06.01.2020 - 15:18 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Einsatz für einen Ort des Dialogs und der Begegnung

1980 gegründet, blickt der Verein der Freunde und Förderer der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart auf ein 40-jähriges erfolgreiches Wirken zurück. Zeit, Bilanz zu ziehen. Das tut Vorsitzender Georg Girisch.

Immer im Blick des Fördervereins: das Wohlergehen des Klosters Speinshart. Im Nebel stecken allerdings noch die Zukunftsvisionen zur Weiterentwicklung der Internationalen Begegnungsstätte.
von Robert DotzauerProfil
Für die Erfolgsgeschichte des Vereins stehen unter anderem Vorsitzender Georg Girisch (von rechts), sein Vorgänger Prof. Dr. Max Kunz, Abt Hermann Josef Kugler und stellvertretender Vorsitzender Bürgermeister Albert Nickl.
"Speinshart ist mir lieb und teuer", sagte einst der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bei seinem Besuch in der Prämonstratenser-Abtei. Wie teuer, sollte sich erst nach Jahren herausstellen.

„Credo in unum deum – weil ich Gott finden kann“, lautet einer der Leitsätze des Klosters. Auch für den Verein der Freunde und Förderer der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart ist dieser Gedanke ein Wegweiser für das Ziel, mit religiösen Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionsforen im Kloster den guten Ruf der Abtei als Ort des Glaubens, der Kultur und der Begegnung zu stärken. Mit großem Engagement fördert der Verein dieses lebendige Zeugnis der ständigen Suche nach Gott.

Vor 40 Jahren für diese große Aufgabe gegründet, ist er dem Ziel ein Stück näher, wie bei einer Rückschau festzustellen ist. Aus der Taufe gehoben mit der Vorstellung, den Konvent der Prämonstratenser-Abtei bei den anstehenden Sanierungsarbeiten an den Klostergebäuden zu unterstützen, wurde in der Findungsphase ab 1979/1980 die Idee einer Internationalen Begegnungsstätte geboren. Visionäre Männer und Frauen machten sich auf einen langen und beschwerlichen Weg, die Strahlkraft Speinsharts zu stärken.

Dass dies gelungen ist, sei auch mit der Entschlusskraft der Gründerväter verbunden, betont heute Vorsitzender Georg Girisch rückblickend. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Bezirkstags-Vizepräsident ist seit 1992 Vorsitzender des Fördervereins. „Es war damals keine leichte Zeit, den Konvent, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und die heimische Wirtschaft für die Sache Speinsharts zu motivieren“, erinnert er sich. Skeptische Stimmen überwogen. Umso intensiver musste die Überzeugungsarbeit sein.

Der langjährige Vorsitzende hebt besonders den Optimismus des damaligen Staatsministers Gustl Lang hervor. Er sei es gewesen, der bei einem Besuch in Speinshart während der Parlamentsferien den Anhängern des Klosterprojekts Mut machte und sich dann auch dafür einsetzte. Als "Anschieber" betätigten sich dabei an erster Stelle Georg Girisch und der damalige Bundestagsabgeordnete Professor Max Kunz.

Mit Unterstützung von regionalen Wirtschafts- und Wissenschaftsgrößen sowie Industriemanagern kam es Anfang 1980 zur Gründung des Vereins mit Kunz als Gründungsvorsitzendem. Schon wenige Monate später organisierte die Mannschaft einen ersten Speinsharttag. Zum Team gehörten damals laut Vereinsprotokoll auch Gerhard Markgraf, Diplom-Ingenieur Helmut Schaak von der Firma Leistritz, Professor Konrad Ackermann, Hans Georg Ritt (Firma Schott), der Bayreuther Uni-Präsident Professor Wolf, Bürgermeister Josef Scherl, Landrat Christian Kreuzer, die Bezirkstagspräsidenten Johann Pösl und Alfred Spitzner, Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, und Prior Pater Herman.

„Es gab keine Persönlichkeit, die in diesem Umfang mehr rannte, rackerte, koordinierte und organisierte, wie Georg Girisch“, sagt Bürgermeister Albert Nickl heute über den heimatverbundenen gebürtigen Speinsharter. Eine neue religiöse und kulturelle Blütephase für das Baudenkmal von europäischen Rang immer im Blick, verfolgte der Verein hartnäckig das Ziel, Kulturen aus aller Welt im Kloster zusammenzuführen. Das Betteln um Spenden, viele Schriftsätze und Anträge, Gespräche und Verhandlungen sowie schließlich der Besuch der Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, Edmund Stoiber und Horst Seehofer führten zu einem ersten Teilerfolg: Nach langem Ringen nahm sich der Bezirk Oberpfalz der Sache an, und auch staatliche Stellen machten Fördermittel locker.

Spannend und facettenreich war die weitere Entwicklung. 1992 zum Nachfolger von Max Kunz gewählt, forcierte Georg Girisch die Planung einer Internationalen Begegnungsstätte. Das Modell, im Kloster Seminarräume zu schaffen und die Teilnehmer außerhalb der Abtei unterzubringen, fand auch bei den Chorherren Unterstützung. Schritt für Schritt wurden schließlich in mehreren Bauabschnitten die Wohnverhältnisse der Klostergemeinschaft verbessert, der Weg zu einer Begegnungsstätte geebnet, mit staatlichen Mitteln das barocke Schatzkästlein der Klosterkirche restauriert und der ehemalige Klostergasthof zu neuem Leben erweckt.

Die Überlegungen, die Begegnungsstätte durch den Verein zu führen, stellten sich nach den ersten Jahren des Betriebs als problematisch heraus. Diesem komplizierten Beziehungsgeflecht machten die Förderer mit der Übertragung der Aufgaben an das Kloster ein Ende. „Damit war der Verein von einer großen Sorge befreit, aber auch vom Großteil des Vereinsvermögens“, merkt Georg Girisch an. Zweckgebunden flossen bisher Spenden in Höhe von circa 700 000 Euro zur Finanzierung der Begegnungsstätte an das Kloster.

„Das Tagwerk ist vollbracht“, sagt Georg Girisch heute glücklich und zufrieden. Er verweist auf das Erreichen aller gesteckten Ziele: Klostersanierung, Restaurierung der Klosterkirche und ein praktisch neuer Klostergasthof mit Gesamtinvestitionen von ungefähr 30 Millionen Euro lassen den Vorsitzenden und die mittlerweile fast 500 Vereinsmitglieder stolz zurückblicken. Mit der Internationalen Begegnungsstätte knüpft auch die Klostergemeinschaft an ihre traditionsreiche Vergangenheit an. Auf neue Art und Weise wurde der Ort erneut Zentrum der religiösen und kulturellen Begegnung.

Im Herzen Europas gelegen, lädt Speinshart zudem zum Dialog mit religiösen und kulturellen Institutionen aus den Nachbarländern ein. Diesen Schwerpunkt bekräftigt die Begegnungsstätte mit einem Bündnis für Ethik und Nachhaltigkeit. Seit einigen Jahren ist Speinshart ein "Innovativer Lernort" (ILO) der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden.

Und doch denken die Freunde und Förderer der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart darüber nach, die Einrichtung weiter zu stärken. Eine Machbarkeitsstudie zeigt: Speinsharts Kulturbetrieb hat große Potenziale, braucht aber viel Geld für infrastrukturelle Maßnahmen. Die Handlungsfelder sind vorgezeichnet. Im Mittelpunkt der Szenarien stehen in Verbindung von baulichen Optimierungen Projektideen für wissenschaftliche Einrichtungen als Austauschplattform mit internationaler Strahlkraft.

Jede Ära geht einmal zu Ende. Schon in der jüngsten Jahreshauptversammlung hat Georg Girisch nach dann 28 Jahren seinen Rücktritt als Vorsitzender angekündigt. „Es ist an der Zeit, mein Amt an Jüngere abzugeben. Ob ich mich ganz raushalten kann, weiß ich nicht“, erklärt er schmunzelnd. Überzeugt ist er davon, dass Speinshart auch in Zukunft den Förderverein braucht. Dieser sei stets ein Motor für Zukunftsaufgaben gewesen. Um das Geschaffene lebensfähig zu erhalten, brauche es auch Zukunftsinvestitionen, Optimismus und eine unerschütterliche Beharrlichkeit, wie sie die Gründergeneration gezeigt habe.

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