07.02.2019 - 10:56 Uhr
SpeinshartOberpfalz

"Karolina" hilft Kinderseelen heilen

Wegensehen bei der Misshandlung von Kindern? Davor warnt der Verein "Karolina". Beim Katholischen Frauenbund Speinshart stellen die Gründer Ralf und Tina Kiener die Hilfsorganisation vor.

von Robert DotzauerProfil

In Deutschland werden jährlich geschätzt 240 000 Kinder misshandelt. Das sind die offiziellen Angaben. Die Dunkelziffer liegt wohl bei einer Million. Diese dramatische Entwicklung bewegte Tina und Ralf Kiener: Sie handelten. Das Ehepaar erzählte in der Generalversammlung des Katholischen Frauenbundes im Gemeindezentrum von den schweren Kindesmisshandlungen in Deutschland und den Folgen häuslicher Gewalt. Um beides zu ändern, gründeten sie den Verein "Karolina".

Dass der Anlass dafür alles andere als erfreulich war, davon sprach zunächst Tina Kiener. Sie schilderte Fälle von kleinen Kindern mit erschütternden Lebensläufen. Ein Baby, das mehrfach mit heißem Wasser übergossen wurde, Kinder mit Bisswunden durch Erwachsene, sexuelle Misshandlungen: Die Liste, die Kiener vortrug, war erschreckend lang.

Das Betreuungsgebiet der Aktivistin und ihres Ehemannes umfasst die gesamte Oberpfalz. Auch deutschlandweit sei der Verein schon bekannt, merkte Kiener mit Blick auf Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet an. "Wir versuchen dann zu helfen, so gut es geht", sagte die Vereinsvorsitzende. Die Art der Unterstützung hänge immer vom Fall ab und sei individuell auf die misshandelten Kinder zugeschnitten - egal, ob eine Schlummermatratze oder Therapiestunden benötigt werden oder ein Ausflug für etwas Ablenkung sorgen soll.

Tina Kiener bedauerte, dass in Verdachtsfällen oft weggesehen werde: "Viele Institutionen scheuen den Schritt an die Öffentlichkeit oder zum Jugendamt, um ja nicht aufzufallen." Diese Einstellung verhindere eine bessere Aufklärungsrate. "Mehr hinsehen, mehr Mut zum Handeln": Der Appell der Vorsitzenden galt deshalb jedem Einzelnen und in Speinshart den Frauenbund-Mitgliedern. "Aus jedem misshandelten Kind, das nicht gerettet wird, wird ein kaputter Erwachsener", gab Kiener zu bedenken. Ziel des Vereins sei es deshalb, mit der Hilfe möglichst früh anzusetzen. Dazu gehöre auch, bei einem Verdacht die Behörden zu informieren oder sich an den "Karolina" zu wenden.

Vereinsziele:

Prävention und Unterstützung

"Karolina" engagiert sich gegen jegliche Form von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Zum Engagement gehören sowohl Prävention in Form von Beratung und Fortbildung als auch die Unterstützung der Opfer in Form von Therapie, Übernahme von Anwaltskosten zur Wahrung von Opferschutzrechten und zur Durchsetzung von Ansprüchen, Erholungsmaßnahmen für Opfer und Betreuer und finanzielle Unterstützung zur Überbrückung von tatbedingten Notlagen.

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