15.04.2019 - 16:19 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Enttäuscht von betroffenen Kommunen

Die Bürgerinitiative "Speichersdorf sagt NEIN ..." diskutiert über Trassen-Varianten.

BI Stromtrasse
von Autor HAIProfil
BI Stromtrasse

Am 15. April war Schluss. Wer von den Bürgern, Verbänden und Trägern öffentlicher Belange bis dahin keine Stellungnahme gegen die Monstertrasse eingereicht hatte, ist außen vor. "Wir sind noch lange nicht auf der sicheren Seite. Wenn die Trasse gebaut wird, kann sie immer noch bei uns durch Speichersdorf gehen", fasste Sprecherin Annke Gräbner am Ende einer zweistündigen Diskussion das Ergebnis zusammen. Sie sei überzeugt, dass eine wesentliche Rolle am Ende auch spiele, wo politisch der geringste Widerstand bestehe. "Wenn wir ruhig bleiben, berauben wir uns der Möglichkeit, Einfluss zu nehmen."

Die, die Einspruch erhoben, werden im Sommer zu einem Erörterungstermin geladen. Dann wird im Herbst endgültig entschieden und das Ende der Bundesfachplanung bekanntgegeben. Der finale und verbindliche Korridor wird von der Bundesnetzagentur festgelegt. Noch für 2019 ist der Beginn des Planfeststellungsverfahrens vorgesehen, 2021/22 der Abschluss des Genehmigungsverfahrens, 2023 Baubeginn.

Die BI Speichersdorf ist enttäuscht, dass aus der Weidenberger, Kirchenpingartener und Kemnather Ecke keinerlei Reaktionen erfolgten, obwohl sie von der Alternativtrasse unmittelbar betroffen sind. Alle öffentlichen und privaten Kontaktpersonen wurden zur Sitzung eingeladen. Keiner habe die Möglichkeit genutzt, daran teilzunehmen.

Wie Gräbner in ihrer Rückblende berichtete, hat die Planungsfirma Tennet in der Stromtrassenplanung von Wolmirst nach Isar II zwei Korridore ausgelotet und die Unterlagen nach § 8 NABEG am Jahresende bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Wie Gräbner berichtete, habe Tennet ergebnisoffen geplant. Öffentliche Vertreter und Bürgerinitiativen wurden eingeladen und in planungsbegleitenden Foren über den Planungsstand informiert. Auf Basis der bisherigen Untersuchungen, Abstimmungen mit Behörden wie Wasserwirtschaftsamt und Naturschutz sowie den bislang eingereichten öffentlichen Einwände hat Tennet zwei Korridore heraus kristallisiert. Die drei Stränge C08A, C08B und C08C hat Tennet verglichen, inklusive kleinräumiger Vergleiche und der Abwägung von Vor- und Nachteilen. Die Alternativvariante C08A durchschneidet die Gemeindegebiete Weidenberg, Kirchenpingarten, Speichersdorf und Kemnath. Die Trasse führt auf dem alten Salzweg von Weidenberg, Kirmsees und Fischbach über die Tauritzmühle, Lettenhof und Wirbenz nach Schlackenhof und Höflas. Die BI-Mitglieder diskutierten die Planungen und die Frage, wie hoch die Gefahr ist, dass die Alternativtrasse gebaut wird.

Dabei kam man einheitlich zu dem Ergebnis, dass zwischen den Trassenvarianten alles andere als große Unterschiede bestünden. Die Geradlinigkeit der Trasse scheine kein Thema mehr zu sein. Es gibt aber noch eine Reihe von Problemen, die bislang unberücksichtigt geblieben sind: geschützte Wälder, Brunnenanlagen, Baugebiete, Solarparks. Rund um das Naherholungsgebiet Tauritzmühle gebe es ein geschütztes Biotop mit Orchideenwiesen und Wiesenbrütergebiete, Biber und Lehrpfade. Zudem seien die gemeindliche Wasserversorgung mit Hochwasserbehältern, Wasserschutzgebiete, Mülldeponien zu berücksichtigen. Nicht unerwähnt dürfe bleiben, dass sich die Gemeinde Speichersdorf über das Normalmaß aus regenerativen Energien versorgen könne.

Kritisiert wurde, dass geplant werde, obwohl die technischen Voraussetzungen für derartige Stromtrassen nicht vorliegen oder ausgereift seien, und dass die Entwicklung von Speichertechnologien nicht mit der gebotenen Intensität vorangetrieben werde. Selbst Tennet habe laut Gräbner erkannt, dass Trassen und Zentralismus nicht die Zukunftslösung seien.

Ab 2020 will der Netzplaner Speichertechnologien ins Portfolio aufnehmen und Power zu Gas und Smartkrit in die Planungen einbringen. Die Sprecherin hofft deshalb, dass sich der Trassenbau so lange hinzieht, das sich mit LOHC die Leitungen erübrigten. "Wir könnten uns Milliarden sparen", ergänzte Hans Schmid. Das Projekt werde den Betreibern mit 9,05 Prozent verzinst. Egal was es koste, es wird auf die Stromkunden umgelegt. Die Stromberteiber haben kein Risiko. Es gebe nicht einmal eine Deckelung.

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