16.01.2019 - 15:16 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

"Schwer zu füllende Lücke"

Die Gemeinde Speichersdorf nimmt Abschied von Ehrenbürger Georg Herath.

Die Ehrenbürgerwürde 2005 war die Krönung von Georg Heraths (rechts) gesellschaftlichem und kommunalpolitischem Lebenswerk. Er Ende Dezember im Alter von 93 Jahren gestorben.
von Autor HAIProfil

"Seine markante Tatkraft und Durchsetzungskraft, seine markante Erscheinung und seine markante Stimme werden wir vermissen. Menschen und überzeugte Christsoziale seiner Generation und seines Formats hinterlassen Lücken, die nur sehr schwer zu schließen sind", kommentiert Franc Dierl den Tod von Ehrenbürger und Ehrenmitglied Georg Herath, der am 28. Dezember im Alter von 93 Jahren gestorben ist.

Familie, Gemeinderat und Vereine werden Herath am Freitag, 18. Januar, um 14.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Speichersdorf verabschieden. Nach der Urnenbeisetzung lädt die Gemeinde Bürger und Vereinsabordnungen zu einer kleinen Abschiedsfeier in das evangelische Gemeindehaus ein.

"Mit Georg Herath verlieren wir einen wirklichen und wahrhaftigen Ehrenbürger", sagt Bürgermeister Manfred Porsch stellvertretend auch für seine Bürgermeisterkollegen Rudi Heier und Wolfgang Hübner. Georg Herath hat in seinem 42 Jahre währende kommunalpolitischen Wirken die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde beeinflusst und sich besondere Verdienste um die Einwohnerschaft erworben. Das belegen allein schon die Auszeichnungen. Herath war seit 1994 Träger der kommunalen Verdienstmedaille in Bronze des Bayerischen Innenministeriums. Die Gemeinde verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde 2005.

Seine politische Heimat hatte Herath bei der CSU. Von 1960 bis 2002 war er Mitglied des Ratsgremiums. Nach drei Jahren als dritter Bürgermeister (1964 bis 1966) war er 30 Jahre zweiter Bürgermeister (1966 bis 1996). In seine Wirkenszeit fiel auch der Zusammenschluss der vormals acht selbstständigen Gemeinden zur Großgemeinde.

Nach dem Tod des ersten Bürgermeisters Franz Scherm 1995 übernahm er bis 1996 kommissarisch das Amt. Über die Jahrzehnte wickelte Herath nahezu sämtliche Grundstücksgeschäfte ab, stand dem Rechnungsprüfungsausschuss als Vorsitzender vor und gehörte dem Finanz- und Bauausschuss an. Zu seinen letzten politischen Groß-Projekten gehörte etwa das mit dem heutigen dritten Bürgermeister Wolfgang Hübner 1994 angestoßene Gewerbegebiet Speichersdorf Ost.

Herath war nach Kriegsende bei vielen Vereinen Gründungs- oder Wiedergründungsmitglied: vom Soldaten- und Kameradschaftsverein (1954), deren Schriftführer er von 1954 bis 1973 war. Herath erhielt dafür 2018 das BSB-Verdienstkreuz in Gold, 1949 bis 1951 war er beim Turn- und Sportverein Fußballabteilungsleiter, 1951/1952 Schriftführer, von 1956 bis 1970 zweiter Vorsitzender und einige Jahre Schiedsrichter. Für seine Verdienste um den Sport wurden ihm vom BLSV, vom BFV und vom Verein die Ehrenzeichen in Gold verliehen. Gründungsmitglied war er 1965 beim Diakonieverein, 1973 beim FGV-Ortsverband. Über 50 Jahre hielt er dem Kulturverein und Vdk-Ortsverband die Treue. Bis 2018 war er Kassenprüfer des CSU-Ortsverbandes, des Soldaten- und Kameradschaftsvereins, des Kulturvereins. Dem evangelischen Kirchenvorstand gehörte Herath von 1978 bis 2002 an. 2018 beging er die eicherne Konfirmation (80 Jahre).

Die Wiege von Georg Herath stand in Zeulenreuth. Nach Kaufmannsgehilfenprüfung, Arbeitsdienst, Kriegsverwundung und -gefangenschaft war er in verschiedenen Betrieben als Lohnbuchhalter und Maschinendrucker tätig, ehe er 1952 als Bezirksleiter zur Aachener und Münchener Versicherung wechselte und dort 1955 Generalagent wurde. Von 1961 bis 1966 war Herath in Speichersdorf als Gemeindesekretär beschäftigt. Dann übernahm er die Geschäftsführung der Raiffeisenbank Speichersdorf.

In den Folgejahren hatte er wesentlichen Anteil am Aufbau der heutigen Raiffeisenbank am Kulm, zu deren Direktor er 1978 ernannt wurde. In seine Zeit fiel die Fusion mit der Raiffeisengenossenschaft Tressau (1967), mit der von Kirchenlaibach (1968), mit der Genossenschaft von Neustadt am Kulm (1970 ) sowie mit den Raiffeisenbankgenossenschaften von Mockersdorf und Wirbenz (1975). Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender trat Herath 1988 mit 63 Jahren in den Ruhestand. Insbesondere nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben widmete sich der Jubilar mit Elan der Karpfenzucht. Seit 1950 war Georg Herath mit Johanna Baumann verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.

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