06.03.2020 - 14:26 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Seit 25 Jahren Engel für Mitmenschen

Eine Notiz im evangelischen Kirchenboten weist auf den „Kleinen Dienst“ in Speichersdorf hin. So unscheinbar dieser Hinweis ist, so ist das Auftreten der Mitarbeiterinnen. Doch ihre Arbeit ist aber von unschätzbarem Wert.

Sie sind für Menschen nicht selten die kleinen Engel des Alltags. Neun Jahre koordinierte Ursula Steiner (Mitte sitzend) den „Kleinen Dienst“. Ansprechpartnerin heute ist Claudia Hauer (rechts stehend) im Kreise ihrer Kollegen Christine Kirchberger, Christa Bodenschatz, Evi Brunner, Helmut Würfl, Anni Graf, Renate Veigl (von links).
von Autor HAIProfil

Seit 25 Jahren gibt den „Kleinen Dienst“. Diesen Sonntag begeht der Helferkreis mit Ehrengästen in einer kleinen Feierstunde im evangelischen Gemeindehaus das Jubiläum. Oberpfalz-Medien-Mitarbeiter Wolfgang Hübner sprach mit der 54-jährigen Leiterin Claudia Hauer über die Arbeit der kleinen Engel des Alltags.

ONETZ: Was macht der "Kleine Dienst"?

Claudia Hauer: Die Helfer, die dahinter stehen, sind für so manche Menschen im Gemeindegebiet der 14. Nothelfer im Alltag. Sie machen Besuche, wollen einfach da sein und zuhören, geben Zuspruch. Sie übernehmen Besorgungen, den Telefondienst, begleiten zur Kirche, zur Therapie und zum Arzt, machen Fahrten zur Apotheke, zu den Gemeindeämtern. Da schieben sie den Rollstuhl durch die Straßen, um die Angehörige zu entlasten oder weil es sie nicht mehr gibt. Sie nehmen sich Zeit zum Gespräch, sei es bei einer Tasse Kaffee zum Plausch, sei es, um nur einfach zuzuhören.

ONETZ: Aber alles nur im Rahmen der eigenen Kraft und zeitlichen Möglichkeiten?

Claudia Hauer: Sie helfen ehrenamtlich bestmöglich im Rahmen ihrer eigenen Freizeitmöglichkeiten. Deshalb sind wir, um dies alles leisten zu können, auch ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen. Wer mitarbeiten oder auf andere Weise einen Beitrag leisten möchte, ist herzlich willkommen und kann sich jederzeit an uns wenden (Telefon 09275/7000, oder an das evangelische Pfarramt, Telefon 09275/839, beziehungsweise katholische Pfarramt (Telefon 09275/97190).

ONETZ: Damit sind sie hautnah an den Menschen dran!

Claudia Hauer: Ja, in der Tat, das wird so ganz nebenbei aus den Schilderungen der Menschen dann auch ganz deutlich. Vor allem wenn es um Krisenfälle geht, um Menschen, die nicht mehr so eingebunden sind in die Gesellschaft. Nicht selten sind die Kollegen über Jahre der einzige Gesprächspartner einsamer Mitmenschen. Es kommt auch vor, dass sie die einzigen sind, die aufgrund menschlich völlig zerrütteter Verhältnisse unter den Angehörigen Zugang haben und mit diesen Menschen zu Recht kommen.

ONETZ: Und die Helfer selbst?

Claudia Hauer: Hauer: Die Mitarbeiterinnen zeichnet eine äußerste Bescheidenheit und ein liebevoller Umgang mit den Mitmenschen aus. Die meisten sind im privaten Umfeld, aber auch im Seniorenwohnheim unterwegs. Fast unbemerkt kommen sie etwa ins Luise-Elsässer-Haus - und kaum einer weiß, dass Sie zum ökumenischen Dienst gehören. Sie wollen im Stillen helfen. Die Freude am Helfen erfüllt ihr Leben mit Sinn. Sie wollen keine Geschenke - ein kleines "Danke" ist für sie Lohn genug.

ONETZ: Eigentlich eine ökumenische Einrichtung?

Claudia Hauer: Der "Kleine Dienst" ist wesentlicher Baustein des ökumenischen Zusammenwirkens zwischen den evangelischen und katholischen Christen in unserer Großgemeinde. Entscheidend ist die wirklich kleine unentgeltliche Diakonia. Hier wird der kleine Dienst im wahrsten Sinne des Wortes, hier wird Christsein im Alltag gelebt. Christen aus Kirchenlaibach, aus Speichersdorf und aus Ortsteilen im Gemeindegebiet haben sich unter ökumenischen Vorzeichen zu einer völlig neuen Form der konfessionsübergreifenden Nachbarschaftshilfe zusammengefunden. Sie hat zwischenzeitlich auch andernorts Schule gemacht.

ONETZ: Und dies seit 25 Jahren?

Claudia Hauer: Mittlerweile seit über zweieinhalb Jahrzehnte leisten diese ehrenamtlichen Helfer eine so gar nicht mehr selbstverständliche, doch ungemein wertvolle Arbeit im Alltag. Vor 24 Jahren war es die Idee von Pfarrer Bernhard Müller von der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde, es einfach mal zu probieren. Zusammen mit Rita Riedl und Hilde Baier ist er auf seinen evangelischen Amtsbruder Pfarrer Klaus Rettig zugegangen und hat auch hier offene Türen vorgefunden. Neun Frauen, zu denen sich im Laufe der Jahre weitere Frauen und auch Männer gesellten, haben sich damals auf das Wagnis eingelassen. Von der ersten Stunde an waren auch dabei Gerlinde Fichtner, Anni, Graf, Christine Kirchberger, Maria Kohl, Elfriede Scherl, Manuela Uhr und Renate Veigl. Ein Teil der Frauen der ersten Stunde sind nach wie vor aktiv.

ONETZ: Was würden Sie all diesen mit wenigen Worten gerne sagen?

Claudia Hauer: „Danke dafür, dass Ihr immer bereit seid!“

Informationen:

Kontakt zum "kleinen Dienst"

Wer den „Kleinen Dienst“ in Anspruch nehmen oder dort mitarbeiten möchte, kann sich unter Telefon 09275/7000 melden oder sich ans evangelische Pfarramt, Telefon 09275/839, beziehungsweise katholische Pfarramt, Telefon 09275/97190, wenden.

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