21.10.2019 - 12:42 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Geige und Gitarre bilden harmonische Einheit

Von der Barockzeit bis zur Moderne führte am Sonntag ein Konzert in Speinshart. Wer zur Allterweltskirwa eine Alternative suchte, erlebte einen musikalischen Festtag.

Statt Allerweltskirchweih genießen die vielen Besucher im Musiksaal des Klosters Saitenmusik vom Feinsten.
von Robert DotzauerProfil

Harmonie war das Zauberwort an diesem sonnigen Herbsttag. Thomas Englberger, Leiter der Begegnungsstätte Speinshart, hatte zum „Last-Minute-Konzert“ geladen. Ein neuer Begriff, weil sich ohne Anmeldung der Musiksaal des Klosters unerwartet von einer Stunde auf die andere mit Musikbegeisterten füllte. Es waren Pioniere einer neuen Strömung, die im barocken Ambiente für Aufsehen sorgten. Der italienische Geiger Mario di Nonno und der estnische Gitarrist Kirill Ogorodnikov führten mit ihrer Klangkunst in eine Welt der Saiten, die selten zu hören ist.

Juwelen des Barock waren im ersten Teil zur „Theatime“ zu genießen. Zu den Köstlichkeiten gehörten Werke barocker Meister. Arcangelo Corelli, Niccolo Paganini, Pablo de Sarasate waren im vollbesetzten Musiksaal allgegenwärtig. Zunächst rückte das 17. Jahrhundert in den musikalischen Mittelpunkt. In einer Zeit, in der es Gitarre noch gar nicht gibt, wird viel umgeschrieben. Die Sonata op 5 No. 8 von Corelli wurde zum Musterbeispiel der Improvisationskunst. Die Sonata bot Musik zum Träumen und Entspannen. Beeindruckend war die umfassende Klangwelt, die das Duo ihren Instrumenten entlockte.

Dann bot das Programm die Möglichkeit, ein liebliches Portrait der Gitarre zu malen. Ausgerechnet den Teufelsgeiger Niccolo Paganini interpretierten die Künstler. Die Erklärung ist einfach. Paganini spielte selbst Gitarre. Mit der „Sonata Concertata“ gelang Gitarrist Kirill Ogorodnikov ein starkes Stück. Darin spielte der estnische Ausnahmekönner die Hauptrolle. In der „Großen Sonate“ in Begleitung der Violine überzeugte er in allen drei Sätzen mit raffinierten und virtuosen Elementen, die sinnlich-romantische Bewegungskunst ausdrückten. Den virtuosen Passagen folgten überraschende Harmonien, während der 3. Satz mit feurigen Zigeunerklängen endete. Voller Energie und mit spritzig-erfindungsreichem Geist setzte das Duo mit den furiosen „Zigeunerweisen“ von Pablo de Saraste einen weiteren Glanzpunkt.

Die Chemie zwischen den Künstlern war auch nach der Pause „stimmig“ und die Programmauswahl perfekt. Mario di Nonno stellte bewusst die romantische Musik gegen die Moderne. Die weit ausladenden Melodienbögen im „Ludas Tactus“ von Renè Eespere und „Entracte“ von Jacques Ibert gaben den Solisten Raum zu Entfaltung und Spielfertigkeit. Besonders die „Flamencomelodien“ von Ibert, die der Komponist für ein Theaterstück schrieb, wurden zum pulsierenden Klangerlebnis.

In ungezügelter Spielfreude und rhythmischer Prägnanz vereinte das Duo alte und neue Musik. Ernste und populäre Klassik fanden so zusammen. Im Zentrum stand fortan die Musik von Heitor Villa-Lobos. In „Bachianas Brasileiras“ und „Aria“ wird die Musik von Villa-Lobos in Speinshart zum tiefen Bekenntnis lateinamerikanischer Kultur. Gitarrist Kirill Ogorodnikov verband beide Werke zu einem Lobpreis südamerikanischer Rhythmen und führte sie mit den Ideen und den Klängen der modernen Welt zusammen. Im perfekter Harmonie vereinten sich Gitarre und Geige in der „Sonata Bulgarica“ von Atanas Ourkouzounov.

In die Tiefen des impressionistischen Klangreichtums und der Flamenco-Traditionen ging schließlich die Musik von Manuel de Falla, dem großen spanischen Nationalkomponisten. Mit „La vida breve“ und „Danza“ interpretierten Mario die Nonno und Kirill Ogorodnikov Meisterwerke, die dem Duo auf den Leib geschnitten sind. Ob es die Tanzmusik der Sonaten und Zigeunerweisen sind oder Tango und Flamenco: Der getanzte Rhythmus als einer der großen Wurzeln klassischer Kunstmusik wurde in Speinshart neu erlebbar. Nach dem langanhaltenden Applaus waren Zugaben ein Muss.

Info:

Die Künstler

Mario di Nonno, Geiger und Violinpädagoge, wurde 1978 in San Giovanni Rotondo (Italien) geboren. Nach seiner Ausbildung und dem folgenden Studium in Mannheim sammelte er langjährige Konzerterfahrungen als Solist und Kammermusikpartner, die ihn seit Jahren mit Konzertauftritten durch ganz Europa führen.

Kirill Ogorodnikov stammt aus Tallinn (Estland) und gilt als einer der führenden Gitarristen seines Landes. Er studierte an der Estnischen Akademie für Musik und Theater und an der Hochschule für Musik in Köln. Als Solist liegt ihm die Interpretation von Werken zeitgenössischer estnischer Komponisten besonders am Herzen, von denen viele von ihm uraufgeführt wurden und ihm gewidmet sind. Das Konzert in Speinshart wurde deshalb auch von der estnischen Botschaft in Berlin gefördert. (do)

Ob wilde Ritte mit Tangos und Flamencos oder poetische Klänge - der italienische Geiger Mario di Nonno und der estnische Gitarrist Krill Ogorodnikov begeistern in Speinshart mit kunstvollen Arrangements alter und neuer Musik
International wie das Duo Mario di Nonno (re) und Kirill Ogorodnikov (li) sind die Werke, die beide vortrugen. Neben Musik von Villa-Lobos, de Falla und Ibert erklingen Kompositionen italienischer und estnischer Komponisten.
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