Speichersdorf
11.10.2026 - 19:40 Uhr

Krenfleisch, Tanz und Schnaderhüpfl: 111 Jahre Kirwa-Tradition in Speichersdorf

Sieben Tage lang feiert Speichersdorf seine Kirwa. Beim traditionellen Aufspielen am Milchbänkl sorgen freche Schnaderhüpfl für Gelächter. Zum Abschluss wird es allerdings wehmütig.

Ringsum türmten sich dunkle Regenwolken, doch über Speichersdorf strahlte am Sonntagnachmittag die Herbstsonne. Bei bestem Kirwawetter zogen die Kirwaburschen und -madla durch das Dorf. Vorneweg wurde die Kirwafahne geschwenkt, dahinter marschierten die Kirwapaare mit ihren geschmückten Krügen. Kinder zogen einen Leiterwagen mit einem Bierfass. Für den richtigen Takt sorgten die Original-Weinwallfahrer.

Der 1915 gegründete Verein feiert heuer sein 111-jähriges Bestehen. Bereits am Mittwoch war die Kirwa ausgegraben worden. Erstmals hallte wieder der Schlachtruf „Wer hat Kirwa? – Wir ham Kirwa!“ durchs Dorf. Nach dem traditionellen Krenfleischessen im Gasthof Imhof am Donnerstag ging es am Freitag und Samstag in der festlich dekorierten Maschinenhalle der Firma Kreutzer richtig zur Sache. Die Rocknacht mit „Sickatrice“ und „F.U.C.K.“ war ebenso erfolgreich wie der Kirwatanz mit „Essig & Öl“ am Samstag. An beiden Abenden war die Halle voll. Vorsitzender Patrick Sendelweck zeigte sich mit dem Verlauf sehr zufrieden. Rund 30 Helferinnen und Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Zurück zum Ursprung

Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche. Zu den Klängen des Festklassikers „Böhmischer Traum“, gespielt auf Orgel und Posaune, zogen die Kirwapaare ins Gotteshaus ein. Pfarrerin Andrea Kühn gestaltete den Gottesdienst. Für die Speichersdorfer Kirwaburschen und -madla gehört der Kirchgang – wenn auch etwas dezimiert – selbstverständlich dazu. Schließlich liegen hier die Ursprünge der Kirchweih.

Am Nachmittag wurde das Milchbänkl zum Mittelpunkt des Geschehens. Unter dem Beifall zahlreicher Zuschauer tanzten die Kirwapaare, begleitet von den Original Weinwallfahrern. Wie lange die Musikanten schon beim Aufspielen dabei sind, wissen selbst die Ältesten nicht mehr genau. Mindestens 30 Jahre dürften es sein.

Stoff für Spott

Anschließend wurde es beim traditionellen Derblecken lustig. Jeder Kirwabursch hatte seine Schnaderhüpfl selbst gereimt. Dorfgeschehen, Nachbarschaft und der eigene Freundeskreis lieferten reichlich Stoff für die spöttischen Verse. Nicht jeder kam dabei ungeschoren davon. Mal gab es schmunzelnden Beifall, mal kräftigen Applaus.

Als die Lautsprecheranlage streikte, überbrückten die Kirwapaare die Panne kurzerhand mit einer spontanen Tanzeinlage. Ein Nachbar besorgte eine Ersatzbatterie, und das Aufspielen konnte weitergehen. Zum Schluss mischte sich Wehmut unter die ausgelassene Stimmung. Vorsitzender Patrick Sendelweck kündigte in Reimform seinen Rückzug als Vereinsvorsitzender und Cheforganisator der Kirwa an. Das Publikum dankte ihm mit langanhaltendem Applaus.

Anschließend zog die Kirwagesellschaft, angeführt von den Original Weinwallfahrern, zurück zur Festhalle. Am Montag steht das traditionelle Rumspielen auf dem Programm. Mit einem geschmückten Bruckwagen besuchen die Kirwaleute Firmen und Geschäfte und hoffen auf eine Brotzeit oder ein Schnapserl. Am Dienstag wird die Kirwa schließlich wieder eingegraben – bis es im nächsten Jahr erneut heißt: „Wer hat Kirwa?“

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