30.09.2019 - 11:37 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Neues Zuhause für Wegkreuz

Heidi und Peter Deubzer aus Speichersdorf haben ein historisches Wegkreuz erworben und auf ihrem Grundstück errichtet. In einer kleinen ökumenischen Feier wurde es nun gesegnet.

Heidi und Peter Deubzer (Dritte und Zweiter von links) mit den Geistlichen Hannes Kühn, Sven Grillmeier, Dirk Grafe (von rechts) sowie Bürgermeister Manfred Porsch (links).
von Autor HAIProfil

Eine Wegkreuzsegnung, und diese noch mit einer bemerkenswerten Hintergrundgeschichte, das ist in der heutigen aufgeklärten Gesellschaft eher eine Seltenheit. Heidi und Peter Deubzer haben aus christlicher Überzeugung ein historisches Wegkreuz erworben und auf ihrem Grundstück errichtet. In einer kleinen ökumenischen Feier wurde es nun gesegnet.

"Ich habe es im April diesen Jahres auf Facebook gefunden", erzählt Peter Deubzer stolz von der eher zufälligen Entdeckung im Internet. Dort sei das Wegkreuz mit neuer Vergoldung für 350 Euro frisch renoviert von einer ihm gut bekannten Frau aus Haidenaab zum Verkauf angeboten worden. "Wir wollten es unbedingt nach Speichersdorf holen und ihm auf unserem Grundstück an der Zufahrt der Industriestraße zu unserem Grundstück einen neues Zuhause gegeben." Es stand vorher in Punreuth, Gemeinde Immenreuth, nur gut einen Kilometer vom Elternhaus seiner Frau Heidi entfernt. Die Besitzer, die aus Punreuth stammen und jetzt in Haidenaab wohnen, haben das Anwesen dort verkauft und somit keine Verwendung mehr für das im Jahre 1880 vom Großvater errichtete Wegkreuz. Deubzer hat sich mit der Verkäuferin in Verbindung gesetzt, den Kauf sofort zugesagt, noch am selben Tag besichtigt und bezahlt. Am darauf folgenden Wochenende wurde es abgebaut und nach Speichersdorf überführt. Auf dem Grundstück der Deubzers wurde anschließend ein Standort gesucht und ein schöner Platz für das Wegkreuz auf dem Hof direkt an der Zufahrt der Industriestraße gefunden.

Ganz ihrer christlichen Einstellung gemäß plante Familie Deubzer parallel eine kirchliche Segnung. Im Kreise von Freunden, Verwandten und Bekannten nahmen der katholische Pfarrer Sven Grillmeier und die evangelischen Geistlichen Dirk Grafe und Hannes Kühn bei einer kleinen Andacht die Segnung vor. Unter den Gästen war auch Bürgermeister Manfred Porsch, der sich für die Erhaltung dieses Kulturgutes bedankte. Die Kaibitzer Jagdhornbläser umrahmten die Zeremonie musikalisch. Bei Heimatforscher Werner Veigl aus Haidenaab, der nach zehn Jahren Arbeit kurz vor der Veröffentlichung eines neues Buches über Flur- und Kleindenkmäler im Gebiet der Gemeinde Speichersdorf steht, stieß Deubzer auf größtes Interesse, was die Erforschung der historischen Hintergründe und die Symbolik des Denkmals betrifft. "Ich habe ihm davon erzählt und er hat sich sofort auf die Suche nach Dokumentationen bezüglich der Errichtung und des Standortes gemacht, und ist auch fündig geworden", berichtete Deubzer am Rande der Segnungsfeier.

Info:

Hintergrund

Wie Heimatforscher Werner Veigls Recherchen ergaben, war es der damals 41-jährige Bauer Johann Müller von Punreuth, Hausnummer 2, der 1880 dieses Denkmal errichten ließ. Er wurde am 23. März 1839 in Punreuth geboren, hat am 9. Mai 1871 in Kulmain die 27-jährige Bauerstochter Anna Dötterl aus Wunschenberg geheiratet und ist am 26. Juni 1925 in Punreuth im Alter von 73 Jahren gestorben. Errichtet hat Müller das religiöse Kleindenkmal 200 Meter südlich der Ortschaft Punreuth, Gemeinde Immenreuth, links an der Straße.

Die 1,3 Meter hohe rechteckige Granitsäule gliedert sich in Sockel, Schaft und Kapitell (Kopf). Der Sockel trägt die eingemeißelte Inschrift 1880. Zierde der Marter ist das vergoldete Gusseisenkreuz mit dem gekreuzigten Christus und die vergoldete Marienfigur zu seinen Füßen. Dazwischen befindet sich eine ovale Tafel im goldenen Blumenkranz mit der Aufschrift: "Herr segne unsere Fluren!".

Von hoher Symbolkraft, so weist Veigl ausdrücklich hin, seien die drei Kreuzbalkenenden in Form eines dreifaltigen Kleeblattes. Sie symbolisierten die Dreifaltigkeit. Anlass und Grund der Entstehung dieses Flurdenkmals ließen sich trotz Befragung von Zeitzeugen nicht mehr ermitteln, berichtete Veigl. In der Regel seien es Unglücksfalle verschiedenster Art, der Dankerweis für die Errettung aus bedrohlichen Lebenssituationen, die glückliche Heimkehr aus einem Krieg, die Genesung von einer schlimmen Krankheit oder die Erfüllung eines Versprechens. Oft hätten auch Einzelpersonen oder Familien aus Frömmigkeit oder tiefer religiöser Überzeugung oder zum Gedenken an verstorbene Familienmitglieder ein Kreuz errichten lassen. Beim Deubzer-Kreuz lasse die Inschrift die Sorge um den Schutz der Feldfluren vor Unwetter erkennen, weiß der Heimatforscher. Dafür spreche auch der Standort mitten in der Flur an einer viel begangenen Stelle. Denn besonders auf dem Land sei es gängige Praxis gewesen, bei Flurkreuzen kurz zu verweilen, ein Gebet zu sprechen oder zumindest das Kreuzzeichen zu machen.

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