29.09.2021 - 17:32 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Claus Hipp: Unternehmer brauchen Anstand und Bildung

Der Unternehmer Claus Hipp erklärt gegenüber Oberpfalz-Medien, welche wichtige Bedeutung Ethik und Tugenden haben und gibt Einblicke in das Erfolgskonzept seines Unternehmens.

Claus Hipp setzt als Unternehmer vor allem auf Ethik und Anstand.
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Dafür stehe ich mit meinem Namen“: Es gibt wohl nur wenige Unternehmer, die so untrennbar mit einer Aussage verbunden sind wie Claus Hipp. Markanter Werbespruch und Qualitätsgarantie zugleich stecken in der Formulierung des jahrzehntelangen Chefs des gleichnamigen Babykostherstellers aus dem bayerischen Pfaffenhofen. Der fast 83-Jährige weiß viel zu erzählen und einzuordnen – so kürzlich auch beim Kongress „Unternehmensethik“ des Vereins „Zukunftsfähige Führung mit christlichen Werten e.V.“ in Speinshart sowie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Ethik und Anstand sind zwei Begriffe, die Hipp immer wieder fallen lässt. Wobei er schon feststellen muss, dass „unanständiges Verhalten“ gerade auch im unternehmerischen Bereich um sich gegriffen habe. „Und dieses Problem hat es schon vor Corona gegeben“, betont Hipp. Gleichzeitig stellt er aber auch fest, dass sich zum einen „unanständiges Verhalten“ auf Dauer nicht rechne und zum anderen „gebildete Leute“ auch anständig miteinander umgehen würden. Wie definiert er aber anständig und unanständig? „Unanständig ist all das, was Nachteile bringt, die in einem Wettbewerb nicht normal sind. Das ist eine Vorteilsnahme, gegen die der andere machtlos ist, weil man eben nicht mit den gleichen Waffen kämpft!“ Dessen ungeachtet sei es allerdings nicht verboten, so Hipp, im Wettbewerb „schlau“ zu agieren.

Kinderzwiebackmehl

Dass das Unternehmen Hipp im Laufe seiner Geschichte auf „Schläue“ gesetzt hat, ist unbestritten: Die Wurzeln des Babykost-Herstellers reichen bis ins Jahr 1899 zurück, als in Pfaffenhofen die Manufaktur für J. Hipp´s Kinderzwiebackmehl entsteht. Der Grundstein für das Familienunternehmen ist gelegt, 1932 erfolgt dessen Gründung. Georg Hipp, der Vater von Claus Hipp, beginnt 1956 die industrielle Herstellung von Babynahrung in Dosen, von da an werden die ersten Rohstoffe für Hipp-Produkte auf ökologisch bewirtschafteten Böden angebaut. 1968 – im Alter von gerade einmal 29 Jahren – übernimmt Claus Hipp die Firmenleitung, erst mit seinem Bruder Georg, später stößt noch der Bruder Paulus dazu.

"Kopf-Herz-Hand-Prinzip"

Erfolgreiches Unternehmertum hat für Claus Hipp viel mit christlichen Werten zu tun, aber auch mit Bildung. So spricht er immer wieder über das „Kopf-Herz-Hand-Prinzip“ Pestalozzis wie auch über die Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Maßhaltung und Gerechtigkeit. „Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge“, betont Hipp. Auch müsse immer auf die Unterschiede zwischen Legalität und Legitimität geachtet werden. Um dies zu verdeutlichen, bemüht der Unternehmer gerne auch die griechische Mythologie und interpretiert beispielsweise die Geschichte von Antigone und Ödipus. Stehen sich aber die Tugend Maßhaltung und das Unternehmersein nicht gelegentlich im Weg? „Natürlich will jeder immer mehr haben. Aber zu oft wird auch etwas angestrebt, was völlig überflüssig ist“, so Hipp. Er spricht aber nicht nur über Ethik und Anstand, sondern will diese Faktoren im Unternehmen auch realisiert haben. Wie dies konkret aussieht, machte Hipp anhand der „Ethik-Charta“ deutlich, die sich der Babykost-Hersteller 1999 gegeben hat und seitdem einer ständigen Implementierung unterworfen ist.

Gute Bildung ist essenziell

Die Themen Bildung und Anstand treiben Claus Hipp um, das wird im Gespräch immer wieder deutlich. „Früher ging es im Bildungssystem auch darum, die Werte des Humanismus zu vermitteln. Heute haben wir immer mehr die Tendenz, dass das Fachwissen über allem steht und nur noch der Spezialist wichtig ist“, bedauert Hipp. Diese Entwicklung sei aber nicht nur positiv und werde leider auch in der Politik zu wenig registriert – wahrscheinlich auch deswegen, so Hipp, weil es an großen Politikern mit Format mangele. „Schauen Sie, ich habe Hochachtung vor Politikern wie Otto von Habsburg. Der war bescheiden, vorausschauend, geschichtsbewusst und gleichzeitig mutig. So einen finden Sie heute kaum noch!“ Wobei Hipp auch betont, dass es Politiker wie den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann gebe, der mit seinem „richtigen Maß aus wirtschaftlichem und ökologischem Denken“ viel Gutes bewirkt.

Claus Hipp muss sicherlich niemanden mehr etwas beweisen, die wirtschaftlichen Erfolge sprechen für ihn. Aber gibt es noch das eine Ziel, das er unbedingt erreichen will? „Ich wünsche mir, dass ich alles noch etwas besser machen kann“, sagt Hipp und lächelt.

100 Jahre Firma Eisen-Bayreuther in Tirschenreuth: Ein Jahrhundert "Ofenkompetenz"

Tirschenreuth
Claus Hipp, der jahrzehntelange Chef des gleichnamigen Babykostherstellers, beim Gespräch in Speinshart.
Hintergrund:

Zur Person: Claus Hipp

  • Geboren als Nikolaus Joseph Hipp am 22. Oktober 1938 in München.
  • Unternehmer und Geschäftsführer des Babykostherstellers Hipp.
  • Abitur am Ludwigsgymnasium München.
  • Studierte Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Promotion zum Doktor der Rechte.
  • 1964 Eintritt in den Betrieb seines Vaters Georg Hipp.
  • 1967 übernahm er dort die Betriebsleitung.
  • Seit 1968, nach dem Todes seines Vaters Ende 1967, ist er persönlich haftender Gesellschafter.
  • Unter dem Namen Nikolaus Hipp ist er auch als freischaffender Künstler tätig. Er ist Musiker und ausgebildeter Maler. Seine Werke wurden in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt.
  • Auch als Pferdezüchter ist er aktiv.

 

 

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