21.06.2018 - 15:37 Uhr
Oberpfalz

So klappt der Einstieg ins Paddeln

Jetzt im Sommer paddeln lernen und die Welt aus einer unvertrauten Perspektive bestaunen. Ein Oberpfälzer Kanulehrer-Gespann gibt Tipps für das erste Flussabenteuer.

Der Grundschlag ist denkbar einfach: Mit dem Paddel eintauchen und nach hinten abdrücken. Das muss synchron erfolgen. Ein Bootsinsasse paddelt links, der andere rechts. Es wird dabei nicht ständig die Seite gewechselt. Um unterschiedlich starke Paddelschläge auszugleichen, muss der Hintermann mit einem Steuerschlag (bei dem das Paddel wie ein Ruder gehalten wird) reagieren.

„Paddeln ist für mich das Schönste überhaupt. Es kann entspannen – oder sportlich fordern. Es bringt mich in die Natur, lehrt, sie zu schätzen und zu schützen.“ Rudi Frieser ist eine Kanu-Ikone und trotz seines fortgeschrittenen Alters regelmäßig auf dem Wasser. Der Weidener engagierte sich jahrzehntelang in führenden Funktionen beim Bayerischen Kanuverband, dessen Ehrenvorsitzender er ist. Draußen sein und paddeln, das ist der liebste Zeitvertreib auch für Sohn Klaus. Für die OWZ-Leser haben die beiden Kanulehrer einige Lern-Tipps (für Kanadierfahrer) zusammengestellt.

Sicherheit wichtig: Wer als Anfänger ins Boot steigt, sollte jemanden dabeihaben, der sich auskennt. „Wasser hat keine Balken. Wer Schwimmen kann, ist auf der sicheren Seite und eine Schwimmweste zu tragen sollte eine Selbstverständlichkeit sein.“

Sich informieren: Nie auf einem Fluss paddeln, über den man sich nicht vorher informiert hat. „Selbst auf scheinbar zahmen Flüssen lauern Gefahren. Wehre können gefährliche Walzen haben, Kraftwerke stellen eine Gefahr dar genauso wie unerwartetes Gefälle mit schwierigen Paddelpassagen.“ Vor der Fahrt gilt es daher, sich über den grundsätzlichen Charakter des Flusses zu informieren, über den aktuellen Wasserstand (zu niedrig? Zu hoch?) und zu klären, wo man ein- und wo man aussteigt.

Auf trockene Kleidung achten: Auch der sonnigste Tag kann mit einem Wolkenbruch enden. „Man sollte daher sicherstellen, dass trockene Kleidung greifbar ist. Bei langen Touren in einem wasserdichten Behältnis, bei kurzen auf jedem Fall beim Ausstieg aufbewahren. Gerade Anfänger gehen gerne mal baden.“

Auch das Einsteigen ins Boot will gelernt sein. „Die meisten Menschen sammeln ihre ersten Kanuerfahrungen mit einem Zweier-Kanadier, einem offenen Boot. Hier gilt in der Regel: Das Boot parallel zum Ufer ausrichten. Das Paddeln beim Einsteigen wie eine Brücke über die gesamte Bootsbreite legen und mit beiden Händen festhalten, so dass das Paddelblatt (oder der Griff) am Ufer aufliegt und den Kanadier stabilisiert. Es steigt immer erst der Hinter- und dann der Vordermann ein. (Beim Aussteigen ist erst der Vordermann an der Reihe.) Das Boot mit dem Bug gegen die Strömung ausrichten.“

Der Grundschlag: Im Zweier-Kanadier sollte der bessere Paddler hinten sitzen, der Grundschlag ist aber bei Hinter- und Vordermann identisch. Beim Grundschlag taucht man mit dem Paddel einfach ins Wasser ein und drückt das Paddelblatt nach hinten ab, um Vortrieb zu bekommen. „Ein Paddler paddelt links, der andere rechts, also immer gegengleich. Man wechselt dabei zunächst aber nicht die Seiten.“ (Nach einiger Weile kann das aber durchaus sinnvoll sein, um sich auf Dauer nicht einseitig zu belasten. Gleichwohl haben die meisten Paddler eine Seite, die ihnen besser liegt.) Wichtig: „Die beiden Insassen müssen synchron, also im selben Rhythmus paddeln.“

Der Steuerschlag: „Selbst wenn die beiden Bootsinsassen synchron paddeln, wird im Regelfall einer der beiden mehr Kraft ausüben. Das führt dazu, dass das Boot auf eine Seite driftet oder schlängelt. Um das auszugleichen, muss der Hintermann mit einem Steuerschlag reagieren. Das heißt, am Ende des Grundschlags führt er sein Paddel wie ein Ruder.“ Wer regelmäßig paddeln will, lässt sich später am besten von einem Profi den sogenannten J-Schlag erklären, mit dem es sich eleganter und mit weniger Kraftverlust steuern lässt.

Der Ziehschlag: Steuern kann auch der Vordermann, und zwar mit dem Ziehschlag. „Wie die Bezeichnung schon andeutet, sticht der Paddler dabei ins Wasser und ,zieht’ das Paddelblatt in Richtung Boot. Die Folge ist eine abrupte Richtungsänderung. Das ist zum Beispiel in bewegterem Wasser ein wichtiger Schlag, um etwa einem Stein auszuweichen, den der Hintermann nicht sehen konnte.“ Außerdem reagiert das Boot auf diesen Schlag effektiver und auf kleinerem Raum als auf einen Steuerschlag des Hintermanns.

Wer sich zum Könner entwickeln will, muss an sich arbeiten. Hilfreich sind Videos auf Youtube, Einsteigerbücher und vor allem Tipps vom Profi auf dem Wasser. Es gibt eine Vielzahl weiterer Schlagtechniken (wie etwa Drücken, Bogenschlag, Wriggen, C-Schlag) – und jede will gelernt sein. Außerdem: Ein Zweier-Kanadier, dessen Beherrschung vom gegenseitigen Verständnis der Partner abhängt, fährt sich anders als ein Solo-Kanadier. „Eines ist aber allen gemein: Es macht unheimlich Spaß!“ (tt)

Info:

Kanusport

Wer in den Kanusport einsteigen, will kann sich einem Verein anschließen. Dort trifft er auf Gleichgesinnte, bekommt Tipps und kann sich in vielen Fällen auch Material ausleihen. Vereine in der Oberpfalz sind über die Seite www.kanu-oberpfalz.de zu finden. Wissenswertes gibt es auch auf www.kanu-bayern.de. Wer nur mal reinschnuppern will, wendet sich am besten an einen Verleiher. Für Gruppen gilt dies ohnehin. Finden lassen sie sich durch eine einfach Google-Suche („Kanuverleih Oberpfalz“). Kanus leihen lassen sich unter anderem auch bei den beiden Kanulehrern, die auf dieser Seite Tipps geben. (www.kanu-frieser.de). (tt)

Der Vordermann führt hier einen „Ziehschlag“ aus, das heißt er taucht das Paddel ein und zieht das Boot zu sich heran. Damit erreicht er eine Richtungsänderung. Der Ziehschlag ist also ein Steuerschlag (der besonders für den Vordermann wichtig ist).
Beim Einsteigen liegt das Paddel im Idealfall auf beiden Rändern auf und ragt zur Stabilisation aufs Ufer.
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