28.06.2018 - 13:45 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Windpark nicht vor Ende 2020

Einen Namen hat er schon. Der „Windpark Frankenpfalz“ soll im Bereich der Gemeinden Speichersdorf und Speinshart entstehen. Aber ob er wirklich kommt und wo Windräder aufgestellt werden, steht momentan noch nicht fest.

Der Geschäftsführer der Energiegenossenschaft NEW eG, Bernhard Schmidt, und Mariella Schubert vom Planungsbüro Plan BC aus Bayreuth stellen den geplanten „Windpark Frankenpfalz“ vor und beantworten Fragen der Bürger.
von Autor OWProfil

(ow) Die interkommunale Genossenschaft NEW (Neue Energien West eG) aus Grafenwöhr plant den Bau eines Windparks, der die Regierungsbezirke Oberfranken und Oberpfalz auf den Gemeindegebieten Speichersdorf, Speinshart und dem gemeindefreien Gebiet der Staatsforsten verbindet. Unmittelbar umliegend befinden sich die Gemeinden Neustadt am Kulm und Vorbach. Der Windpark wird teilweise auf Ackerflächen und auf Waldgebiet stehen. Das Planungsgebiet hat eine Größe von zirka 300 Hektar.

Auf großes Interesse stieß eine Informationsveranstaltung der Genossenschaft NEW. Neben den Gemeinde- und Stadträten der Kommunen Speichersdorf, Speinshart, Neustadt am Kulm und Vorbach waren rund 150 Bürger in die Sportarena gekommen, um sich über den neuesten Stand der Planungen zu informieren.

"Wir stehen immer noch am Anfang, und können auch heute noch nicht sagen, wo, wie viele und ob überhaupt Windkraftanlagen gebaut werden können," betonte Geschäftsführer Bernhard Schmidt. Die Flächen bei Ramlesreuth und im Speinsharter Wald böten jedoch dafür beste Voraussetzungen. Der Gesetzgeber habe aber eine umfangreiche Begutachtung der Standorte vorgegeben, um negative Einflüsse auf Mensch und Natur auszuschließen. Seit März liefen im Gebiet artenschutzrechtliche Untersuchungen (SAP), die frühestens im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden können. Bis jetzt gebe es keine Erkenntnisse, die einen Bau verhindern würden, berichtete der Geschäftsführer.

Inzwischen sei mit allen in Frage kommenden Grundstücksbesitzern Kontakt aufgenommen worden. Dort, wo ein Windrad errichtet werde, könnten sie mit guten Pachteinnahmen rechnen. Schmidt bot an, mit den Gemeinden ein Programm auszuarbeiten, bei dem auch ein in der Nähe liegendes Dorf wie Ramlesreuth vom Ertrag zusätzlich profitieren könnte. Auch wies er auf die neue Webseite www.windpark-frankenpfalz.de hin, auf der die neuesten Erkenntnisse veröffentlicht werden.

Im zweiten Teil informierte Mariella Schubert vom Planungsbüro Plan BC aus Bayreuth über die aktuelle Planungssituation in Bayern. Bei den Abständen gelte hier laut Bayerischer Bauordnung die 10-H-Regelung. Moderne Anlagen seien heute 250 Meter hoch. Hier müsste ein Abstand von 2,5 Kilometer eingehalten werden. Allerdings entfalle diese Regelung, wenn die Kommune in einem rechtskräftigen Bebauungsplan anders entscheidet. Die Gemeinde Speichersdorf hat laut Schubert im Mai 2014 diese Fläche als Sondergebiet Wind im Flächennutzungsplan beschlossen. Diese Ausweisung fehle noch für die Teile des Windparks auf Oberpfälzer Gebiet.

Im momentan untersuchten Areal könnten bis zu sechs Anlagen errichtet werden. Ein Erfahrungswert von zirka 800 Meter zur nächsten Bebauung liege hierfür zugrunde. Für Schallemissionen, Schattenwurf, Standsicherheit werden weitere Gutachten beauftragt. Frühestens Ende 2020 könne mit dem Bau begonnen werden.




Info:

Fast ringsum freier Blick auf Rauhen Kulm

In der Aussprache gab es so manche Kritik, aber auch Lob für das Engagement der Gemeinde und der NEW mit ihrem Beitrag zur Energiewende. Auf die Frage, warum die NEW keine Windräder in Grafenwöhr baue, antwortete Bernhard Schmidt, dass nur wenige Flächen die Anforderungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer Windanlage erfüllten. In Grafenwöhr gebe es zudem Probleme wegen einer Sicherheitszone für den Militärflugplatz.

Warum er das schönste Naturwunder Deutschlands nicht schützen wolle, griff eine Besucherin den Bürgermeister der Kulmstadt, Wolfgang Haberberger, an. Dieser erklärte, dass er selbstverständlich darauf achte, dass keine Nachteile für den Rauhen Kulm entstünden. Der Windpark hätte genügend Abstand vom Naturdenkmal und würde in der gleichen Flucht zum Kulm stehen wie die bereits bestehenden Anlagen im Westen von Speichersdorf. Der Kulm wäre im 360-Grad-Umkreis nur von einer Perspektive aus betroffen. An anderer Stelle wären Windräder nicht wirtschaftlich und würden auch naturschutzrechtlich nicht funktionieren. „Was passiert, wenn so ein Windrad zu brennen beginnt?“, fragte ein ortsansässiger Brandschützer. „Es löscht sich von selber mit der eingebauten Löschanlage“, war die Antwort. Um das Risiko zu mindern, sei noch eine Blitzschutzanlage installiert. (ow)

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Karlheinz Schultes

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29.06.2018