15.01.2019 - 16:19 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Hilfe für die ganz Kleinen

Die Frauen-Union Speichersdorf lädt zu einem Vortrag über Erste Hilfe am Kind.

Robert Wondri erklärt Eltern alles rund um die Erste Hilfe am Kind.
von Autor HAIProfil

Welche Eltern kennen das nicht: das Kind hat sich verletzt, hat Schmerzen, blutet stark, ist vielleicht bewusstlos oder hat sogar einen Herz-Kreislauf-Stillstand - der Alptraum für alle Eltern. Die Frauenunion hatte sich des Themas angenommen und sich mit dem Rettungssanitäter und Anästhesiepfleger mit Schwerpunkt Kinder- und Säuglingsnarkose Robert Wondri einen Spezialisten geholt.

Wie aktuell und dringend das Thema "Kindernotfälle! Lebensrettung in Akutsituationen" ist zeigte allein die Nachfrage bei Melanie Herrmann, die den Abend organisierte. Binnen weniger Tage war der Abend ausgebucht. Gut und gerne hätte man gleich zwei Folgeabende organisieren können. Ins Auge gefaßt ist eine Neuauflage im Herbst. Wie eine Umfrage ergab, hatten von 22 Teilnehmern gerade Mal zwei eine Auffrischung eines ersten Hilfe Kurs durchlaufen. Wie wertvoll so ein Abend ist, zeigte zudem die einfache Erkenntnis, so der Referent, dass das, was für Kinder gut ist, für Erwachsene sicher auch nicht schlecht sein kann.

Das Kind ist schwer verletzt. Da stockt zwar erst Mal der Atem, muss erst Mal die Schrecksekunde überwunden werden. Doch es zählt jede Minute, müssen Betroffene wissen, wie man einen Notruf absetzt, wie man Blutungen stillt, wie man eine stabile Seitenlage herstellt oder eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführt. Das Spezialseminar geht zurück auf eine Initiative schwangerer Frauen. Der Crash-Kurs, so der Referent, habe sich zu einem Renner entwickelt als sinnvolle Ergänzung zum normalen Erste-Hilfe-Kurs. Nach einer kurzen Einführung bezüglich Sofortmaßnahmen ging es in medias res. Dabei erfuhren die Teilnehmer, wie man das Leben von kleinen Kindern und Säuglingen rettet, unter Berücksichtigung von Besonderheiten der kindlichen Psyche und lebenswichtiger Funktionen, ging es um Fragen rund um den Notruf, den Ablauf einer Rettung, die Erstversorgung von Wunden, das richtige Verhalten bei Bewusstlosigkeit und die richtige Kinder. und Säuglingsreanimation. Eine entscheidende Voraussetzung für schnelle und erfolgreiche Hilfe sei, dass sich Eltern selbst Ruhe verordnen müssten. Sie seien da oftmals viel zu nervös. "Das gehöre zum Schwersten in der Ersten Hilfe am Kind, vor allem selbst Ruhe auszustrahlen", so der Rettungssanitäter. Das zeige sich bereits beim Notruf (112). Hier mahnte der Referent saubere Ortsangaben und auch das Einweisen des Rettungsdienstes an, da nachwievor Hausnummern versteckt oder gar nicht angebracht seien. Wichtig sei auch, dass im Umfeld für Ruhe gesorgt werde. Die größten Störer bei der Erstversorgung seien die "Besserwisser", so Wondri.

Sie einzubeziehen oder mit Aufgaben zu versehen verschaffe erst Mal Ruhe. Im Weiteren sollte dann das betroffene Kind ermutigt und getröstet werden.

Wondri empfahl, das Kind in den Arm zu nehmen oder ein Kuscheltier zu nutzen. Oft würden auch Kinderpflaster helfen. Wichtig sei dabei für das Kind, dass der Indianer oder Cowboy ganz bleibe. Wenn das nicht möglich ist, dann Decke unterlegen und zudecken, da die meiste Kälte vom Boden ausstrahle. Wondri räumte auch mit Gerüchten und Werbetricks auf, dass Decken mit goldener Rückseite die Sonne anziehen würden. Kontrolliert werden müssten anschließend lebenswichtige Funktionen wie Bewusstsein, Atmung und Kreislauf. Zu rechnen sei mit Erbrechen. Dabei verwies Wondri auf einen entscheidenden Unterschied zwischen Kind und Erwachsenen. Bei Säuglingen sei die Atmung vordergründig, da sie einen angeborenen Atmungsreflex besitzen, der aber in der Pubertät verloren gehe. Wenn die Atmung ausfalle brauche es

40 Sekunden bis der Kreislauf nicht mehr adaequat vorhanden sei. Deshalb helfe die Überprüfung des Pulses nicht. Ab dem jungen Erwachsenenalter stehe dann das Herz im Vordergrund. Wondri ging mit den Teilnehmern typische körperliche Erkennungsmerkmale bei Kindern durch, denen es akut nicht gut geht. Bedenkliche Anzeichen reichten von wenig Körperspannung/Bewegung, Schmerzen und Unwohlsein über Übelkeit, Verweigerung von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und Kaltschweißigkeit bis zu Abweichungen von der normalen Körpertemperatur, gegebenenfalls hohes Fieber, Frieren und Zittern, Angst und Unruhe. Besonders auffällig seien Körperausscheidungen, die Störung des Bewusstseins, Apathie und Schluckbeschwerden. Die Atmung sei gestört, wenn die Atemtätigkeit anstrengend sei oder wenn Atemgeräusche wie Heiserkeit, Krupphusten und ein Keuchen bei Keuchhusten auftauchte, so Wondri. Auch die Störung der Sprache sei ein Indiz, vor allem dann wenn Sprachschwierigkeiten oder leise Sprache bei Epiglottitis auftauchten.

Nicht scheuen, den Notruf abzusetzen, sollten sich die Eltern beim Fieberkrampf oder beim epileptischen Anfall. Ein kritischer Fieberanstieg führe zum Fieberkrampf. Länger anhaltender Fieberkrampf könne lebensgefährlich werden. Beim epileptischen Anfall führe die angespannte Muskulatur zu unverhältnismäßig hohe Kräften. Das betroffene Kind sollte vor Verletzungen geschützt werden. In diesen Fällen wie auch bei Diabetes sollten die Lehrer informiert werden. Wird ein Kind aufgefunden ist zuerst einmal das Bewusstsein zu überprüfen, indem es leicht rüttelnd angefaßt und es als erstes mit "hallo" angesprochen wird. Wenn das Kind bei Bewusstsein sei, dann sei situationsgerecht zu helfen.

Nach dem etwas theorielastigen ersten Teil ging hinein in die Praxis.

Kindgerecht wurden verschiedene Verbände angelegt. Bei den Themen Reanimation, Vergiftung sowie Verschlucken wurden praktische Handgriffe gezeigt. Wichtig bei der Reanimation von Säuglingen und Kleinkindern sei die fünffache Initialbeatmung, so Wondri. Davon würden 40 Prozent wieder von alleine zum "Atmen" gebracht. Natürlich durfte am Ende die stabile Seitenlage nicht fehlen.

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