15.04.2019 - 12:01 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Jagd wird immer schwieriger

388 Schwarzkittel werden 2018/2019 in den Revieren der Kreisgruppe des Landesjagdverbandes erlegt. Zufrieden damit sind Jäger und Landwirte mit Blick auf die von den Tieren angerichteten Schäden nicht. Denn die Zahl ist rückläufig.

Die Gehörne geben Aufschluss über Entwicklung und Gesundheit des heimischen Rehwildes.
von Walther HermannProfil

Die vom Gesetzgeber geforderte Hegeschau ist stets verbunden mit der Beurteilung des Wildbestandes. Dazu gehört auch die Vorlage der Gehörne des geschossenen Rehwilds. Die Jäger legen dabei großen Wert darauf zu betonen, dass die Veranstaltung keine Gehörn-Modeschau ist. Sie sehen in der Hegeschau vielmehr eine sach- und fachkompetente Aussage über Stand und Entwicklung der heimischen Wildarten. Sie soll der nichtjagenden Bevölkerung Einblick und Information über die Ziele der Jagd bieten.

Diesmal wurde bei der Hegeschau der BJV-Kreisgruppe Eschenbach im Gemeindezentrum Speinshart wiederholt das Vegetationsgutachten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zitiert, das Vorgaben für die Bejagung des Rehwildes enthält. Auch wurden Klagen laut, dass sich die Bejagung wegen des Freizeitverhaltens der Bevölkerung, der Störung durch landwirtschaftliche Arbeiten bis spät in die Nacht und der Anwesenheit des Wolfes von Jahr zu Jahr schwieriger gestalte. Für manche Reviere werde es daher immer schwieriger, den Abschlussplan zu erfüllen, machten die Jäger deutlich.

Alfred Petracek, Leiter der Hegegemeinschaft Neustadt am Kulm, meldete für das zurückliegende Jagdjahr 323 Stück Rehwild und versicherte, dass mit insgesamt 957 erlegten Tieren der Dreijahresabschlussplan des Landratsamtes erfüllt sei. Sorgen bereitete ihm das Schwarzwild mit 84 erlegten Sauen. Weitere Angaben machte er zum Abschuss von Haar- und Raubwild: 14 Hasen, 101 Füchse, 10 Dachse und 7 Marder. Die Strecken beim Federwild betrugen: 118 Stockenten, 17 Graureiher, 24 Elstern, 26 Eichelhäher, 60 Rabenkrähen und 8 Kormorane.

Für die Hegegemeinschaft Kirchenthumbach räumte Norbert Deitzer ein, dass das Schwarzwild wegen des trockenen Sommers bis spät in den Herbst hinein weniger Schäden bei Getreide und Mais verursacht habe. Im Spätherbst seien dann jedoch viele Schäden an den Wiesen entstanden. Er sprach von einem Mastjahr mit reichlich Eichen und Bucheckern und zu wenig Schnee, in dem 133 Sauen und damit weniger als im Vorjahr erlegt worden seien. Waren 1985 in Bayern noch 10 000 Sauen erlegt worden, so waren es 2017 bereits 100 000, merkte er an. Sein Resümee dazu: „Wenn wir die Schäden noch irgendwie in Grenzen halten wollen, dann nur zusammen mit Landwirten und Jägern.“

In seiner Streckenliste A fiel auf, dass von 335 entnommenen Stück Rehwild 89 auf den Straßenverkehr entfielen. Sein Dreijahresabschuss enthielt 484 Sauen, 13 Füchse und 947 Rehwild. Zur Streckenliste B gehörten: 160 Füchse, 42 Stockenten, 28 Kormorane, 7 Dachse und unter anderem je 6 Hasen und Graureiher.

Ausführliche Betrachtungen stellte Albert Butscher an. Der Leiter der Hegegemeinschaft Pressath sprach von einem "Leid-Reiz-Problemwild Schwarzwild", das auf Versammlungen zu regen Diskussionen führe. Er rief dazu auf, diese auf sachlicher Ebene auszutragen. Die Strecke mit 171 Sauen wertete auch er im Vergleich zum Vorjahr als rückläufig und zeigte sich überzeugt, dass dies nicht an den Jägern, sondern an den jagdlichen Bedingungen sowie den Ernährungs- und Lebensangeboten für das Schwarzwild liege.

Dem vielen und schnellen Verkehr, verbunden mit Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit der Fahrer, schrieb Butscher die hohen Unfallzahlen beim Rehwild zu, die im Revier Feilersdorf bei 46 Prozent, im Revier Pressath I bei 53 Prozent und im Revier Pressath II bei 50 Prozent der erreichten Abschussquote von insgesamt 278 Stück lägen. Ein "momentan unbeschriebenes Blatt" war für ihn der Wolf, dessen Entwicklung es abzuwarten gilt: „Rehe mag er gerne.“

Butschers Streckenliste B enthielt: 8 Hasen (zuzüglich 22 Verkehrsopfer), 145 Füchse, 14 Marder, 20 Dachse (plus 10 im Straßenverkehr), 103 Stockenten sowie 74 Eichelhäher, Elstern und Krähen. Mit Blick auf das Kormoranproblem forderte er ein Miteinander von Jägern und Fischern. Mit dem Verblasen der Strecken durch das Bläsercorps der Kreisgruppe unter Leitung von Dr. Andreas Karl endete die Hegeschau.

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