21.01.2020 - 14:13 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Anspruchsvolle Saiten-Kunst

Was fühlen wir, wenn die Saiten von Cello und Gitarre schwingen? In Speinshart erfährt das Publikum bei einem Konzert des Duos "Concertant" die Wahrheit.

Im Musiksaal von Kloster Speinshart verschmelzen Cello und Gitarre zu einer faszinierenden Einheit. Das Duo "Concertant" - Cellist Mathias Hartmann und Gitarrist Günter Münch (von links) - bietet ein mitreißendes Hörerlebnis
von Robert DotzauerProfil

Der Beginn des Konzertjahres in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart fiel am Sonntag schon einmal gut aus. Während draußen ein heftiger Schneeschauer niederging, ließen sich die Besucher in dem seit langem ausgebuchten Musiksaal bei einem Konzert für Violoncello (Mathias Hartmann) und Gitarre (Günter Münch) vom Feuer und von der Leidenschaft der Protagonisten anstecken. Es war ein Konzert, das alle Facetten und die Vielseitigkeit der beiden fast gänzlich aus Holz geschaffenen Instrumente verband.

Wie sehr die Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts in Traditionen verwurzelt waren und wie unterschiedlich sie die Strömungen der Zeit aufgriffen, wurde im Programm des Duos deutlich. Für die Komponisten Bernhard Romberg (1767 bis 1841), Charles Gounod (1818 bis 1893), Friedrich Dotzauer (1783- bis 1860), Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893), Enrique Granados oder Isaac Albéniz waren es zum Teil Wendepunkte ihrer künstlerischen Entwicklung.

Sphärische Melodien, betörende Klänge, drängende Rhythmen und scharfe Dissonanzen erzählten auch am Sonntagnachmittag Geschichten der Hoffnung und der Trauer, aber auch der Lebensfreude und der Liebe. Die direkte Gegenüberstellung von Werken aus Barock, Klassik und Romantik ließ die Grenzen der Musikepochen verschmelzen.

„Es muss schön klingen“: Diesen Mindestanspruch der Musizierenden und der Hörerschaft hört man bei jedem Konzert. Er bedeutet nichts anderes als die schlichte Einsicht, dass auf schönen Instrumenten auch schön gespielt werden sollte. Diesem Wunsch folgend ergab sich anstelle eines Pflichtprogrammes im barocken Ambiente ein betörendes Musikerlebnis. Der Auftritt der beiden Künstler ähnelte einem charmanten Gesprächskonzert.

Die erfahrenen Musiker machten es sich jedoch nicht leicht: Sie wählten höchst anspruchsvolle Werke für ihre Darbietungen. Mit dem „Divertimento G-Dur“ sowie dem „Poco lento“ und „Allegro non troppo“ von Bernhard Romberg betonte das Duo zunächst den intimen Charakter des Nachmittags. Auf dem Programm stand danach ein erster Höhepunkt: Das innig lauschende Publikum genoss das „Ave Maria D-Dur“ von Charles Gounod und Johann Sebastian Bach.

Auf seine Weise versuchte Friedrich Dotzauer im 19. Jahrhundert, die Möglichkeiten der Kombination von Cello und Gitarre zu erweitern. Mit einem gekonnt fließenden Spannungsbogen und tiefer künstlerischer Versunkenheit führten die Instrumentalisten durch sein „Potpourri op. 21, G-Dur“. Leidenschaftlich vertieften sich Mathias Hartmann und Günter Münch anschließend in das Stück „Der Schwan“, einem Auszug aus der Suite „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns.

Nach der Pause waren „Danzas espanolas“ und „Granada“ angesagt: Südländisches Temperament machte sich im Musiksaal breit. Mit melodischem Überschwang und einem intensiven Klangkolorit interpretierte das Duo Kompositionen von Enrique Granados und Isaac Albéniz.

Mit dem „Valse sentimentale“, einem intimen, sensiblen und hoch melancholischen Tanz aus der Feder des berühmten Pjotr Iljitsch Tschaikowski, gelang dem Duo "Concertant" ein mitreißender Abschluss vollkommener Saiten-Kunst. Einige Zugaben waren Pflicht.

Hintergrund:

Die Künstler

Gitarrist Günter Münch und Cellist Mathias Hartmann waren viele Jahre Lehrer an der Städtischen Musikschule Bayreuth. Hartmann entstammt einer Hamburger Musikerfamilie. Nach Studien in Lübeck und Zürich folgten Anstellungen an der Osloer Philharmonie, an der Norwegischen Staatsoper, bei den Nürnberger Sinfonikern und als mitwirkender Cellist im Festspielorchester Bayreuth. Als Pädagoge wirkte er am Meistersinger-Konservatorium Nürnberg und an der Fachakademie für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth.

Günter Münch arbeitet seit seinem Staatsexamen als Gitarrenlehrer 1978 als Privatmusiklehrer und als Dozent an der Universität Bayreuth. Seit 1985 unterrichtet er zudem bei internationalen Gitarrenseminaren in Rust und in Österreich.

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