12.03.2020 - 18:10 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Letzter Akt für Kulturverein Speichersdorf

Mit dem einstimmigen Votum der 41 anwesenden Mitglieder löste sich in einer außerordentlichen Sitzung der Kulturverein Speichersdorf auf. Nach 55 Jahre endet damit die Geschichte eines der wichtigsten Kulturträger in der Großgemeinde.

Stellvertretender Vorsitzender Rudi Richter (stehend) stellte die alles entscheidende Frage. Nachdem alle anwesenden Mitglieder für die Auflösung des Kulturvereins waren, war dessen Aus besiegelt.
von Autor HAIProfil

Nach dem Obst- und Gartenbauverein (wir berichteten) stellt eine weitere gesellschaftliche Institution in der Speichersdorfer Vereinslandschaft mit über 100 Mitgliedern seine Arbeit ein. In familiärer Runde, wie es dem Kulturverein von jeher eigen war, trafen sich die Mitglieder im Landgasthof Imhof. Der kommissarisch stellvertretende Vorsitzende Rudi Richter, der für den gesundheitlich angeschlagenen Vorsitzenden Josef Mittelmeyer in letzter Zeit wesentlich die Geschäfte geführt hat, hatte zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen.

Nach 53 Jahren an der Spitze des Kulturvereins hatte der 87-jährige Mittelmeyer in der Generalversammlung im Januar aus gesundheitlichen Gründen endgültig eine Wiederwahl ausgeschlossen. Stellvertretender Vorsitzender Rudi Richter, der 2020 seinen 80. Geburtstag feiert, sah die Zukunftsfähigkeit des Kulturverein nicht dadurch gelöst, dass ein 87-Jähriger geht und ein 79-Jähriger kommt.

Auf Richter hatte ohnehin in den vergangenen Jahren der Hauptanteil der Vereinsarbeit gelastet. Wesentliche Posten im auf zwei Jahre gewählten Vorstand konnten in den vergangenen beiden Jahren nicht mehr besetzt werden. Alle Bemühungen, eine tragfähige Führungsmannschaft zu bilden, waren nicht von Erfolg gekrönt.

Der Versammlungstermin war bewusst gewählt, zumal für 2020 damit keine Mitgliedsbeiträge mehr abgebucht werden und noch im März die Formalitäten beim Registergericht erledigt werden können. Die Stimmung war aber alles andere als getrübt. Die Runde schwelgte in Erinnerungen an glänzend organisierte Ausflüge und Veranstaltungen. Dabei ließ man sich zum Auftakt das letzte Essen schmecken, zu dem der Vorstandschaft eingeladen hatte.

Trotz 104 Mitgliedern, darunter 35 Ehepaaren, war eine Fortsetzung der Vereinsarbeit nicht mehr möglich. 90 Prozent der Mitglieder sind über 70 Jahre alt. Seit dem 50. Jubiläum 2015 war der Kulturverein personell nicht mehr in der Lage, eigene Veranstaltungen in der Festhalle zu stemmen. Bei vielen waren die Beschwerden größer geworden, so dass sie das Angebot wie Besuche von Theaterstücken nicht mehr wahrnehmen konnten. Auch die Teilnahme an den Eintages- und Mehrtagesausflügen war zunehmend beschwerlicher geworden.

So war es an diesem Abend nur noch Formsache, zwei Fragen zu stellen und zu beantworten. "Es war eine schöne Zeit, aber alles hat seine Zeit", leitete Richter ein. Die Probleme würden unverändert bestehen und hätten sich nicht lösen lassen. In seiner gewohnt offenen Art richtete der stellvertretende Vorsitzende ein letztes Mal an die Mitglieder die Frage, ob sich jemand bereit erklärt, für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Da darauf auf die keine Resonanz erfolgte, blieb keine andere Möglichkeit, als die Frage zu stellen, wer nach 55 Jahren für die Auflösung sei.

Laut Satzung mussten 75 Prozent der anwesenden Mitglieder zustimmen. Richter gab dabei zu bedenken, dass sich derjenige, der gegen eine Auflösung votiere, sich die Frage gefallen müsse, warum er nicht bereit sei, ein Amt zu übernehmen. Dem durchschlagenden Argument folgten schließlich alle 41 anwesenden Mitglieder ohne Gegenstimme und Enthaltung. Das Vereinsvermögen fällt der Gemeinde zu mit der Auflage, es für gemeinnützige und mildtätige Zwecke zu verwenden. Der Vorstand hat dafür die vier Kindergärten und die Schulvorbereitende Einrichtung zu gleichen Teilen im Blick.

Bürgermeister Manfred Porsch bedauerte die Auflösung. Es werde immer schwieriger, kulturelle Projekte anzubieten. Sein Dank galt dem Vorstand um Mittelmeyer und Richter für großartige Programmgestaltung über die Jahrzehnte. "Ich gehe gleichsam mit dem Kulturverein in den Ruhestand", verabschiedete sich das scheidende Gemeindeoberhaupt.

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