11.07.2018 - 15:28 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Feuerwehralltag ohne Abstriche

Die 17 Anwärter der Jugendfeuerwehren Speichersdorf und Kirchenlaibach engagieren sich ehrenamtlich. Doch sie wissen auch, wie hart eine Schicht eines Berufsfeuerwehrmanns sein kann.

Umfangreich sind die Vorarbeiten, bis die Anwärter zwei „Bauhofmitarbeiter“ aus einem Regenrückhalteschacht holen können.
von Autor HAIProfil

(hai) 24 Stunden lang schoben sie bei einem Berufsfeuerwehrjugendtag Dienst. Neben den Übungen kam aber auch der Spaß nicht zu kurz. "Irgendwann müssen sie zum gemeinsam Einsatz ausrücken. Dann müssen sie kurzfristig zusammenarbeiten. Dann muss alles Hand in Hand gehen", erklärte der federführende Jugendwart Andre Hofmann aus Speichersdorf die Hintergründe für die Aktion. Es sei immer von Vorteil, wenn sich die Feuerwehrmänner aus der Jugendzeit schon kannten und miteinander geübt haben.

Dafür hatten die Führungsteams um Hofmann und Jugendwart Martin Heier aus Kirchenlaibach einen 24-Stunden-Dienstplan ausgearbeitet. Für die Kirchenlaibacher war es zwar der zweite, für die Speichersdorfer der vierte Berufsfeuerwehrtag, für beide jedoch der erste gemeinsame. "In der Jugendzeit sollte ein Anwärter wenigstens einmal komplett einen Berufsfeuerwehrtag durchlaufen haben", meinte Heier. Die Anwärter sollten das Feuerwehrhandwerk anhand realistischer Einsatzszenarien üben und sich entsprechendes Wissen aneignen, Spiel und Spaß sollten dennoch nicht zu kurz kommen, ergänzte Hofmann.

Das Programm und den Personaleinsatzplan haben die beiden in weniger als drei Wochen mit den Kommandanten Volker Hammon und Thomas Hartmann erstellt. Mit ins Boot holten sie sich von Speichersdorfer Seite Hubertus Höreth, Peter Lauterbach, Christian Schwarzer, Michael Walter, Kristina Littig, Oliver Porsch, Jörg Fichtner, Dominik Krodel. Von den Kirchenlaibachern waren Wolfgang Schirmer, Stefan Fürst und Nathan Pallmer involviert. Um die Verpflegung kümmerte sich Annette Höreth.

Kernstück des 24-Stunden Tages waren vier Einsatzszenarien. So hatte Hubertus Höreth die "Schachtrettung infolge Unwetterkatastrophe" und Martin Heier den "Verkehrsunfall mit Bahnschienenfahrzeug unter Einsatz des Bahnrüstsatzes" vorbereitet. Thomas Hartmann hatte den "Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens", Peter Lauterbach als Nachtübung "4.30 Uhr Brand einer Hackschnitzelanlage" ausgearbeitet. Zur Schicht meldeten sich schließlich zehn Speichersdorfer und sieben Kirchenlaibacher Jugendliche.

Nach einigen organisatorischen Details starteten gleich die Fahrzeugkunde, Gerätepflege und Wartung. Bei weiteren Einheiten lernten die Anwärter die Kirchenlaibacher und Speichersdorfer Löschgruppenfahrzeuge sowie die Örtlichkeiten der Beladungen kennen. Dazu gehörte im Bereich Technische Hilfeleistung die Anwendung von Spreitzer, Schneidgerät, Hebekissen und Rettungszylinder.

Um 9.32 Uhr heulten zum ersten Mal die Sirenen. "Personenrettung aus einem Regenrückhalteschacht mit Bergungsgerät" östlich von Alt-Speichersdorf war angesagt. Infolge eines Unwetters waren in einem Schacht durch Wassermassen und einen umstürzenden Baum zwei Bauhofmitarbeiter verletzt und in einem Schacht eingesperrt. Bis zu deren Rettung mit dem Schleiftragekorb galt es unter anderem, die Lage zu erkunden, den Baum zu entfernen, Schachtdeckel zu sichern, Schachtgas zu messen, den Kanalzulauf mit Sandsäcken anzustauen, Zulaufwasser abzupumpen und eine Rettungsplattform einzubauen.

Nach einer weiteren theoretischen Ausbildungseinheit erfolgte um 14.04 Uhr die nächste Alarmierung: Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Kirchenlaibach. Hier mussten die Löschwasserversorgung aufgebaut und zur Personenrettung Jugendliche mit speziellen Übungsatemschutzgeräten eingesetzt werden. Für einen besonders realitätsnahes Szenario rückten die Kameraden aus Weidenberg mit ihrer Drehleiter an. Natürlich durfte im weiteren Verlauf ein Fehlalarm nicht fehlen. Um 20.30 Uhr ging es für die Anwärter zu einem Verkehrsunfall mit Bahnschienenfahrzeug. Ein Auto war auf einem Bahnübergang stehen geblieben und mit einem Zug kollidiert. Die Personenbefreiung erfolgte mit Spreitzer und Schneidgerät. Die Schwierigkeiten bei einem Nachteinsatz erlebten die Teilnehmer, als sie um 4.30 Uhr zur brennenden kommunalen Hackschnitzsammelstelle in der Au gerufen wurden.

Das Frühstück am Vormittag hatten sich die Jugendlichen dann redlich verdient. Die Jugendwarte entließen ihren Schützlinge nicht, ohne ihnen ein dickes Lob für die Disziplin und Konzentration, für ihr Engagement und Durchhaltevermögen zu zollen.






Um Löschen zu können, muss die Wasserversorgung gewährleistet sein.

Für die Personensuche beim Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Kirchenlaibach müssen die Jugendlichen Übungsatemschutzgeräte schultern.

Bevor die "Bauhofmitarbeiter" gerettet werden können, muss die Lage sorgfältig erkundet werden.

Ein umgestürzter Baum versperrt den Zugang zum Regenrückhalteschacht.

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