24.09.2020 - 16:09 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Zähe Verhandlungen mit der Bahn

Das Verhältnis zwischen der Bahn AG und der Gemeinde Speichersdorf ist problematisch. Hilfe erhofft sich die Kommune nach einem Ortstermin mit Politikern der FDP-Bundestagsfraktion.

Die FDP-Bundestagsabgeordneten Daniel Föst (links) und Thomas Hacker (Dritter von rechts) sowie ihre Parteifreunde Heiko Adelhardt, Stefan Bätz und Christian Weber tauschten sich mit Bürgermeister Christian Porsch (von links) aus, um Bewegung in die Verhandlungen über das Bahngelände zu bekommen.
von Arnold KochProfil

Auf Einladung von Ortssprecher und FDP-Mitglied Heiko Adelhardt begrüßte Bürgermeister Christian Porsch den bayerischen FDP-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Daniel Föst sowie dessen Fraktionskollege in Berlin, Thomas Hacker. Dazu gesellten sich FDP-Kreisvorsitzender Stefan Bätz und sein Stellvertreter Christian Weber. Ziel der Gesprächsrunde war das Bahngelände rund um den Bahnhof. Adelhardts Anliegen war, bundespolitische Unterstützung bei der Lösung der vielen Problempunkte mit der Bahn AG zu erhalten.

Marode Brücken

"Schnelle und nachhaltige Lösungen mit der Bahn AG und ihrer vielen Gesellschaften sind mehr als schwierig. Unser Ort lebt von und mit der Bahn", erklärte das Gemeindeoberhaupt. Er stellte kurz die Gemeinde vor. Der Bahnknotenpunkt Kirchenlaibach zählte früher 400 Beschäftigte, heute noch 5. Die Bahntrasse durchtrennt Speichersdorf und wird durch zwei rund 100 Jahre alte Bahnunterführungen verbunden. Beide sind marode und entsprechen wegen ihrer Durchfahrtshöhe und -breite nicht mehr heutigen Verkehrserfordernissen.

Die geschätzten Baukosten, an denen sich die Gemeinde beteiligen muss, sind sehr hoch. Einsparungen an der Ganghofer-Brücke sind durch eine Gleisreduzierung möglich. Auch die Elektrifizierung steht an beiden Haupttrassen schon seit Jahren an. Im Vorgriff hat die Gemeinde 1996 den Steg in entsprechender Höhe und Spannweite gebaut. Die Elektrifizierung war in den nächsten acht Jahren geplant und ist bis heute nicht begonnen worden. Durch Gleisrückbau hätte die Steglänge wesentlich verringert werden können.

"Es gibt viele Brachflächen auf dem Bahnhofgelände. Teile davon wollen wir seit langem für einen weiteren P&R-Parkplatz, Bushäuschen und sonstige öffentliche Zwecke erwerben. Die Verhandlungen ziehen sich mit den verschiedenen Verhandlungspartnern der Bahn AG bereits seit Jahren ohne Abschluss hin", klagte Porsch.

Zum Thema Elektrifizierung ergänzte Hacker, dass die Bahnstrecke Nürnberg-Marktredwitz im Bundesverkehrswegeplan als bevorrechtigter Bedarf ausgewiesen sei. Planungs- und Kostenprobleme bereiteten viele denkmalgeschützte Brücken und Tunnels. Laut Föst erhält die Bahn AG das höchste Investitionsvolumen der Geschichte vom Bund für Streckenausbauten, die durch die Elektrifizierung auch eine große Klimaperspektive bieten.

Porsch berichtete, dass rund 1200 Fahrgäste den Bahnhof Kirchenlaibach als Um- und Zustiegspunkt nutzen. Deshalb müsse dieser Haltepunkt erhalten bleiben. Der Bürgermeister erläuterte den von der Bahn AG angekündigten barrierefreien Umbau der Bahnsteige.

Schadstoffe im Boden

Der Blick über das freigemachte und ungenutzte Bahnareal sorgte für Unverständnis über die Handlungsweise beim Grundstücksverkauf. Der Rathauschef ergänzte, dass ein Großteil des Geländes mit Schadstoffen kontaminiert sei und der Boden behandelt oder entsorgt werden müsse.

Föst sprach über die einerseits zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel des Bundes und andererseits die mangels Eigenmittel oder hoher bürokratischer Hürden nicht abgerufenen Fördergelder. "Oftmals werden die nicht abgerufenen Mittel erneut eingestellt, der Bundestag feiert sich damit ohne das Prozedere zu ändern, und es kommt unten nichts an." Abgeordneter Föst versprach, sich schriftlich an die Bahn AG zu wenden, um die angesprochenen Problemfelder und Zuständigkeiten innerhalb der verschiedenen Bahngesellschaften zu einer schnelleren Lösung zu führen.

Abschließend sprach Porsch mit Schule und Ganztagbetreuung, Breitbandausbau, Kindergärten die anstehenden Investitionsmaßnahmen und notwendige Unterstützung durch den Bund an. Auch die geplante Reform der Grundsteuer für Bauland wurde angesprochen, die in der geplanten Form keinen größeren Zugriff durch die Gemeinde ermöglichen wird. Ein Ansatz dafür sah die Runde in der steuerfreien Überführung von landwirtschaftlichen Flächen in das Privatvermögen des Landwirts.

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