02.01.2019 - 14:57 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Glaube greifbar näher gebracht

Das bisherige Kindergottesdienst-Team in Speichersdorf nimmt Abschied.

Margit Steininger, Sonja Stangl, Heidi Lauterbach, Elke Goodwyn (von rechts).
von Autor HAIProfil

Es war ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum Jahreswechsel verabschiedete sich unter den vielen Gruppen und Kreisen in der evangelischen Christusgemeinde gleichsam eine Institution: das Kindergottesdienst-Team in seiner jetzigen Zusammensetzung. Margit Steininger, Elke Goodwyn, Heidi Lauterbach und Sonja Stangl hatten als Quartett teilweise seit über 40 Jahren mit und für die Drei- bis Zwölfjährigen den Kindergottesdienst gestaltet. Woche für Woche haben sie seither mit viel Engagement und Kreativität unter großen zeitlichen Opfern ehrenamtlich den Kindern Glauben greif¬bar gemacht und ihnen dabei Spaß am Gottesdienst vermittelt. Speichersdorf ist eine der wenigen Kirchengemeinden, in der seit fünf Jahrzehnten regelmäßig Kindergottesdienst gefeiert wird. Immer ab Schulanfang im September bis zu den Sommerferien findet an allen Sonntagen außerhalb der Schulferien um 10.45 Uhr Kindergottesdienst in der Christuskirche oder im Gemeindehaus statt. Mal sind es fünfzehn Kinder, mal 25 Kinder, die dabei sind. Gemeinsam wird gesungen und gebetet, werden die biblischen Geschichten gehört und kindgerecht ausgelegt und kreativ verarbeitet. Bis 40 Kinder haben sie schon mal betreut. Ganze Generationen haben sie dabei kommen und gehen sehen. Von den Mamas und Papas der ersten Jahre gehören heute teilweise bereits schon die Enkelkinder zu den Kindergottesdienstkindern. Von vielen Kindern, die den KiGo jetzt besuchen, haben schon deren Eltern den KiGo besucht.

Mit einem eigenen Kindergottesdienst angefangen hatte einst Schwester Luise Elsässer, die in den Jahren zwischen 1965 und 1981 als erste Gemeindeschwester in Speichersdorf wirkte. Erster Pfarrer der seit 1961 selbstständigen Kirchengemeinde war Karl Grieninger (1961-1975), sein Nachfolger war Pfarrer Hans-Jürgen Deye (1976 bis 1994). Die Diakonisse war 52-Jährig im Oktober 1965 vom Mutterhaus Hensoltshöhe bei Gunzenhausen nach Speichersdorf gekommen. Am 19. Februar 1981 mußte Luise wegen Krankheit und aus Altersgründen Speichersdorf wieder verlassen und ins Mutterhaus Hensoltshöhe zurückkehren. Sie war bei Jung und Alt allseits beliebt. Ihr zu Ehren wurde das Speichersdorfer Seniorenwohnheim nach ihr benannt.

Für sie war eine kleine Wohnung im Pfarrhaus eingerichtet worden. Angehörigen von Schwerstkranken und Sterbenden unter die Arme zu greifen war ihr Herzensanliegen. Zur Bekanntmachung gab es Frauenabende, an welchen Schwester Luise vorgestellt wurde, damit die häusliche Pflege auch angenommen wird. Sie prägte zum einen das Dorfleben mit ihrer Fürsorge für alte und kranke Menschen, durch Altenpflegekurse sowie durch ihre Mitarbeit im Kindergarten. Luise Elsässer war rund um die Uhr in Bereitschaft, war zu den Hausbesuchen bei Wind und Wetter meist mit dem Mofa unterwegs, erzählt sie. In den Wintermonaten wurde sie zu ihren Einsatzorten von einer Nairitzer Bürgerin gefahren. War Luise mal nicht ausgelastet, half sie im Kindergarten aus. Zum anderen prägte sie das kirchliche Leben durch die Gestaltung von Gottesdiensten. Von ihr ging die Initiative und die Gestaltung eigener Kindergottesdienste aus. Mit der Amtsübernahme durch Pfarrer Hans-Jürgen Deye 1976 kümmerte sich dessen Ehefrau um die Kindergottesdienste. Mit der Konfirmation 1974 unterstützte Heidi Lauterbach, mit der Konfirmation 1977 Margit Steininger die Bemühungen der Pfarrersgattin. "Von ihr haben wir viel gelernt", so Steininger. Mit Verabschiedung des Pfarrersehepaars 1994 übernahmen Lauterbach und Steininger die verantwortliche Führung des Kindergottesdienstteams. Verstärkung fanden sie in den letzten Jahren in Elke Goodwyn und Sonja Stangl. Woche für Woche haben sie Kinder an den Glauben herangeführt und ihnen dabei Spaß am Gottesdienst vermittelt. "In diesen 40 Jahren haben wir viele tolle Erlebnisse mit Euch allen gehabt", schreibt Heidi Lauterbach im Kirchenboten. "Wir haben viel gefeiert, Geschichten erzählt und gestaltet und und und… Mittlerweile sind wir keine Teenager oder junge Frauen mehr. Die meisten seien schon „Omas“ geworden. "Wo ist die Zeit geblieben? Der Abschied – leicht fällt er uns nicht."

Die Kindergottesdienste richten sich inhaltlich an alle Kinder bis zur Konfirmation. Die Kinder können je nach Alter entweder alleine oder mit den Eltern/Geschwister bei uns bleiben, so Lauterbach. Auch im neuen Jahr geht es weiter. Ab Januar findet der Kindergottesdienst wie gewohnt mit neuem Team um Sonja Stangl um 10:45 statt: 6. Januar Epiphanias, 20. Januar, 27. Januar, 3. Februar, Natürlich sind Helfer herzlich willkommen.

Mit dem Krippenspiel in der Kinderchristmette an Heilig Abend hatten Margit Steininger, Elke Goodwyn, Heidi Lauterbach und Sonja Stangl als Organisationsteam und Regisseure ihren letzten gemeinsamen Auftritt. "Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützt haben, die uns jahrelang die Treue gehalten haben. Danke, Danke, Danke. Auch wünschen wir dem neuen Team viel Erfolg und alles Gute." Das hatte Heidi Lauterbach im Kirchenboten den Kindern und neuem Kindergottesdienstteam ins Stammtbuch geschrieben. Umgekehrt wußte die evangelische Kirchengemeinde, was sie an ihrem Kindergottesdienstteam hatte. In der Predigt stellte Religionspädagogin Stefanie Hopp die Rolle und die Botschaft der Engel in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Das Betreuungsquartett habe die Botschaft, dass der Retter geboren ist und die Menschen deshalb Grund zu feiern haben, Woche für Woche weitergetragen. Zusammen mit stellvertretenden Vertrauensmann des Kirchenvorstands Stefan Steininger bedankte sie sich beim Kindergottesdienstteam mit Blumen, Schokolade und einem Gutschein. "Ihr habt eine tolle Arbeit mit viel Herzblut und Liebe gemacht", betonte Hopp zum Abschied.

Info:

"Engel es bleibt keine Zeit zum Proben. Wir alle müssen runter und die Geburt des Sohnes ankündigen!" Als am Nachmittag in der evangelischen Christuskirche um 15 Uhr die Glocken zur Kinderchristmette (15:30 Uhr) riefen, dann war bereits hinter den Kulissen emsiges Getriebe und großes Lampenfieber herrschen. Denn die fünf- bis 12-jährigen Kinder der Kindergottesdienstgruppe um Heidi Lauterbach, Sonja Stangl, Margit Steininger und Elke Goodwyn hatten sich in ihre Gewänder geworfen und auf ihren großen Auftritt gewartet. Als dann die Gemeinde das Lied "Hört der Engel helle Lieder" anstimmte platzierte sich auf den Altarstufen ein großer Engelschor und der Dirigent (heidi Lauterbach) bat durch Taktstockklopfen um Aufmerksamkeit. Hingebungsvoll wurde das "Halleluja" angestimmt.

Seit Beginn des Advents haben sie sich an das große Weihnachtsspiel "Chorprobe" von Alexander Schweitzer gewagt. Zu Adventsbeginn waren die Rollen vergeben und die erste Sprechproben vorgenommen worden. Bereits am zweiten Advent ging es zur ersten Probe auf die Altarstufen, wurden verschiedene Szenen durchgespielt. Nach der Generalprobe klappte an Heilig Abend alles bestens. 20 Kinder in selbst genähten Kostümen waren dabei im Einsatz. 13 als Engel, sechs als Hirten und Elisa Stangl und Elias Reiß als Maria und Josef. Im Wechsel kam ihr großer Auftritt. Da wurde im Kinderchor, aber auch mit der Gemeinde gesungen, da wurde Monolog und Dialog gehalten. Zwischen den einzelnen Szenenwechseln wurden, begleitet von Lisa Lauterbach an der Orgel, Weihnachtslieder von "Macht hoch die Tür" über "Tochter Zion" bis "Kommet ihr Hirten" angestimmt.

Die Engel hatten den Menschen Wichtiges zu verkünden. Dabei haben sie langsam und laut gesprochen. Die Freude und der Spaß war ihnen anzumerken.

Besonders hektisch wurde es im Himmel, als urplötzlich die Order von ganz oben kam, dass sich der Chor unverzüglich auf den Weg zu machen habe, um den Hirten die frohe Botschaft zu verkünden. Trotz der Menge an Darstellern fand jeder seinen richtigen Platz. Die kleinen Engel vorne, die großen dahinter. Nach über einer Stunde konnte Regisseurin Heidi Lauterbach ihren Schützlingen ein dickes Lob zollen. "ihr habt das ganz toll gemacht." Sie konnte sich, wie die 40 Jahre zuvor, auf ihre Kinder verlassen. "Wenn´s drauf ankommt, dann stehen sie ihren Mann und ihre Frau", so die 58-Jährige. Es war im Team zusammen mit Sonja Stangl, Elke Goodwyn und Margit Steininger die letzte Gottesdienstgestaltung. Das Kinderkrippenspiel sollte der krönenden Abschluss ihre vier Jahrzehnte währenden Betreuung der Drei- bis Zwölfjährigen sein. Nicht allein deshalb konnten sich die Kinder der Aufmerksamkeit und des Dankes der ganzen evangelischen Kirchengemeinde in diesem Jahr ganz besonders sicher sein, als der Kleine Engel ins Publikum zeigte und seiner Hoffnung, die sich mit dem Krippenspiel verband, Ausdruck verlieh: "Gottes Sohn ... ist doch der Retter. Ich hoffe nur, dass die da das auch begreifen."

Beim Krippenspiel in der Kinderchristmette hat das bisherige Kindergottesdienst-Team seinen letzten gemeinsamen Auftritt.
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