Speichersdorf
05.06.2026 - 10:33 Uhr

Galloway-Rinder fördern Artenvielfalt in Speichersdorf

Mit der Beweidung von Brach- und Weideflächen in der Haidenaabaue wird der Artenreichtum entlang des Fließgewässers im FFH-Gebiet gefördert und die Artenvielfalt wiederhergestellt.

Seit einigen Wochen grasen nach langer Vorplanung sieben Rinder der Rasse Galloway auf den Weideflächen in der Haidenaab-Aue bei Speichersdorf. Bis in den Herbst hinein werden die im Südwesten Schottlands beheimateten Galloways im Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet „Haidenaabtal und Gabellohe“ die Gräser kurzhalten und für mehr Struktur und Artenvielfalt auf der Beweidungsfläche sorgen.

Auf den Feuchtflächen nördlich des ASV-Sportplatzes fand in den letzten Jahrzehnten keine landwirtschaftliche Nutzung mehr statt. Dies hatte fatale Folgen für die Artenvielfalt im Bereich dieser ökologisch wertvollen Kulturlandschaft. Die Flächen wurden früher noch extensiv gemäht und der Aufwuchs als Einstreu für Ställe oder auch als Futter für Tiere verwendet. Durch die Veränderung und Modernisierung der Landwirtschaft wurde das Mähgut der Feuchtwiesen nicht mehr gebraucht. Zusätzlich führte die Wiedereinwanderung des Bibers im Haidenaabtal zur Vernässung der Flächen, was das Befahren und eine Mahd unmöglich machte.

Kräuter verschwunden

Durch die fehlende Nutzung nahm vor allem das Rohrglanzgras entlang des Gewässers überhand. Neben vielen blütenreichen Kräutern verschwanden auch viele Insekten wie der Tagfalter, die auf Blüten als Futter angewiesen sind. Das abgestorbene Gras blieb als Streuschicht auf der Fläche liegen und erschwerte vor allem Heuschrecken die Eiablage in den Boden. Auch Blumen, deren Keimung nur auf offenen Bodenstellen stattfinden kann, verschwanden.

Der Managementplan des FFH-Gebietes „Haidenaabtal und Gabellohe“ gibt deutlich die vorrangige Wiedereinführung einer extensiven Nutzung vor. Da der Biber im Naturschutzgebiet entlang der Haidenaab zu dulden ist und die Flächen immer noch sehr nass sind, bot sich nur die Beweidung durch Freilandrinder anl.

Erste Planung vor vier Jahren

Vor vier Jahren startete die Biodiversitätsberaterin Birgit Elitzer-Böhner vom Landratsamt Bayreuth mit der Projektplanung für die Brachflächen. Der Bund Naturschutz und die Grundstückseigentümer unterstützten zusammen mit der Gemeinde Speichersdorf vollends das Projekt und stellten ihre Flächen dafür zur Verfügung. Bürgermeister Christian Porsch überzeugte den Gemeinderat und übernahm die Trägerschaft des Projektes samt zehn Prozent der Finanzierung.

Die Gemeinde beantragte bei der Regierung von Oberfranken Fördermittel über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) in Höhe von 30.000 Euro, die für den Zaunbau und die Vorbereitung der Weidefläche notwendig waren. Die Umsetzung verzögerte sich durch die Haushaltsmittelsperre für LNPR-Mittel im Jahr 2025 durch das bayerische Umweltministerium um ein Jahr. Im Herbst 2025 kam dann doch noch die Mittelzusage. Mit dem Zaunbau wurde im vergangenen Oktober begonnen. Seit März ist er fertig.

Erfolge bereits sichtbar

Das Landwirtspaar Barbara und Wolfgang Müller aus Haidenaab begleitete das Projekt durch die Unterstützung der Zaunbaufirma vor Ort und das Freimachen der Zauntrassen. Bereits seit Mitte April weiden auf den eingezäunten Flächen ihre Galloway-Rinder und schaffen erste Strukturen für mehr Artenvielfalt. Stefanie Jessolat vom Landschaftspflegeverband Weidenberg betreut während der Zweckbindung des Projektes die Beweidung in den nächsten fünf Jahren. Am 1. Juni 2026 präsentierten alle am Projekt Beteiligten der Öffentlichkeit die ersten Ergebnisse der „Naturschutzarbeit“ der Rinder. Erfolge sind schon zu sehen.

Innerhalb weniger Wochen sind bereits schon kurzrasige Flächen, offene Bodenstellen und Saumbereiche entstanden. Diese müssen jetzt nur noch von Tieren wie Insekten, Vögeln, Amphibien und Reptilien als Lebensraum wiederentdeckt und besiedelt werden. Die Kuhfladen der Rinder wurden schon von zahlreichen Fliegenlarven und Dungkäfern besiedelt. Alle Projektbeteiligten freuten sich über diese ersten sichtbaren Erfolge dieses Arten- und Landschaftsschutzprojektes.

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