Speichersdorf
28.05.2019 - 17:13 Uhr

Christlicher Glaube im Wandel der Zeit?

Mit „Speichersdorf glaubt!?“ startet eine Initiative junger Christen, die Gemeinschaft und das Miteinander nicht nur in der Pfarrei neu zu hinterfragen und fördern wollen

Pfarrer Dominic Naujoks hält die Predigt im Auftaktgottesdienst. Bild: ak
Pfarrer Dominic Naujoks hält die Predigt im Auftaktgottesdienst.

Mit ihrer Auftaktveranstaltung am Sonntagabend stellten engagierte evangelische Christen für verschiedene Konfessionen unter der Regie des CVJM Speichersdorf eine neue, frei gestaltete Gottesdienstreihe vor. Ihr Ziel ist es, alle paar Monate mit wechselnden Predigern und Referenten Fragen zum Glauben, der Gemeinschaft und ihrer Aufgaben zu stellen.

Was fordert der Glaube in der heutigen Zeit mit vielen politischen Umbrüchen, in familiären oder kollegialen Konfliktsituationen? Wie ändert der Glaube die Einstellung zu den eigenen Eigenwilligkeiten und zum Nächsten? Wie kann ehrenamtlicher Einsatz ganz konkret helfen, Missstände und Orientierungslosigkeit in unserer sich stark wandelnden Gesellschaft beheben? Dazu begrüßte Corinne Bundscherer eine große Zuhörerschaft im evangelischen Gemeindehaus, um von persönlichen Erfahrungen zu berichten und Initiativen - nicht nur in Bezug auf die Pfarrei - unter dem Motto "Christ sein in der Gemeinschaft" zu kreieren. "Wir wollen Themen ansprechen, die uns bewegen und uns alle betreffen", erklärte sie.

Die aus Robin Goodwyn, Ruth Brehm und Elias Reiß bestehende Musikgruppe eröffnete mit modernen Kirchenliedern den nicht alltäglichen Gottesdienst. "Zu Dir Herr kommen wir, Der Wind, der in mir weht, Königlich strahlt Dein Licht, Flügel der Morgenröte" war die erste Quadrille ihres Auftritts. Moderatorin Magdalena Engelbrecht übernahm den ersten Part der Gesprächsrunde, in der David Brehm ihr Rede und Antwort stand.

Der vierfache Vater und Architekt verdeutlichte, dass nach seiner Erfahrung immer nach Verbindendem gesucht werden müsse, um Kontakte aufzubauen. "Wir dürfen keinen ausgrenzen, bei unseren Aktionen versuchen alle mitzunehmen, sich auch mit vermeintlichen Außenseitern begegnen." Brehm riet zu gemeinsamen Erlebnissen in größerem Kreis, offen zu sein für andere Meinungen, diese zu achten und die Person mit all ihren Ecken und Kanten zu akzeptieren.

Pfarrer Dominic Naujoks aus Weiden nahm diese Zielrichtung der Gemeinsamkeit in seiner Predigt auf. "Ich erlebe heute als begeisterter Christ politisches Chaos in unserem Nachbarland, Brexit, den von der Internetgemeinde viel beachteten Rezo-Videoclip und dazu die elfseitige Ratlosigkeit per Brief der Parteien. Das ist schulmeisterlich. Junge Menschen haben heute eine andere Info-Plattform und Sichtweise. Das ist keine große Politik", erklärte der Pfarrer. Auf diese auch für den Glauben geänderte Sichtweise müsse man reagieren. "Wenn wir etwas umdenken, verlieren wir weder unseren Glauben, unsere Identität noch unsere Jugend." Sein rhetorischer Blick zurück galt der Berufung der Jünger Jesu von Petrus über Johannes bis zu Judas. Dahinter standen vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten. "Christ zu sein und zu bleiben ist eine große Herausforderung. Nehmen wir alle als Menschen ernst", verdeutlichte Naujoks.

Er berichtete von seinen Erlebnissen als Gefängnispfarrer, die ihn zu einer anderen Sichtweise zu den Mitmenschen führte. "Wir müssen unser Herz für unserem Nächsten öffnen. Geben wir unsere gelebte Liebe weiter, die wir selbst erfahren haben." Der Umgang untereinander scheide über das Christsein. Nächstenliebe solle über die Gemeinde und soziale Grenzen hinausgehen. Auch schwierige Leute müssten eingebunden werden, schloss Naujoks. Dem lebendigen Gottesdienst schloss sich eine Diskussionsrunde an.

Eine Musikgruppe gestaltet den Auftaktgottesdienst zu "Speichersdorf glaubt!?" musikalisch Bild: ak
Eine Musikgruppe gestaltet den Auftaktgottesdienst zu "Speichersdorf glaubt!?" musikalisch
Die Gesprächsrunde gestalten Moderatorin Magdalena Engelbrecht und David Brehm. Bild: ak
Die Gesprächsrunde gestalten Moderatorin Magdalena Engelbrecht und David Brehm.
 
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