Speinshart
13.09.2022 - 16:04 Uhr

Klosterdorf im Kirchweihfieber

Kirwabaum aufstellen, Austanzen, Nacht der Tracht, Derblecken und Partynacht: In Speinshart regierte am Wochenende die gute Laune. Auch das Brauchtum feierte nach Corona eine bemerkenswerte Wiedergeburt

Was wäre das Klosterdorf ohne die vielen schneidigen Kirwamoidla und Kirwaboum? Auf die Jugend ist in Speinshart stets Verlass. Und wenn sich die Katholische Landjugend auch noch einen Pakt mit junggebliebenen Männern der Dorfgemeinschaft, mit den „Auspichtn“ und den „Feierbistern“ schmiedet, steht einer zünftigen Kirwa nichts mehr im Wege. „Urgewalten“ in Form kräftiger Mannsbilder waren zunächst gefragt. Für das Kirwabaam-Aufstellen brauchte man starke Männer und mit Georg Müller einen umsichtigen Regisseur. Reine Manneskraft war gefragt, um mit „Schwalben“ den über 25 Meter langen und Baum in weiß und blau aufzurichten. Ein langwieriges Prozedere.

Dem Brauchtum wieder eine Chance geben. Speinshart geht mit gutem Beispiel voran. Dazu gehörte auch das Austanzen des Kirwabaumes. Die Landjugend ließ dieser Tradition am Freitagabend freien Lauf. Musikalisch begleitet von der „Zoigl-Blosn“ ging es im wahrsten Sinne rund. Nach vielen Proben zelebrierten die Kirwaburschen in der Krachledernen und die feschen Moidla der Landjugend in schicken Dirndln das Austanzen um den Kirwabaam. Eine köstliche Zeremonie, die von den vielen hundert Besuchern mit viel Beifall bedacht wurde. Der selbstbewussten Feststellung „wer houd die schönsten Kirwamoidla? Speinshart houd die schönsten Moidla“. Dieser Huldigung folgte eine Gaudinacht im Festzelt zwischen Wieskapelle und Klosterkirche, bei der auch eine weitere Tradition für Hochstimmung sorgte. Gespannt wartete das Publikum auf die stets vielsagenden Gstanzeln.

Dorfleben „derbleckt“

Längst gehört das „Derblecken“ zur köstlichen Bereicherung des Speinsharter Kirwa-Geschehens. Im Stil einer Nockherberg-Aufführung trumpften Christian Rodler, Helena Diepold, Hannah Meyer und Franziska Kausler wort- und sangesgewaltig auf. Das Quartett faszinierte mit einer Fülle hintergründiger „Bekanntmachungen“ und nahm das Dorfleben und die Vereinsaktivitäten aufs Korn. Themen gab es reichlich. Von „Corona“ bis zu den Ungereimtheiten bei der Einweihung des Gemeindezentrums, von der Verselbstständigung einer Rüttelplatte bis zu „Vorkommnissen“ beim Tremmersdorfer Feuerwehrfest. Vieles kam in Gstanzl-Form zur Sprache. Vorsorge traf die Landjugend auch für das leibliche Wohl. Ein Spanferkel vom Spieß und weitere Grillspezialitäten lieferten die Unterlage für das feucht-fröhliche Feiern, das sich am Samstagabend mit einer rauschenden Partynacht fortsetzte.

Feiern bis zum Kirwa-Ende

War es am Freitagabend die Zoigl-Blosn und DJ James, die stimmungsvolle musikalische Unterhaltung garantierten, trumpften am Samstagabend die „Blauen Zipfel“ auf. Eine Partyband, die mit einer Mischung aus Alpenrock, Charts und Ballermannhits für Furore sorgte. Fruchtige Cocktails warteten in der Bar auf die jungen und alten Kirwa-Leit. Keineswegs zeigten die Burschen und Madla nach soviel „Feierstress“ Ermüdungserscheinungen. Ein Kirwa-Abschied musste sein. Verbunden mit einem Trauerzug kam es am Sonntagabend zum Kirwa-Eigrom. Hochprozentiges schlummert nun bis zur nächsten Kirchweih an einem geheimen Ort am Süßenweiher in sicherer Tiefe.

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