30.04.2020 - 11:12 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Nähmaschinen in Speichersdorf im Dauereinsatz

Seit in Bayern unter anderem in Geschäften eine Maskenpflicht gilt, hat auch in der Großgemeinde das ehrenamtliche Engagement eine neue Dimension erreicht. Ideen und Initiativen sind entstanden, um Mitbürger mit Schutzmasken auszustatten.

Über 100 Masken hat die stellvertretende Vorsitzende der Schlaganfallselbsthilfegruppe, Angela Fraunholz, in ihrer Nähstube schon erstellt. Weitere stehen in den nächsten Tagen auf der To-do-Liste.
von Autor HAIProfil

So sitzt Angela Fraunholz wie viele andere private Näherinnen seit zwei Wochen zu Hause an der Nähmaschine. Über 100 Schutzmasken hat die 69-Jährige bereits genäht. Weitere 150 sind in Vorbereitung. Dabei kommt ihr zugute, dass ihre Mutter Schneiderin war und sie von ihr noch viel Stoff und Seide in allen Farben besitzt. Aber auch Hemden und Tischdecken, vorzugsweise aus Baumwolle oder Leinen, kann man benutzen, sagt sie. Probleme dürfte es nur mit den nötigen Gummi geben, der in ihrem Haushalt irgendwann zu Ende geht. Denn ihr Vorrat reicht gerade noch für die nächsten 150 Stück.

Nachschub zu bekommen sei extrem schwierig, sagt Fraunholz. Die Geschäfte seien ausverkauft. Auf eine Alternative ist Sieglinde Hübner von der Bürgerstiftung Lebensfreude gestoßen. Sie fertigt für sozial Schwache und Risikopatienten Schutzmasken näht. Dafür verwendet sie Haargummis für Mädchen. Diese lassen sich bestens annähen und sind angenehm zu tragen.

Sowohl Hübner als auch Fraunholz haben ihre bisher genähten Schutzmasken verschenkt. Zuallererst hat die zweite Vorsitzende der Schlaganfallgruppe Speichersdorf alle Mitglieder bedacht, dann ihren Freundeskreis, ihre drei Kinder und wiederum deren Freunde.

Schwiegermutter näht

Der Vorstand des Stammtisches Zeulenreuth um Vorsitzenden Christian Küffner hat beschlossen, alle Mitglieder mit Schutzmasken auszustatten. Eine versierte Näherin fand sich in der Schwiegermutter des früheren Vorsitzenden Torsten Küffner, Silvia Kühnel. Sie lieferte kurzfristig 55 passende und bezahlbare Schutzmasken aus Bettwäsche. Entsprechend groß war in den sozialen Medien das Lob und der Dank an die Organisatoren und die Schneiderin. "Wir sind am überlegen, noch ein paar weitere zu verteilen. Ist aber nicht einfach, an welche zu kommen", resümierte der Vorsitzende.

Eine besondere Initiative kommt von der Hamburger CEE Gruppe, die den Solarpark Haidenaab betreibt. Die Firma hat sich bei Bürgermeister Manfred Porsch nachgefragt, inwieweit sie in und für die Gemeinde Schutzmasken zur Verfügung stellen könnte. Der Photovoltaikbetreiber könnte vorrangig die Ortsteilbewohner aus Haidenaab und Göppmannsbühl, Beerhof und Lettenhof, Wirbenz und Teufelhammer versorgen. Bezüglich der Verteilung soll mit Vereinen Rücksprache gehalten werden.

In vielen Haushalten sind fleißige Helferinnen am Nähen. Besonders gefragt sind auch die Schutzmasken von Verena Micklisch-Stahl und Carsten Reiß. "Ich arbeite wirklich an der Nähmaschine jeden Tag im Moment acht bis zehn Stunden", berichtet Micklisch-Stahl. Und das macht sie seit gut 14 Tagen. Rund 400 Masken hat sie bereits genäht. Die Nachfrage sei ungebrochen.

Hochwertige Stoffe

Anfangs sei sie etwas zurückhaltend gewesen, außerhalb der Familie und des Freundeskreises Mundschutzmasken zu nähen. Nachdem das Robert-Koch-Institut diese selbstgenähten Masken ebenfalls aus hilfreich eingestuft hatte, begann sie, zum Selbstkostenpreis auch für andere zu nähen. Zur Herstellung verwendet sie ausschließlich hochwertige Baum- und auch Biobaumwollstoffe. Beim Nähen trägt sie selbst eine Mundschutzmaske.

Mit viel Gespür für das Detail werden die Masken in Seidenpapier mit ansprechenden Aufkleber verpackt. Dazu kommt ein Blatt mit wichtigen Hinweisen zur Pflege, zum Waschen, Trocken und Umgang mit dem Gummi. Micklisch-Stahl erfüllt auch Wünsche. Manche möchten Masken mit bestickten Bildern oder Namen. Ein Renner seien die Bayern-Masken, unter anderem mit Hirschbildern darauf.

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