25.11.2019 - 12:42 Uhr
SpeinshartOberpfalz

"Hautnahe" Entwicklungshilfe in Kenia

Kinder haben nur eine Kindheit. Darum lasst sie uns einzigartig machen, sagen sich viele kenianische Familien mit Blick auf die Würde der Menschen. Für viele Eltern sind die grausamen Beschneidungen Vergangenheit, weiß Elisabeth Merkl.

Elisabeth Merkl berichtet bei einem Vortrag in der Internationalen Begegnungsstätte Speinshart über die Erfolgsgeschichte des "Fulda-Mosocho-Projekts" in Kenia, das schon viele Mädchen vor der Beschneidung bewahrt hat.
von Robert DotzauerProfil

Weltweit sind über 200 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen. Dem entgegen eröffnen die Entwicklungen innerhalb der Ethnie der Kisii in Kenia durch das deutsche „Fulda-Mosocho-Projekt“ glückliche Perspektiven für die Mädchen und Frauen und damit für die Familien in der Projektregion. Im Zuge einer gemeinsamen Veranstaltung der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart und der Volkshochschule Eschenbach wusste Elisabeth Merkl von erstaunlichen Beispielen erfolgreicher Entwicklungsarbeit zu berichten. Die Eschenbacherin, die schon viele Jahre das "Fulda-Mosocho-Projekt" begleitet und Beteiligte in Kenia von Besuchen kennt, stellte in ihrem Vortrag eine Erfolgsgeschichte aus Kenia vor, die Hoffnung macht.

Die Referentin beleuchtete ein Projekt, das unter dem Namen „Fulda-Mosocho“ mit Unterstützung des Vereins „Lebendige Kommunikation“ (LebKom) seit 2002 mit zunehmender Akzeptanz in der Bevölkerung im Kisii County Kenias für den Schutz afrikanischer Mädchen vor Genitalverstümmelung eintritt. FGM gilt international als schwere Menschenrechtsverletzung. Dennoch wird sie in vielen afrikanischen Staaten ungeachtet der gesetzlichen Verbote praktiziert. Eine erstaunliche Ausnahme ist der Wandel in der Volksgruppe der Kisii, wusste Merkl. Seit Jahrtausenden sei das Ritual in der Region verwurzelt gewesen. Mit vielen Schulungen, Workshops, und einer wissenschaftlichen Strategie sei es gelungen, auch mit den auf Augenhöhe teilnehmenden Männern und Frauen ein Bewusstsein für den gleichen Wert eines jeden Menschen und somit eine Gleichstellung der Geschlechter zu erarbeiten.

In einer eindrucksvollen Beschreibung informierte Merkl die Besucher über die vielen vorsichtigen Schritte zur Entwicklung des "Mosocho-Projekts", über Lehrerfortbildungen vor Ort, über die Suche nach Partnerorganisationen, über die Zusammenarbeit mit den örtlichen Stammesältesten und Wortführern und über die erste öffentliche Feier geretteter Kisii-Mädchen. Anstelle von Beschneidungsfesten trete nun die jährliche „Celebrations-Feier“ als Zeichen für die Rettung Tausender Menschen vor der Genitalverstümmelung.

Laut einer Unicef-Studie habe sich das deutsche Projekt zu den fünf weltbesten Programmen zur Beendigung von FGM entwickelt. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin von LebKom berichtete zudem von erfolgreichen Begleitmaßnahmen, wie zum Beispiel vom Bau eines Gesundheitszentrums und einer Schule, Wasserversorgung und von Projekten zur bescheidenen wirtschaftlichen Existenzsicherung.

Merkl betonte: „Die Familien haben sich von innen heraus reformiert.“ Dabei berief sich die Referentin auf die immer öfter zu hörende Feststellung in den Dörfern des Kisii County: „Ihr habt Frieden in unsere Familien gebracht.“ Die Referentin verwies auch auf Spendenmöglichkeiten für das "Fulda-Mosocho-Projekt" auf das Spendenkonto bei der Sparkasse in Fulda. Kontoinhaber ist der Verein Lebendige Kommunikation. Nähere Informationen gibt es bei Elisabeth Merkl, Telefon 09645/445.

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