04.02.2020 - 17:45 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

"Abgezockt bis aufs letzte Hemd"

"Trauen sie keinem, wenn es ums Geld geht. Lassen Sie niemand in Ihre Wohnung, den Sie nicht kennen!" Beim SPD-Ortsverein informierte Rainer Peterson von der Kriminalpolizei Bayreuth über den Schutz vor Diebstahl, Einbruch und Betrug.

Claudia Fischer und Markus Neubauer (rechts) dankten Rainer Peterson von der polizeilichen Beratungsstelle der Kriminalpolizei Bayreuth für seine Ausführungen.
von Autor HAIProfil

"Trauen sie keinem, wenn es ums Geld geht. Lassen Sie niemand in Ihre Wohnung, den Sie nicht kennen!" Zwei Stunden lang gab es beim SPD-Ortsverein von Rainer Peterson von der polizeilichen Beratungsstelle der Kriminalpolizei Bayreuth Informationen, um sich gegen Diebstahl, Einbruch und Betrug zu schützen. An dem von Claudia Fischer organisierten Vortragsabend "Vorsicht Falle" in der Kegelbahn des Landgasthofes Imhof war das Interesse riesengroß.

Auch wenn die Zahl der Einbrüche in den zurückliegenden zwei Jahren um 100 und die Straftaten in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen seien, so habe sich das Ganze nur hin zu organisiertem Ladendiebstahl und Trickbetrügereien verlagert. Regelrecht explodiert sei der Bereich Cyberkriminalität, wusste der Kriminalhauptkommissar.

Organisierte Banden

Wohnungseinbruchdiebstähle hätten 2018 bundesweit einen Versicherungsschaden von 460 Millionen Euro verursacht. Häufig seien es organisierte Banden aus ganz Europa, die eigens zum Stehlen eingeschleust würden. Inländische Straftäter benötigten Geld und konzentrieren sich auf leicht oder schlecht gesicherte Sportheime, Kindergärten und Schulen. Beim Einzelhandel liege der jährliche Schaden durch Diebstahl mit 3,2 Milliarden Euro deutlich höher. Zum Verlust komme bei einem Einbruch die Angst in den eigenen vier Wänden. "Das haben im Vorfeld die wenigsten auf dem Schirm, das kann aber danach zum Hauptproblem werden" und habe schon zum Hausverkauf geführt.

Zielobjekte Nummer eins von Einbrechern seien Fenster und Terrassentüren älterer Häuser. Oftmals reiche zum Öffnen ein Schraubenzieher. Haupteinbruchszeit sei in den Wintermonaten zwischen 17 und 19 Uhr und im Sommer zwischen 9 und 12 Uhr, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind.

Peterson empfahl, Türen und Fenster mit Beschlägen und Schlössern nachzurüsten sowie bei längerer Abwesenheit alle Fenster zu schließen und alle Türen zuzusperren, schon alleine wegen des Versicherungsschutzes. "In guter Nachbarschaft sollte man aber auch gegenseitig ein Auge darauf haben, wer sich in der Straße auffällig verhält." Nicht zuletzt dürfe nicht der Mut fehlen, die Polizei oder die 110 zu rufen und über auffällige Personen zu informieren.

Zugenommen haben Fahrzeugdiebstähle und -aufbrüche, um Wertsachen zu entwenden. Friedhofsparkplätze seien dabei der beliebteste Tatort. Wieder andere haben sich so weit spezialisiert, dass sie bei Autos nur noch die Katalysatoren oder andere Teile ausbauen.

Der Diebstahlklassiker - vor allem für Gelegenheitsdiebe - sei der Griff zum Geldbeutel im Einkaufswagen. Nicht die 20 Euro seien das große Drama, sondern die Wiederbeschaffung der darin befindlichen Ausweise und Führerscheine. Gleiches gelte für Taschendiebe bei Festen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fußgängerzonen. Selbst eine Garderobe beim Arzt, Friseur oder in einer Gaststätte sei nicht sicher. "Minimieren sie die Gefahren, indem Sie keine Gelegenheit zum Diebstahl schaffen", lautete das Credo des Referenten.

Gigantische Dunkelziffer

Die Betrugsdelikte bildeten den zweiten Teil des Abends. Die Dunkelziffer sei gigantisch, da viele den Trick durchschauten und deshalb die Polizei nicht verständigen würden, erklärte Peterson. 2018 sei nur in Oberfranken ein Schaden von einer Million Euro entstanden. Bundesweit seien es alleine mit dem Polizeitrick 150 Millionen Euro, Tendenz steigend, ergaunert worden.

Bei Gewinnversprechen müssten vorab Unkosten für Transport, Notar oder Überweisungsgebühren mit Beträgen um die 500 Euro vorgestreckt werden. Unterwegs seien auch betrügerische Schlüsseldienste, angebliche Mitarbeiter von Firmen zum Ablesen von Zählern und falsche Sozialhelfer. Zielgruppe bei Partnerbörsen im Internet seien ältere Damen zwischen 65 bis 75. "Hier wird betrogen, was das Zeug hält, wird abgezockt bis aufs letzte Hemd."

"Legen Sie den Hörer auf und rufen Sie die Polizei an", riet hier der Referent. "Wenn es am Telefon und an der Haustür ums Geld geht, müssen alle Lichter angehen und alle Glocken klingen. Trauen sie keinem." Ebenso gelte es, keine fremden Leute ins Haus zu lassen. Für weitere Informationen ist Peterson unter Telefon 09 21 / 506-25 00 oder per E-Mail an kripo-beratungsstelle-bayreuth[at]polizei.bayern[dot]de erreichbar.

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