Speinshart
07.03.2026 - 14:48 Uhr

Konzert mal anders: Musikalische Erkundungen des Gehirns in Speinshart

Die Nervenbahnen im Gehirn zogen einen großen Zuhörerkreis in ihren Bann: Die Klosterkirche Speinshart wurde zu einem Raum des Staunens, als Wissenschaftler die Ästhetik der komplexen Gehirnfaltung durch MRT-Aufnahmen veranschaulichten.

„Dieser Ort lädt uns ein, sich auf Neues einzulassen, er wird zu einem Ort der Entdeckungen“: Mit dieser Botschaft hieß Abt em. Hermann Josef Kugler einen erwartungsfrohen Kreis von Interessenten im Kloster Speinshart willkommen und kündigte fantastische Facetten unseres Gehirns an. Als Mitträger der Veranstaltung „Das Gehirn – Musikalische Erkundigungen“ nannte er das „Scientific Center für AI and Super-Tech“, mit dem sich die Abtei als einzigartiger Standort für internationale Forschung, interdisziplinären Austausch und Retreats zu künstlicher Intelligenz und Schlüsseltechnologien etabliert.

Der Abend wurde zu einem besonderen Schauplatz, der Musik, Wissenschaft, Spiritualität und visuelle Kunst auf einzigartige Weise verband. Die Veranstalter versprachen eine ebenso sinnliche wie erkenntnisreiche Reise in das menschliche Gehirn – getragen von Orgelmusik, wissenschaftlichen Impulsen und eindrucksvollen Projektionen. Im Mittelpunkt stand das faszinierende Zusammenspiel von Orgelklang und moderner Hirnforschung. Die Erlanger Kirchenmusikdirektorin Susanne Hartwich-Düfel gestaltete den musikalischen Rahmen für eine sphärische Reise mit Werken von Johann Sebastian Bach, Arvo Pärt, Philip Glass und Sofia Gubaidulina.

Hirnforschung erlebbar gemacht

Genießen war angesagt bei einer lebendig-bunten Bilderfolgte, die faszinierende Einblicke aus der Forschung der „Exploring Brain Mechanics“ (EBM), der Mechanik des Gehirns, bot. Während des Orgelstücks „Dance No. 4“ von Philip Glass wurde eine dynamische Darstellung präsentiert, die von einem Thema zum anderen tanzte und die Vielfalt der EBM-Forschung visuell erlebbar machte.

Die Spannweite der Kompositionen – von barocker Musik bis zu meditativer Minimal Music – öffneten emotionale Räume, die durch wissenschaftliche Perspektiven erweitert wurden. Begleitet wurde die Musik von Impulsvorträgen aus der Forschung zur Mechanik des Gehirns von Professorin Dr.-Ing. Silvia Budday und Professor Dr.-Ing. Paul Steinmann (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/FAU), die Einblick in Aufbau, Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns gaben.

Was das Auge sonst nicht sieht

Hochauflösliche Visualisierungen, die über fünf Schauwände übertragen wurden, machten sichtbar, was dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt. Dreidimensionale Gehirnscans und mikroskopische Aufnahmen von Nervenzellen zeigten auf beeindruckende Weise die Entwicklung des Gehirns vor der Geburt, während farbcodierte Darstellungen von Nervenbahnen die Abläufe innerhalb des menschlichen Körpers veranschaulichten. Sie zeigten auf eindrucksvolle Weise die Komplexität der Schöpfung und eröffneten neue Perspektiven auf das Wunder des menschlichen Lebens.

Die visuelle Umsetzung verband wissenschaftliche Präzision mit künstlerischer Ästhetik: Projektionen, konzipiert und realisiert von den Medienstudios des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft der FAU, füllten mit wechselnden Lichteffekten den Kirchenraum und traten in einen Dialog mit der barocken Architektur der Klosterkirche, in der Licht, Klang und Bild zu einer immersiven Erfahrung verschmolzen. Dadurch entstand kein klassisches Konzert, sondern ein multimediales Gesamterlebnis, das sowohl emotional berührte als auch intellektuell anregte und die Klosteranlage für einen Abend in einen Raum der Entdeckungen verwandelte.

Wiederholt stellten die Referenten eine Verbindung her zwischen Musik und Gehirnfunktion. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie sich komplexe Forschung verständlich, sinnlich und inspirierend vermitteln lässt. Sie wurde als Auftakt einer langfristigen Kooperation zwischen dem Kloster und dem Speinshart Scientific Center für AI and SuperTech unter dem Titel „Science meets Church X Kirche trifft Wissenschaft“ angepriesen.

OnetzPlus
Speinshart14.11.2025
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