Speichersdorf
13.10.2025 - 12:06 Uhr
OnetzPlus

Speichersdorf feiert Kirchweih mit Herz und Humor

Mit Musik, Tanz, Kirchgang und deftigen Sprüchen zeigten die Kirwamadla und Kirwaburschen, was echte fränkische Feierkultur bedeutet – und machten Lust auf das große 111-jährige Jubiläum 2026.

„Breaking Silence“ und „F.U.C.K“, „Essig & Öl“ und die Weinwallfahrer sowie 27 fesche Kirwamadla und Kirwaburschen sorgten bei der Speichersdorfer Kirwa mit einem fetzigen Musikprogramm und peppigem Gstanzlsingen für Stimmung. Bis Sonntag herrschte Ausnahmezustand in Alt-Speichersdorf mit buntem Kirwa-Treiben in der Kreutzer-Halle, rund um den Dorfplatz und das „Milchbänkl“. Auf den T-Shirts der Helfer-Crew kündigte sich bereits das nächste Highlight der „Kirwa“ an. Vom 1. bis 2. August 2026 wird das 111-jährige Jubiläum der Kirwa mit dem Horrido Express und dem Aufsingen der ehemaligen Kirwapaare gefeiert.

Das Organisationsteam um den Vorsitzenden Patrick Sendelweck verdient großes Lob. Es hat in einem logistischen Kraftakt und mit viel Liebe zum Detail die große Maschinenhalle in eine Party-Halle verwandelt. Vor einer Woche hatte Max Höreth die Kirwa erstmals als Totengräber mit süffisanten Versen und Reimen ausgegraben. Danach standen sechs Tage lang Küche, Kirche sowie rockige und zünftige Musik im Mittelpunkt, begleitet von deftigen Sprüchen.

Rock-Party zum Auftakt

In einer voll besetzten Halle sorgte am Freitagabend die Classic-Metal-Cover-Band F.U.C.K als Hauptact für eine erstklassige Rock-Party. Mit einem kraftvollen Mix aus Heavy Metal, Rock-Klassikern und modernen Hits brachte das Quartett die Halle zum Kochen. Mit Songs wie „King of Fools“, „Holy Diver“ oder „Wasted Years“ und Klassikern wie „TNT“, „Breaking the Law“ und „Enter Sandman“ sowie satten Riffs zu „Fuel“ kamen alle Rock- und Metal-Fans auf ihre Kosten. Dazwischen spielten die Musiker immer wieder deutschsprachige Titel wie „Vollmond“ mit „Ich will brennen“ oder das treibende „Sonne“ von Rammstein. Für ein gelungenes Warm-up mit Songs von Linkin Park, Scorpions, Billy Talent und Bloodhound Gang sorgte zum Auftakt der Rocknacht die oberfränkische Rock- und Metal-Formation „Breaking Silence“ um Frontfrau Shelly.

Nach dem Einmarsch der Kirwamadla und Kirwaburschen und ihrer Eröffnung der Tanzfläche am Samstagabend heizte das Quartett „Essig und Öl“ aus der Fränkischen Schweiz wie schon im Vorjahr beim bayerisch-böhmischen Party- und Schlagerabend die Halle auf. Die junge fränkische Coverband hatte eine gelungene Mischung an Lieblingssongs aller Generationen im Gepäck – von Peter Maffay bis DJ Ötzi, von Jürgen Drews bis Müller-Westernhagen. Mit Chartstürmern, Schlagern, Volksmusik und Popmusik sorgten sie für gute Laune und Kirwastimmung.

Kirchgang ist Pflicht

Am Sonntag erreichte die Kirwa mit einem Gottesdienst, farbenfrohem Auftanzen und Aufspielen sowie derbem Gstanzlsingen zu den Polka-Klängen der Weinwallfahrer ihren Höhepunkt. Traditionell gehört der Kirchgang zum Pflichtprogramm der Kirwa, auch wenn die Nächte kurz waren und die Stimmbänder gelitten hatten. Nahezu alle Kirwamadla und Kirwaburschen marschierten pünktlich auf und nahmen im Gemeindehaus in der ersten Reihe Platz.

Umrahmt von den Klängen des Posaunenchors stellte Pfarrer Hannes Kühn die Zusage Jesu „Ich bin bei euch – alle Tage, bis an das Ende der Welt“ in den Mittelpunkt seiner Predigt. Nicht nur an guten Tagen. Nicht nur, wenn alles läuft. Sondern alle Tage, so der Geistliche. Er zeigte sich begeistert vom christlichen Leben und der Leidenschaft der Kirwagesellschaft und wünschte sich, dass die Kirwamadla und Kirwaburschen nicht nur zur Kirwa, sondern jeden Tag ihren Glauben stärken mögen.

Über 40 Gstanzln

Am frühen Nachmittag folgte der große Auftritt der 13 Kirwapaare. Eine riesige Menge an Zuschauern bereitete dem Aufmarsch der Kirwagesellschaft am Dorfplatz einen herzlichen Empfang und eine beeindruckende Kulisse. Mit einem Leiterwagen, reichlich Bier und begleitet von den Weinwallfahrern aus Filchendorf zogen sie zunächst über die Ringstraße und Aubachstraße. Zurück am Dorfplatz legten die Kirwaburschen dann richtig los. Beim Aufsingen in über 40 Gstanzln sparten die 13 Jungs in diesem Jahr nicht mit teils deftig-derben Sprüchen und beißender Ironie. Neben süffisanten Anmerkungen über das Dorfgeschehen und den Bürgermeister bekamen auch die Kirwa-Nachbarn aus Wirbenz ihr Fett weg. Obwohl sie sich selbst auf die Schippe nahmen, lobten sie dennoch ihre feschen Madla und Burschen.

Am Montag machten sich die Mädchen und Jungen schließlich auf, um auf dem neu gebauten Bruckwagen zu spielen, begleitet von den zünftigen Klängen von Jonas Kauper auf der Steirischen Harmonika. Beim Besuch im Rathaus, Altenheim, in den Pfarrhäusern sowie in den Kindergärten ließen sie nicht locker und riefen lautstark hinaus, was die Tage über angesagt war: „Wer hod Kirwa? Mir kom Kirwa! Wer hod Durst? Mir hom Durst...“ Am Dienstag hieß es dann Abschiednehmen von der Kirwa. In einer feierlichen Zeremonie wurde sie zu Grabe getragen.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.