17.02.2020 - 14:51 Uhr
SpeinshartOberpfalz

"Digitalisierung muss den Menschen dienen"

"Wie schön ist es, wenn die Gemeinschaft mit Herz dabei ist. Da wird Lebendigkeit erfahrbar." Schon diese Feststellung von Abt Hermann Josef Kugler im Festgottesdienst ist eine wichtige Botschaft.

Staatsministerin Judith Gerlach sucht bei ihrem kurzweiligen Vortrag in freier Rede im Musikaal des Klosters die Nähe zur Bürgerschaft.
von Robert DotzauerProfil

"Lasst die Herzen sprechen", heißt es auch beim Lichtmessempfang.

Vielleicht gibt es ihn, den Geist von Speinshart. Vielleicht waren es auch Klosteratmosphäre, prachtvolles Ambiente und Gastfreundschaft, die die vielen Besucher am Sonntag beim nun schon traditionellen Lichtmessempfang von Kloster und Gemeinde inspirierten. Dicht an dicht drängten sich die Besucher im Musiksaal, als nach der Einleitung durch die Musikschule der Administrator der Abtei, Abt Hermann Josef Kugler, Gäste aus ganz Nordbayern begrüßte.

Für ihn waren es zunächst die CSU-Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger und Tobias Reiß sowie Digitalministerin Judith Gerlach, denen das "Vergelt's Gott" des Klosters und damit verbunden der Internationalen Begegnungsstätte galt. Im jüngst angekündigten Beitrag der Staatsregierung von 100.000 Euro sah der Prämonstratenser ein Signal des Freistaats zur Weiterentwicklung des Klosters entsprechend den Vorschlägen in der Machbarkeitsstudie hin zu einem internationalen wissenschaftlichen Standort.

„Mit dieser Entscheidung eröffnen sich für Speinshart neue Perspektiven“, urteilte der Abt. Damit kehre die Wissenschaft wieder an eine ihrer ursprünglichen Wirkungsstätten zurück. Auf die Bedeutung der Klöster für Glaube, Kultur und Wissenschaft in früheren Jahrhunderten zurückblickend sah der Würdenträger eine große Chance der Kirche, in klösterlicher Umgebung zum ethischen Impulsgeber für Wissenschaft und Technologie zu werden.

Seine Worte waren dann auch eine Botschaft an die Staatsministerin. Ihr Credo lautete: „Begegnungsstätten haben mit Menschen zu tun.“ Vom vernetzten Menschen schlug Judith Gerlach eine Brücke zu den Auswirkungen einer digitalisierten Welt: „Zurücklehnen und abwarten geht nicht“, betonte sie. Schlussfolgerung sei das aktive Mitgestalten.

Das 34-jährige Kabinettsmitglied setzte dabei besonders auf das Zusammenspiel von Forschung und Wirtschaft. Diese Entwicklungskette verspreche viel Musik, die sich die Ministerium auch für die Begegnungsstätte Speinshart wünschte. Gerlach unterstrich das Gesamtziel der Staatsregierung, den Freistaat zu einem international führenden Standort für Künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln. Diese Schlüsseltechnologie verspreche zahlreiche digitale Anwendungsmöglichkeiten in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Als Beispiele nannte die Landtagsabgeordnete aus dem Stimmkreis Aschaffenburg die moderne Medizindiagnostik, eine smarte Energieversorgung und das autonome Automobil.

Die Menschen erwarteten, dass auch Städte und Gemeinden diese neuen Potenziale nutzen, betonte Gerlach. Sie erinnerte deshalb auch an den Wettbewerb „Kommunal? Digital“ zur besseren Erlebbarkeit von Stadt und Gemeinde im Alltag einschließlich einer starken Vernetzung von Bürgern und Kommunen. Mit Blick auf diese „digitale Explosion“ mahnte die Ministerin allerdings, auch künftig den Stellenwert der zwischenmenschlichen Beziehungen hoch zu halten. Digitalisierung heiße nicht Selbstzweck, sondern müsse den Menschen dienen.

„Werden wir nicht Knechte dieser Entwicklung“, warnte die 34-Jährige, die sich in freier Rede leger und volksnah unters Publikum mischte. Vor der Einladung zu Begegnung und Gespräch bekam der „Geist von Speinshart“ auch noch ein Gesicht: Bürgermeister Albert Nickl überreichte dem Dast "Kloster-Geister" in flüssiger Form.

Als Geschenk des Gastgebers überreicht Bürgermeister Albert Nickl der Digitalministerin ein Körbchen mit flüssigen Geistern.
Im Blickpunkt:

Förderzusage ein Lichtblick

Der Lichtmessempfang war auch die Stunde des Bürgermeisters. Albert Nickl sprach mit Blick auf die angekündigte staatliche Förderung für eine vertiefende KI-Konzeptstudie von symbolischen Sonnenstrahlen auf einen möglichen Forschungsknotenpunkt. Die Förderzusage wertete Nickl auch als Lichtblick, die Internationale Begegnungsstätte auf Dauer zu sichern.

Als wichtige Stützen Speinsharts begrüßte er unter anderem den Vizechef der CSU-Landtagsfraktion, MdL Tobias Reiß, MdL Stephan Oetzinger, Georg Girisch, den Vorsitzenden des Fördervereins, Kommunalpolitiker, Behörden- und Vereinsvertreter sowie als Repräsentanten der Hochschulen Prof. Christiane Hellbach von der OTH Weiden-Amberg und den Bayreuther Uni-Kanzler Markus Zanner.

Der Bürgermeister schwärmte schließlich von der Lebensqualität im ländlichen Raum, lobte die Bildungsangebote - "in den Dörfern san's genauso gscheit und fleißiger und ehrgeiziger wie in der Stodt" - und hob die gute wirtschaftliche Entwicklung hervor. Vielsagend verwies er auch auf die Bereitschaft der Menschen, mehr als ihre Pflicht zu tun und nicht nach dem Gongschlag sofort davonzulaufen.

Ein besonderes Anliegen war Nickl eine Würdigung der vielfältigen ehrenamtlichen Dienste. Nach dieser „Liebeserklärung an eine wunderbare Heimat“ dankte er für die große Unterstützung des Freistaats für Kloster, Gemeinde sowie eine "Aufsteigerregion". Abschließend bat er die Digitalministerin sowie Staatsregierung und Mandatsträger, weiterhin ihre schützende und helfende Hand über das "Juwel Speinshart"zu halten.

Auch viele Ehrenamtliche nehmen am Empfang teil. Unser Bild zeigt die Führungsspitze der Feuerwehr Speinshart.

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