21.12.2018 - 13:34 Uhr
Siegritz bei ErbendorfOberpfalz

Weltmeisterin sieht es locker

Zahlreiche Auszeichnungen zeugen von den Siegen und ihrer Leidenschaft zum Sommerbiathlon. Angefangen hat sie vor 15 Jahren beim Schützenverein Edelweiß. Kerstin Schmidt erzählt, wie sie den Sport in ihren Alltag einbindet.

Das Regal im Zimmer von Sommerbiathletin Kerstin Schmidt ist voll mit Medaillen und Pokalen. Seit 15 Jahren betreibt sie diesen Sport und bringt sich das meiste selber bei.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Mit 25 Jahren hat Kerstin Schmidt schon einiges erlebt: Sie war bei 13 Deutschen Meisterschaften und zwei Weltmeisterschaften für Sommerbiathlon. Ihre Trophäen stehen strukturiert aufgereiht in einem Regal bei ihr zu Hause. "Der Platz reicht schon bald nicht mehr aus", stellt sie fest. Rund 15 Jahre betreibt sie bereits Sommerbiathlon. Ihr Können brachte sie sich alleine bei. "Ich hatte noch nie einen Trainer."Gezielt baut die Sportlerin ihr Training in ihren Alltag ein. Kerstin lebt auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Siegritz. Hier ist es normal, dass alle zusammenhelfen. "Wir sind Selbstversorger. Wir züchten Schweine und schlachten sie selbst", erklärt Vater Franz Schmidt. Im Winter schaufelt seine Tochter das ganze Areal des Hofs vom Schnee frei. "Wir haben auch ein Fahrzeug, aber Kerstin ist immer schneller als wir", erzählt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Jeden Morgen steht die gelernte Bäckerin um 1.15 Uhr auf. "Ich mache das leidenschaftlich gern. Heute ist das mein Traumberuf." Krafttraining bekommt sie hier inklusive: "Da haben schon so manche männliche Lehrlinge gestaunt, wenn sie an ihnen die Mehlsäcke vorbei geschleppt hat", weiß der Vater. In der Bäckerei Bayer in Kemnath stellt sie Semmeln, Brot und Plunderstücke her. "Schon durch das Kneten des Teiges bekommt man Kraft in die Arme." In Siegritz gibt es zwar nur rund 110 Einwohner, aber ein reges Vereinsleben. Die Sportlerin ist Mitglied im Feuerwehrverein und seit ihrer Kindheit schießt sie beim Schützenverein Edelweiß.

Viel Lauftraining

Der damalige Sportleiter Reinhard Most brachte den Sommerbiathlon 2002 nach Siegritz. Zwei Jahre später qualifizierte sich Schmidt das erste Mal bei der Bayerischen für die Deutsche Meisterschaft. 2008 holte sie ihren ersten Titel. "Wenn man einmal Deutscher Meister wird, kann man nicht mehr aufhören", sagt sie. Früher waren ihre Vorbilder die Winterbiathletinnen Kathi Wilhelm und Uschi Disl. Heute schaut sie aber kaum mehr Sport im Fernsehen. Warum sie keinen Winterbiathlon macht, ist für sie einfach zu beantworten. "Da fehlt für mich der Bezug. Es gibt in der Region zu wenig Möglichkeiten, dafür zu trainieren." Beim Sommerbiathlon handelt es sich um eine Kombination aus Laufen und Schießen. "Während man läuft, hat man einen hohen Puls, beim Schießen muss er dagegen ruhig sein." Genau das macht für die 25-Jährige den Reiz an der Sportart aus.

Ihr Lauftraining absolviert sie im Frühjahr und im Sommer. Sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, läuft sie drei bis vier Mal die Woche Strecken von fünf bis sechs Kilometern. "Es sind kurze Strecken, die laufe ich aber Vollgas", verrät die junge Frau. Zusätzlich macht sie Spaziergänge oder Radtouren, um sich für die Wettkämpfe fit zu machen. Sie trainiert immer, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt, oder kurz vor 18 Uhr, bevor sie sich bettfertig macht. Ihre Routen sind immer in der näheren Umgebung von Siegritz. "Im Winter laufe ich nicht, denn da ist die Gefahr größer, sich zu verletzen."

Um ihre Kondition in der kalten Jahreszeit nicht zu verlieren, setzt sie sich zu Hause auf das Rad oder fährt Ski.Seit zwei Jahren ist Schmidt im Deutschen Nationalkader. 2017 nahm sie das erste Mal an der Weltmeisterschaft im thüringischen Suhl teil, wo sie die Bronze-Medaille gewann. Der Höhepunkt ihrer Karriere war bisher allerdings dieses Jahr die WM im südkoreanischen Changwon. Zunächst wollte sie da gar nicht hin. "Das war mein erster Flug und der dauerte gleich elf Stunden", erklärt sie. Schließlich entschied sie sich doch, mitzukommen. "Bei den Wettkämpfen in Suhl war die Beteiligung aus dem Ausland eher gering", erinnert sich die Siegritzerin. Für Südkorea war bereits die Qualifikation schwieriger. So wurden in jeder Klasse nur jeweils der erste und eine weitere Person auf Trainerempfehlung mitgenommen. "Es war ein super Erlebnis. Ich habe mir das Land viel wilder vorgestellt", gibt sie zu. "Die Koreaner waren sehr höflich und wir redeten zwar mit Händen und Füßen, bekamen aber alles, was wir wollten."

Direkt zur Deutschen

Der lange Flug hat sich auf jeden Fall gelohnt. Denn Schmidt holte drei Weltmeistertitel (Einzel, Mixed und Frauenstaffel). Auf ihren Erfolg ist sie natürlich stolz. Aber wenn sie nicht gesiegt hätte, wäre es für sie auch nicht so schlimm gewesen. "Ich versuche, es immer locker zu sehen. Gewinnen ist schön, aber es ist nicht das Wichtigste im Leben. Es war schön, dabei zu sein."Nach der Weltmeisterschaft ging es für Kerstin direkt weiter. Sie stieg ins Flugzeug, um rechtzeitig zur Deutschen Meisterschaft zu kommen. Um 19 Uhr landete ihre Maschine in Frankfurt. Um 2 Uhr kam sie am Wettkampfort am Arber an. Und um 10 Uhr morgens stand sie am Start. Der Jetlag machte ihr nichts aus. "Es war aber schwierig, an den Start zu gelangen. Jeder wollte mir gratulieren." Normalerweise muss man eine halbe Stunde anschießen, um sich warm zu machen. "An diesem Tag musste alles schneller gehen, am besten im Laufschritt." Das alles machte Schmidt nichts aus. Sie wurde Deutsche Meisterin. Zuhause gab es dann zur Überraschung ein riesiges Fest und einen freudigen Empfang durch den Schützenverein Edelweiß.

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