Speinshart
28.05.2018 - 09:11 Uhr

Ausstellungseröffnung über Reformation in böhmischen Ländern

Die Reformation in den böhmischen Ländern von Jan Hus, Martin Luther, den Böhmischen Brüdern, den Hutterern bis zu den Auswirkungen nach der Republikgründung der Tschechoslowakei zeichnet eine Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa nach, die seit 25. Mai im Kloster Speinshart zu sehen ist. Bereits zur Eröffnung interessierten sich zahlreiche Besucher über die dramatischen Geschehnisse zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert. Dotzauer, Robert [DO]
Die Reformation in den böhmischen Ländern von Jan Hus, Martin Luther, den Böhmischen Brüdern, den Hutterern bis zu den Auswirkungen nach der Republikgründung der Tschechoslowakei zeichnet eine Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa nach, die seit 25. Mai im Kloster Speinshart zu sehen ist. Bereits zur Eröffnung interessierten sich zahlreiche Besucher über die dramatischen Geschehnisse zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert.

Der Prediger und Magister der Prager Universität Jan Hus (um 1317 bis 1415) wandte sich bereits in der Zeit um 1400 gegen die Missstände des bestehenden kirchlichen Systems. Er fordert, die Heilige Schrift als die alleinige Autorität anzuerkennen und Christus kompromisslos in Armut und Demut nachzufolgen. An diese Historie anknüpfend, erinnerte Thomas Englberger bei der Eröffnung der Ausstellung über die Reformation in den böhmischen Ländern an die markanten Jahreszahlen der Reformation im 16. Jahrhundert, des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 und an die Ausrufung der Republik in der Tschechoslowakei 1918 und sah diese Entwicklungen im Kontext böhmisch-bayerischer Nachbarschaft. Hilfestellung gab dem Leiter der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart das Kulturforum östliches Europa mit Sitz in Potsdam. Von dort kommt die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“ speziell in den böhmischen Landen, die seit dem 25. Mai in Speinshart zu sehen ist.

Deren stellvertretende Direktorin Tanja Krombach erläuterte am Freitagabend die Schau, die aus zehn Teilen besteht und die Ausbreitung der Ideen einer Erneuerung der Kirche ab dem 16. Jahrhundert in den Ländern des östlichen Mitteleuropas thematisiert. Eine der Grundideen der Ausstellung ist es, so Krombach, den Blick zu weiten, der sich in Deutschland meist nur auf Martin Luther fokussiert. Dieser öffnende Blick interessierte am Freitagabend viele Oberpfälzer. Die Region hatte im 15. Jahrhundert besonders unter den Hussitenkriegen zu leiden. Auf die reformatorischen Ideen dieser Epoche mit einer über 200-jährigen Entwicklung eingehend erläuterte Tanja Krombach die schnelle Ausbreitung dieser Lehren bis zu Luthers Thesenanschlag.

Die Dauerausstellung zeichnet nach, dass und wie in den Ländern Osteuropas die Glaubensrichtungen der Lutheraner, Reformierten, Unitarier, Böhmischen Brüder, Katholiken und der Ostkirche nebeneinander existierten und zeitweise konkurrierten, was blutige Glaubenskriege zur Folge hatte. Auch der Zeit der Gegenreformation nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 widmet sich die deutsch- und tschechisch-sprachige Ausstellung, die aus zehn reich bebilderten Bannern besteht und thematisch die Lebensgeschichte von Jan Hus und die Radikalisierung der Hussiten beleuchtet, die evangelischen Strömungen im 16. Jahrhundert untersucht und Vergleiche zwischen Jan Hus und Martin Luther zieht. Im Blickpunkt stehen auch die „Böhmischer Brüder“, von ihren Gegnern als Ketzer tituliert, die Ausbreitung der lutherischen Zentren unter der deutschsprachigen Bevölkerung der böhmischen Länder, eine Schilderung der religiösen Vielfalt in Mähren und die Auswirkungen der Gegenreformation beginnend mit dem zweiten Prager Fenstersturz 1618. Höchst aufschlussreich sind zudem die Rückblicke auf das sogenannte Toleranzpatent 1781, mit dem die Habsburger den Protestanten die freie Religionsausübung zusicherten.

Ein Banner informiert auch über die Nationale Wiedergeburt der Böhmen im 19. Jahrhundert in Abgrenzung zur habsburgischen Herrschaft und die Entwicklung der Kirchen nach der Gründung der Tschechoslowakei. Ein weiteres Banner erinnert unter dem Leitgedanken „Protestantismus im 20. Jahrhundert und heute“ an das protestantische Erbe nach der Staatsgründung 1918, an die Okkupationen durch das nationalsozialistische Deutschland, an die Benes-Dekrete und an die Zeit des Kommunismus.

Die Wanderausstellung hat deshalb wesentlich mehr als Luther im Blick. Auch die kostenlose Begleithefte in Deutsch und Tschechisch mit den Überschriften „Die Böhmischen Länder“, „Zwischen Trauer und Triumph“, einer Info-Broschüre über das Jahr 1918 und seine Folgen im östlichen Europa und ein Flyer des Deutschen Kulturforums östliches Europa schildern nicht nur die reformatorischen Wirkungen in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Sie gehen ausführlich den geschichtlichen Prozessen im heutigen Tschechien nach und untersuchen deren Auswirkungen auf die europäische Geschichte. Eine spannende Zeitreise durch die böhmischen Länder ist dem Betrachter sicher.

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis 15. Juli an allen Sonn- und Feiertagen jeweils von 13.30 bis 17 Uhr im oberen Konventgang des Klosters zu besichtigen. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Besuch auch auf Anfrage (09645/60193601) möglich.




Die Wanderausstellung zur Reformation in den böhmischen Ländern weitet den Blick weit über Martin Luther hinaus“.
Tanja Krombach, stellvertretende Direktorin des Deutschen Kulturforums in Potsdam. Dotzauer, Robert [DO]
Die Wanderausstellung zur Reformation in den böhmischen Ländern weitet den Blick weit über Martin Luther hinaus“. Tanja Krombach, stellvertretende Direktorin des Deutschen Kulturforums in Potsdam.
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