16.07.2018 - 15:04 Uhr
Seugast bei FreihungOberpfalz

Ein Zeitungsträger-Bub erinnert sich

Zum 150-Jährigen hat Hans Rupprecht aus Böcklmühle der Amberger Zeitung eine Emaille-Tafel übergeben. Die warb einst für die "Amberger Volkszeitung". Mindestens genauso wertvoll sind Rupprechts Erinnerungen als Zeitungsträger-Bub

Hans Rupprecht (rechts) übergibt die historische Emaille-Tafel an AZ-Reporterchef Markus Müller.

(ö) Dieses Geschenk hat einen besonderen historischen Wert: Die Emaille-Tafel stammt aus der Zeit um 1930. Darauf steht: "Amberger Volkszeitung. bringt alles rasch und zuverlässig, daher das gelesenste Heimatblatt der gesamten mittleren und nördlichen Oberpfalz." Seinerzeit war das leuchtend gelbe Schild deutlich sichtbar am sogenannten Stöcker-Haus angebracht, in dem Hans Rupprecht mit seinen Eltern wohnte.

Sein Vater war damals Zeitungsträger für Böcklmühle, Seugast und Weickenricht. Als Sohn Hans, geboren 1928, dann ein Schulbub und damit alt genug war, durfte er diese Aufgabe übernehmen. "Im Sommer, wenn die Bauern wegen der Feldarbeit wenig Zeit zum Zeitunglesen hatten, waren es so 17 oder 18 Zeitungen, die ich austragen musste", erinnert sich Hans Rupprecht noch genau - "und im Winter waren es dann so knapp 30."

"Fufzgerl" zum Jahresende

Angeliefert wurden die Zeitungen auch damals schon mit dem Auto, kamen aber erst um die Mittagszeit. Auf pünktliche Zustellung wurde damals kein großer Wert gelegt. Schmunzelnd erzählt Rupprecht, dass für ihn auf seinem Rundgang auch einiges "abgefallen" sei. So habe er jeden Freitag bei den reichen Steinbruchsbesitzern Seffn einen Hefeknödel bekommen und am Jahresende ein "Fufzgerl". Wenn gerade auf einem Hof Brot gebacken wurde, dann habe man ihm, dem "armen Buben", ein Stück vom Zwiebelkuchen geschenkt. Wenn gerade frisch ausgebuttert worden war, durfte er auch ein Haferl Buttermilch trinken.

Besonders ergiebig waren die Wintermonate. Wenn bei seinen "Kunden" Schlachttag war, dann gab es schon auch mal eine Wurstsuppe mit einer Wurst drin oder gar ein Stück Fleisch. Erst mit dem Beginn seiner Ausbildung bei der deutschen Reichsbahn endete Rupprechts Zeitungsträger-Tätigkeit. 1950 übernahm er dann aber als Schriftführer des neugegründeten Sportvereins auch unter dem Reporterkürzel (pp) die Berichterstattung für die Amberger Zeitung. Er informierte auch über den in den 1950er-Jahren weithin bekannten Seugaster Fasching, an dem er aktiv beteiligt war.

Jetzt ist das Schild dorthin zurückgekehrt, wo es seinen Ursprung hat: Markus Müller, Reporterchef der Amberger Zeitung, besuchte Hans Rupprecht in Böcklmühle, um dieses besondere Zeitzeugnis als Geschenk zum 150-Jährigen entgegenzunehmen. Müller unterstrich die Bedeutung dieser Tafel, gerade jetzt, im Jubiläumsjahr: "Die bekommt bei uns in der Redaktion einen Ehrenplatz."

Eine Geburtstagszeitung

Müller bestaunte die Konsequenz, mit der Rupprecht diese Tafel über Jahrzehnte trotz zweier Umzüge aufbewahrt hat. Und dass er nicht der Versuchung erlegen ist, sie einfach zum alten Eisen zu werfen. Der AZ-Reporterchef überreichte im Gegenzug Hans Rupprecht, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiern konnte, ebenfalls ein ganz besonderes Zeitdokument - eine komplette Ausgabe der Amberger Volkszeitung vom 21. Juni 1928, dem Geburtstag des Jubilars.

Das Stöckerhaus um 1930: Rechts, zwischen Fenster und Tür, ist die Agenturtafel angebracht.

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