24.06.2020 - 17:41 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Auf keinen Fall ein Kirchturmdenken

Durch gemeinsames Handeln von Gemeinden, Landwirten, Gewerbetreibenden und Bürgern der Mitgliedsgemeinden soll der ländliche Raum weiterentwickelt und lebenswerter gemacht werden.

sitzend Tobias Hofmann, stehend Reinhard Preißinger
von Arnold KochProfil

Zentraler Tagesordnungspunkt der zweiten Junisitzung war die Vorstellung der Integrierten Ländlichen Entwicklung Frankenpfalz im Fichtelgebirge. Bürgermeister Christian Porsch hieß dazu den Bürgermeister der Gemeinde Seybothenreuth und ILE-Vorsitzenden Reinhard Preißinger sowie Entwicklungsmanager Tobias Hofmann in der Sportarena willkommen.

Porsch berichtete, dass sich in der ILE die Gemeinden Emtmannsberg, Kirchenpingarten, Seybothenreuth, Speichersdorf und Weidenberg zusammengeschlossen haben. „In der ILE gibt es kein Kirchturmdenken. Wir beweisen gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die ILE-Geschäftsstelle ist in Weidenberg.“, erklärte Porsch einleitend.

Preißinger berichtete, dass die ILE 15 500 Einwohner in 129 Ortsteilen und eine Fläche von 192 Quadratkilometer hat. Sie wurde 2006 gegründet, 2016 ein ILE-Manager eingestellt und erhielt 2017 als Verein eine eigene Rechtsstellung. In Bayern gibt es 114 ILE-Regionen. Sie ist in den vier strategischen Handlungsfeldern „Schöne Dörfer in intakter Landschaft, Familien- und generationsgerechte Gemeinden,

starke regionale Wertschöpfungsketten, und leistungsfähige Gemeinden“ tätig.

Es werden Maßnahmen gebildet, die zum Erreichen der Entwicklungsziele beitragen. Innerhalb dieser Handlungsfelder und Maßnahmen werden gemeinsam mit den ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern, mit den Vertretern des Amtes für Ländliche Entwicklung, den Mitgliedsgemeinden Emtmannsberg, Kirchenpingarten, Seybothenreuth, Speichersdorf und Weidenberg insgesamt Projekte entwickelt. Deren Umsetzung wird mit 75 Prozent Staatszuschuss gefördert.

„Unser gemeinsames Ziel ist es unseren Gemeinden und der ILE-Region einen Wiedererkennungswert zu geben und die Schönheit unserer Heimat herauszustellen und dafür zu werben“, erklärte Hofmann. Dies zeigte man zum Beispiel bei der Landesgartenschau in Bayreuth 2016. Neben der Präsentation in der Öffentlichkeit steht die Förderung von Projekten in den Mitgliedsgemeinden, der Austausch untereinander und mit Behörden an vorderster Stelle. Die ILE hat eine Plattformfunktion für alle Akteure. Eine davon ist der Hochwasserschutz. Dabei wurden 40 Bereiche untersucht. Derzeit werden vier Maßnahmen mit 75 Prozent Zuschuss, davon 10 Prozent ILE-Bonus, umgesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Programm „Ländliches Kernwegenetz“. Es wurden 25 Kilometer in 3,5 Meter Breite und bis zu 85-prozentiger Förderung zum Ausbau angemeldet. Die Umsetzung läuft auch im Bereich Speichersdorf mit dem Bau der rund 1.200 Meter langen Gemeindeverbindungsstraße von Göppmannsbühl über die Tauritzmühle zur Kreisstraße BT 42. Hier steht derzeit noch die Kostenermittlung für die Brücke über den Tauritzbach aus.

Für Kleinprojekte steht der ILE ein jährliches Regionalbudget in Höhe von 100.000 Euro, davon 10.000 Euro Eigenanteil, zur Verfügung. Gefördert werden 2020 19 Maßnahmen mit maximal 10.000 Euro Nettogesamtkosten mit 80 Prozent. Diese müssen bis September abgewickelt werden. Dazu gehören der Defibrillator am Valenting-Kuhbandner-Haus und die E-Bike-Ladestation an der Tauritzmühle. „ILE-Konzepte sind Grundlage für die Dorferneuerung und Flurneuordnung“, berichtete der ILE-Manager. Dazu zählen unter anderem die Interkommunale Dorfinnenentwicklung, Vitalchecks, Gemeinschaftshäuser wie in Plössen. Die ILE-Region präsentiert sich auf Leistungsschauen, Bürgerfesten, Tag der Regionen und nimmt an staatlichen Wettbewerben zur regionalen Wertschöpfung erfolgreich teil. Für Maßnahmen im Verfahren der ländlichen Entwicklung Speichersdorf wurden 940.000 Euro und in der Flurneuordnung 5.370.000 Euro Förderung gewährt. Die ILE ist auch im Bereich Wander-, Themenwander- und Radwegenetzkonzept, Ortspläne, VPN-Prospekt mit dem Ziel der Regionalvermarktung aktiv. Die ILE präsentiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit mit Prospekten, Tageszeitung, Amtsblätter, Internet, Homepage und öffentlichen Präsentationen bei überörtlichen Veranstaltungen. Derzeit wird ein Imagefilm zum Thema Streuobst mit Kosten von 23 000 Euro für 35 Gemeinden mit je einem Eigenanteil von 170 Euro je Kommune gedreht. Porsch beendete den Themenpunkt mit dem Hinweis, dass die geplante gemeinsame Sitzung aller Gemeinderäte der Mitgliedsgemeinden wegen der Corona-Pandemie noch warten muss.

Den Tagesordnungspunkt „Festlegung von Terminen für Ortsversammlungen zur Wahl von Ortssprechern für die Orte Guttenthau/Roslas, Haidenaab-Göppmannsbühl, Nairitz/Kodlitz/Frankenberg“ musste abgesetzt. Dazu führte Porsch aus, dass das Landratsamt für solche Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern drinnen und 100 draußen keine Ausnahmegenehmigung erteilt und diese deshalb erst voraussichtlich im Herbst stattfinden können. Die Verschiebung wird im Gemeindebrief bekannt gegeben.

Die Gemeinde stellt künftig die Sportarena für den Blutspendedienst zur Verfügung. Porsch erläuterte, dass der BRK-Blutspendedienst viermal jährlich einen Blutspendetermin in Speichersdorf abhält und der Zuspruch seitens der Bevölkerung sehr groß ist. Aufgrund der Corona-Abstandsregeln wurde der erste Termin nicht wie bisher in der Festhalle sondern in der Sportarena abgehalten. Das BRK bittet nun aufgrund des größeren Raumangebotes und des barrierefreien Zuganges auch künftig diese Termine dort abhalten zu können. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig.

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