicht erklären", stellt der Schöpfer dieser Kombination aus Wort und Bild klar.

Klarer ist da die Botschaft der Schmuckstücke von Nastja Swerdlova und Sergej Tokmakov, die unter dem Label "Atauchi" firmieren: Übersetzt aus der indigenen Sprache von Peru (Ketschua) bedeutet das "Was mich glücklich macht". Die 30-jährige Innenarchitektin und Goldschmiedin ist fürs Design verantwortlich. Das Schmelzen des Metalls, das Herstellen von Platten und Drähten übernimmt ihr Partner. "Es finden sich immer wieder Menschen, die etwas Besonderes zu schätzen wissen", erklärt Swerdlova die Tatsache, dass ihr Schmuck sich gegen industriell gefertigten behauptet. Wie weh tut es sich von solchen Einzelstücken zu trennen? "Sehr", sagt sie, lächelt aber dabei. "Es hilft, wenn man weiß, welche Freude an den Schmuckstücken die Leute haben, die man irgendwann später auf der Straße trifft".Weitere Bilder unter: www.onetz.de/

Öffnungszeiten:

Öffnungszeiten

Vernissage für die Ausstellung "Stille Zeit" in der Galerie VKUS (Lederergasse 1 in Schwarzhofen) ist am Samstag, 16. November, um 18 Uhr. Am Sonntag, 17. November, am 1. und 15. Dezember sowie nach Vereinbarung (Telefon 0 96 72 / 92 77 39) ist die Galerie geöffnet. Außerdem gibt es am 21. Dezember um 18 Uhr eine Finissage.

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