Nach der Coronapandemie sollte es in Speichersdorf wieder ein Fest der Kulturen geben. Doch kurz vor dem Termin Mitte Juni kam von der Gemeinde Speichersdorf die Absage. Darauf habe man sich mit allen Beteiligten, darunter der Caritas-Kreisverband und das Sozialraumteam um Dolores Longares-Bäumler, verständigt, berichtet Bürgermeister Christian Porsch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Grund war die vom Landratsamt Bayreuth angekündigte Ankunft von weiteren 50 Flüchtlingen in der Gemeinde. "Die Info, dass sie zu uns kommen, gab es Mitte März." Zwei Wochen später seien die Bürger darüber in Kenntnis gesetzt worden.
Die Planungen für das Fest der Kulturen haben laut Porsch bereits angefangen, "da waren diese Flüchtlinge noch kein Thema". Diese Menschen aus Syrien und Georgien sollten jedoch beim Fest der Kulturen mit integriert werden. Allerdings verzögerte sich deren Ankunft. Dafür habe es zwar "nie einen gewissen Tag X gegeben", es "war jedoch mal vom Sommer die Rede", erinnert sich der Bürgermeister. Jetzt allerdings werden die 30 einzelreisenden Asylsuchenden aus Syrien "nicht vor Oktober erwartet". Und bei den georgischen Familien (20 Personen) herrscht noch völlige Unklarheit hinsichtlich deren Ankunft: "Da hat noch keiner etwas gesagt."
Erfahrung mit Integration
39 Nation leben bereits in der Großgemeinde. Und auch sonst habe Speichersdorf schon viele Erfahrungen bei der Integration von Asylsuchenden und ausländischen Bürgern gesammelt, erzählt Porsch. Exemplarisch nennt er die vielen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gastarbeiter aus der Türkei in den 1960er Jahren und die Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in der 1990er Jahren. "Das haben wir gut hinbekommen", meint der Bürgermeister. Daher sollen auch die 50 Neuankömmlinge entsprechend willkommen geheißen werden. "Doch zwei Feste kriegen wir nicht hin", bedauert Porsch mit Verweis auf die vielen Beteiligten. Und statt "zwei Mal halbherzig" sollte besser einmal richtig gefeiert werden.
Dafür kann er auch auf die Hilfe eines Unterstützerkreises, dem Vereinsvertreter, Gemeinderäte und Bürger angehören, zählen. Das Gremium habe bereits einmal getagt. Und wer möchte, könne immer noch dazustoßen: "Jeder kann sich einbringen, je nach zeitlicher Ressource." Für die nächste Zusammenkunft sei ein Austausch mit dem Unterstützerkreis in Pegnitz geplant. "Wir wollen schauen, was die schon alles (für Asylsuchende) gemacht haben", erläutert Porsch.
Wie für das Fest der Kulturen soll auch für die Willkommensfeier eine Förderung aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" beantragt werden. Das werde dann ebenfalls über den Caritas-Kreisverband laufen, erläutert der Bürgermeister. Erste Gespräche habe es mit den 48 bereits in der Gemeinde lebenden Syrern gegeben, damit sie sich bei der Veranstaltung mit einbringen. Porsch spricht hier von einer positiver Resonanz: "Sie wollen auch, dass ihre Landsleute gut ankommen und sich leichter zurecht finden." Vor allem die jungen Leute sollen die Bürger kennenlernen. Porsch denkt an "eine Art Steckbrief", mit dem sie sich und ihre Hobbies vorstellen, um sie schließlich zu den Vereinen zu bringen. Ein grobes Gerüst für das Willkommensfest hat der Bürgermeister ebenfalls schon im Kopf. Wie beim Fest der Kulturen soll es ein riesiges internationales Büfett geben. Auftritte sollen etwa die Gruppe Samba Secco aus Neustadt am Kulm und die Kindervolkstanzgruppe der Landjugend Plössen haben. Das Fest wird nach Meinung Porschs nicht vor Oktober sein, wahrscheinlich aber dann in der Sportarena. Er hält es für "sinnvoll, es nicht erst nächstes Jahr zu machen".
Container noch nicht da
Für die 30 Syrer plant das Landratsamt zur Unterbringung Container auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück östlich des Wasserturmes im Süden von Speichersdorf. Doch davon ist aktuell nichts zu sehen. Wenn einmal die Container aufgestellt werden, wird die Gemeinde parallel dazu den Kanalanschluss herstellen. Der Auftrag dafür ist zumindest schon vergeben, berichtet Christian Porsch.
Die 20 Personen aus Georgien sollen einmal im ehemaligen King's Inn in Kirchenlaibach eine vorübergehende Bleibe finden. Die frühere Gaststätte werde in ein Wohngebäude umgewandelt. Wie bei den Containern habe der Gemeinderat auch dieser Nutzungsänderung zugestimmt, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Das Gebäude werde derzeit saniert, "das läuft über das Landratsamt". Wie weit hier die Arbeiten gediehen sind, kann Porsch daher nicht einschätzen.



















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