Seit einigen Jahren verbindet die Gewerkschaft die Ehrung der Jubilare mit einem Kulturprogramm. Dieses Mal hatte sie dafür erneut die Klostergemeinde mit ihrem sakralen Kulturschatz auserkoren. Thomas Englberger, der Leiter der Begegnungsstätte, führte die Gäste nach einer Rückschau auf die Klostergeschichte durch die aufwändig sanierten Bereiche der Anlage. Dabei lenkte er die Blicke der Gäste auf die Formen, Figuren und Fresken, mit denen die Brüder Lucchese die Klosterkirche zu einem barocken Schatzkästchen gemacht haben.
Dieser Kunst- ging nahtlos zu einem Musikgenuss über. Kirchenmusiker Walter Thurn zog die Jubilare mit einem Orgelkonzert in seinen Bann. Augen schließen und genießen war angesagt, als er mit „Trumpet Tune“ von John Stanley laute Töne anschlug. Nicht minder wirkungsvoll folgten die Fanfare in D-Dur von Nicols Jacques Lemmens und die kontrastreiche „Hornpipe Humoresque“ von Bert Rawesthorne.
Dem gewerkschaftlichen Leitbild frönend hatte Thurn das Finale aus den Variationen über ein Thema aus Beethovens 9. Symphonie ausgewählt: „Alle Menschen werden Brüder“. Es glich einem musikalischen Dankgebet für die langjährige Mitgliedschaft der „Verdianer“. Die Bayernhymne begleitete ein vielstimmiger Gewerkschaftschor. Als kräftiger Applaus die Leistung des Organisten belohnte, erfüllte als Zugabe ein kräftiges „Halleluja“ den Kirchenraum. Walter Thurn spielte auf seine bekannte Art an der Orgel.
In der Klostergaststätte streichelten Verdi-Repräsentanten die Gewerkschaftsseelen ihrer Mitglieder. Nach einem herzlichen Willkommen an Mitglieder, Ehepartner und Bürgermeister Albert Nickl durch Vorsitzenden Thomas Beitz sah Alexander Gröbner in der Jubilarehrung einen der Höhepunkte im Gewerkschaftsjahr. An die stark vertretende Seniorengruppe gerichtet – er nannte sie Stoßtrupp – bekräftigte der Bezirksgeschäftsführer: "Gewerkschaftsarbeit endet nicht mit dem Arbeitsleben.“
Anschließend ließ Gröbner das Geschehen in den Jahren lebendig werden, in denen die Jubilare der Gewerkschaft beitraten. Einschneidende Erlebnisse waren für ihn die Proklamation des Grundgesetzes und die Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor 70 Jahren. Großen Stellenwert maß er dem Gesetz zur Sparförderung (1959) und den Gesetzen zur Arbeitsförderung sowie zur Berufsbildung (1969) bei. Im gleichen Jahr sei Willy Brand Bundeskanzler geworden. Die Zeit vor 40 Jahren verband Gröbner mit einer wissenschaftlichen Konferenz zur Geschichte der Gewerkschaften mit den Leitgedanken „Aus der Geschichte lernen, die Zukunft gestalten“.
Als Meilenstein des Jahres 1994 nannte er das Pflegeversicherungsgesetz. Gleichzeitig beklagte Gröbner die manchmal „himmelschreienden Arbeitsbedingungen“, „obwohl wir in einem der reichsten Länder leben“. Als er an aktuelle Jahrestage wie 30 Jahre Mauerfall und 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnerte, beklagte er, dass Frauen noch nicht gleichberechtigt sind. „Viele Unternehmen wären besser dran, wenn Frauen in der Führungsschicht tätig wären“, sagte er überzeugt. Nach der Aufzählung gewerkschaftlicher Erfolge im Bereich Arbeitnehmerrechte wie Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Parität bei der Sozialversicherung bekräftigte er: „Jede Rente muss den Lebensunterhalt sichern, eine gesetzliche Rente ist finanzierbar.“ Das Beispiel Kliniken Nordoberpfalz nahm er zum Anlass, „Versuche zum Ausstieg aus dem Tarifvertrag gar im öffentlichen Dienst“ anzuklagen und hielt es für erforderlich, „politisch Verantwortliche in Spur zu bringen“.
„Hochachtung und Anerkennung“ sprach Albert Nickl der Gewerkschaft aus. Er stellte seine Gemeinde als Ort des Glaubens, der Kultur und Begegnung vor, in der sich „seit Jahren viel getan und verändert hat“, und wandte sich der Bedeutung engagierter Demokraten und Gewerkschafter zu. Der Bürgermeister gratulierte den Jubilaren und sah in ihnen „Leute, die sich einbringen“. Gemeinsam mit den Verdi-Führungskräften Alexander Gröbner, Manuela Dietz und Thomas Beitz nahm er die Auszeichnung mit Ehrennadeln, -krügen und -tassen vor.
Die Jubilare
Auf langjährige Mitgliedschaft blickten zurück:
70 Jahre: Anton Seiler;
60 Jahre: Egbert Bauer, Günther Krist;
50 Jahre: Karlheinz Federer, Manfred Möschter;
40 Jahre: Christa Bauer, Elfriede Breundl, Martina Grünauer, Gertraud Hohl, Waltraud Krieger, Monika Ludemann, Waltraud Marek, Anita Pscherer, Gabriele Rauch, Bernadette Reiter, Otto Bößl, Hans Fritzmann, Josef Gebhard, Harmut Himpel, Peter Krapf, Werner Kausler, Franz Kleber, Uwe Klugmann, Michael Meyer, Horst Nittmann, Josef Schiml, Anton Schopf, Adolf Schuller, Otto Schuller, Thomas Schwarze, Franz Teichmann, Georg Trautmann, Helmut Völkl und Martin Wittmann;
25 Jahre: Petra Bäumler, Barbara Farago, Maria Häusler, Sieglinde Hofmann, Elisabeth Liermann, Yvonne Neuner, Anke Priebe, Ursula Rauch, Elisabeth Ritter, Heidemarie Schieder, Beate Schwitalla, Elke Seidl, Beate Sper, Marianne Stümpfl, Heidi Wing, Wolfgang Braun, Michael Elsner, Matthias Fruth, Karl-Heinz Keilwerth, Reinhold Lohner, Johannes Schmid und Helmut Schmucker. (rn)













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