14.02.2020 - 18:00 Uhr
Silberhütte bei BärnauOberpfalz

Ein brummender Held der Nacht

Manchmal begrüßt ihn ein Waldkauz mit seinem Gesang, selten huschen Rehe vorbei. Doch oft beginnt Stefan Schnurrer seinen Arbeitstag in totaler Einsamkeit. Und genießt, dass gar nichts zu hören ist. Doch die Ruhe hält nur kurz.

Stefan Schnurrer, der technische Leiter des Skilanglaufzentrums Silberhütte, mit seinem Arbeitsgerät, dem Pisten-Bully.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Es ist 5 Uhr am Morgen. Ein Waldkauz schreit. Sonst herrscht Stille. In völliger Ruhe und Dunkelheit beginnt der Tag von Stefan Schnurrer. Er sagt, das sei das Beste an seinem Job.

Das Garagentor öffnet sich langsam. Hinter ihm verbirgt sich das Arbeitsgerät. Es ist neun Meter lang, zweieinhalb Meter breit und ein echtes Schwergewicht. Um in die signalrote Fahrerkabine der siebeneinhalb Tonnen schweren Maschine zu gelangen, klettert Stefan Schnurrer auf die mit Ketten bespannte Antriebsraupe. Dann sitzt der technische Leiter des Skilanglaufzentrums Silberhütte (SLZ) hinter dem Steuer des neuen Pisten-Bullys. Der gehört seit Dezember zum Fuhrpark des Langlaufzentrums. Seit 2017 ist Stefan Schnurrer verantwortlich für die Technik am SLZ Silberhütte - und auch derjenige, der die Loipen mit dem Pisten-Bully spurt.

Charakteristische Rillen

Der Motor startet. Er ist 240 PS stark. Es brummt und rasselt. Der Pisten-Bully beginnt, sich langsam zu bewegen. Stefan Schnurrer steuert das Gerät über einen kleinen Hügel auf die Loipe hinauf.

Im Cockpit gibt es viele Knöpfe und einen Bildschirm. "Sehr viele Parameter kann man einstellen", erklärt er. Das sei am Anfang schon etwas gewesen, dass er ausgetüftelt habe. Nun weiß Schnurrer genau, welche Knöpfchen er drücken muss, wenn er etwa den Anpressdruck oder die Fräsentiefe regeln möchte.

"Mit dem knallgelb eingefärbten, geriffelten ,Finisher' wird die Skating-Loipe präpariert", erklärt Schnurrer. "Der ,Finisher' macht die charakteristischen Rillen, und die ,Spurplatten' ziehen die Spuren für den klassischen Langlauf." Die Platten zum Präparieren sind an der hinteren Seite des Bullys montiert. Stefan Schnurrer klappt die Spurplatten hinunter, bis sie auf der Schneedecke aufliegen. Sie werden in den Untergrund gepresst. Mit fünf Stundenkilometern bewegt sich das Gerät vorwärts.

Allmählich entstehen die klassischen Langlauf-Spuren. Um die Skating-Strecke zu präparieren, kann Stefan Schnurrer die Spurplatten auch wieder hinaufklappen. Denn nicht nur für den Skibetrieb, sondern auch "um Winterwanderwege zu pflegen", ist der Pisten-Bully im Einsatz. "Dann räumt und walzt die Maschine die Wege", erklärt Schnurrer. "Das ist derselbe Prozess, wie für die Skating-Loipe. Um den Winter-Wanderfreund zu unterstützen."

Die gelbe Platte, der sogenannte "Finisher", präpariert Skating-Loipen und Wanderwege. Die "Spurplatten" drücken die Spuren für den klassischen Langlauf in den Schnee. Sie können herabgelassen oder eingeklappt werden.

Stefan Schnurrer arbeitet in der Nacht. "Im normalen Betrieb" - also bei ausreichend Naturschnee - beginnt seine Schicht zwischen 1 und 2 Uhr und dauert bis 9 Uhr am Vormittag. "Man hört nur das Rauschen der Bäume. Das ist fantastisch", schwärmt er. Manchmal, sagt er, springt ein Hase umher oder Rehe kreuzen seinen Weg.

"Diesen Winter ist kein normaler Betrieb", gibt Schnurrer etwas enttäuscht zu. Denn Naturschnee hat es bisher kaum gegeben. Deshalb beginnt er auch nicht um kurz nach Mitternacht mit der Arbeit, sondern um 5 Uhr am Morgen. Dann ist er der Einzige am Skilanglaufzentrum. "Wahnsinn, wie stad es hier ist", freut er sich über die Ruhe an seinem Arbeitsplatz. Denn mit dem Pisten-Bully ist er hauptsächlich im Wald unterwegs.

Stefan Schnurrer präpariert am Skilanglaufzentrum Silberhütte mit dem neuen Pisten-Bully die Langlauf-Loipe:

Rauschende Bäume

Weil es schon zwei Pistenraupen am SLZ Silberhütte gibt, erklärt Schnurrer, was neu ist: Es ist der Spurplattenfräser. "Wenn es gefroren hat, ermöglicht er es, gefrorenen Schnee aufzufräsen und zu klassischen Spuren zu präparieren." Mit dem früheren Gerät sei das problematisch gewesen. Nun könne man "direkt da, wo die Spur läuft, sauber nachfräsen". Die Loipen präpariert er einmal pro Tag. In Zeiten mit viel Schnee, etwa wenn es tagsüber schneit, werde auch untertags gespurt. Aber "das sind Ausnahmesituationen".

"Um das ganze Loipensystem mit insgesamt 50 Kilometern ordentlich zu präparieren, dauert es zehn bis zwölf Stunden." Allerdings nur, wenn ausreichend Naturschnee liegt. "Diesen Winter ist der Skibetrieb rein durch Beschneiung möglich". Auf Nächte, mit mindestens minus drei Grad, hätten seine Kollegen und er vergeblich gewartet. Denn nur wenn es wenigstens drei Grad unter Null hat, seien die Schneekanonen einsatzbereit. "Die Zwei-Kilometer-Loipe kann beschneit werden", sagt Schnurrer. Er erklärt, dass dafür Wasser durch die Schneekanone geblasen wird - durch die geringe Lufttemperatur gefrieren die Wassertröpfchen zu Eiskristallen. In dieser Saison, sie startete im November, konnte zwar schon beschneit werden. Doch in den Nächten sei es meist zu warm gewesen, um die Schneekanonen einsetzen zu können. Deshalb ist die Zwei-Kilometer-Loipe auch nur "in Teilen offen."

"Naturschnee lässt sich sehr gut präparieren", gibt Schnurrer zu. Der künstliche Schnee sei hingegen etwas anders zu bearbeiten. "Die Beschaffenheit des Kunstschnees ist wie ein Holzscheitel", beschreibt er. "Momentan arbeite ich mit einer Fräsentiefe von sechs Zentimetern und einem Anpressdruck von 100 Prozent", erklärt er, als er gemeinsam mit Oberpfalz-Medien die beschneite Loipe präpariert.

Auf dem Bildschirm im Cockpit sieht Stefan Schnurrer, was auf der hinteren Seite des Bullys passiert. Gerade präpariert es auf der linken Seite die klassische Langlauf-Loipe. Dabei sind Parameter wie der Anpressdruck, die Fräsentiefe oder die Fahrgeschwindigkeit einstellbar.

Spurplattenfräser neu

Obwohl der Ski-Betrieb diese Saison "nicht normal" läuft, sagt Schnurrer: "Das Skilanglaufzentrum Silberhütte ist der Gewinner der Saison. Es ist eines der wenigen Skigebiete, wo überhaupt etwas gegangen ist." Rund 45 Ski-Tage hat es laut Schnurrer in der Saison bisher gegeben. Und auch "die Spaziergänger werden mehr", stellt er fest.

Das liege auch an dem Aussichtsturm "Havran", der ein beliebtes Ausflugsziel sei. Und auch der Kiosk mit Wintergarten werde "sehr gerne genutzt". Und an sonnigen Tagen und vermehrt zur Weihnachtszeit besuchten viele Familien mit ihren Kindern das Langlaufzentrum, etwa um einen Spaziergang zu machen oder Schlitten zu fahren, resümiert Schnurrer. Er sagt aber auch, dass sie ihr Ziel von 100 Saison-Tagen nicht erreichen werden.

Im Cockpit des Pisten-Bully gibt es neben dem Bildschirm viele Knöpfe, um die verschiedenen Parameter einzustellen.

Fazit zur Saison

Das Skilanglaufzentrum Silberhütte ist der Gewinner der Saison.

Stefan Schnurrer, technischer Leiter des SLZ Silberhütte.

Stefan Schnurrer, technischer Leiter des SLZ Silberhütte.

Im Blickpunkt:

Der neue Pisten-Bully ist 9 Meter lang, 2,5 Meter breit und wiegt 7,5 Tonnen. Das Gerät hat rund 240 PS und ist mit einem Dieselmotor der "neuesten Motorengeneration" ausgestattet. Gekostet hat er rund 148 000 Euro, ein Teil der Kosten wurde von der Regierung der Oberpfalz bezuschusst, sagt Stefan Schnurrer. Er ist zuständig für das Gerät und der technische Leiter am Langlaufzentrum. Wegen des milden Winters ist der Skibetrieb zwar möglich, jedoch eingeschränkt. Wer sich über den aktuellen Stand informieren möchte, kann das jederzeit per Webcam-Live-Übertragung tun. Zu ihr gelangt man unter www.slz-silberhuette.org unter der Rubrik "Webcam". (sfo)

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