30.08.2019 - 10:28 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Der Meierhof: Vom Abbruchfall zum Kulturstadel

In Haselhof bei Speinshart beweisen zwei Landwirte Mut zu Historischem. Nach vielen Eigenleistungen und Überlegungen dürfen sie aufatmen, denn die Sanierung des historischen Meierhofs wird gefördert.

Diplom-Ingenieur Anton Landgraf (Zweiter von links) erläutert den Eigentümern Gerhard Diepold (Zweiter von rechts) und Georg Schraml (rechts) sowie Bürgermeister Albert Nickl (links) den Stand der Bauarbeiten und die weiteren Baumaßnahmen.
von Robert DotzauerProfil

Vielleicht ist es eine langsame Baustelle, vielleicht aber auch die Gründlichste. Der riesige Stadel neben dem Kloster ist im späten Mittelalter errichtet worden und damit wohl das älteste Gebäude weit und breit. Für das Prämonstratenser-Kloster, die Chorherren und die Bauern von damals war es aber das Wichtigste: der sogenannte Meierhof in Haselhof.

Als ertragreicher Ökonomiehof der Abtei schuf er die Lebensgrundlage der Abtei und war lebenswichtiger Außenposten des Klosters. Bis zum Jahr 1803. Dann überrollte die Welle der Säkularisation auch den Bauernhof der Prämonstratenser. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das ehemals bedeutende Gut seit Anfang des 20. Jahrhundert den Familien Diepold und Schraml. Seit vielen Jahren stehen die alten Sandstein-Wohngebäude leer. Die riesige Scheune diente zuletzt überwiegend als Heu-, Stroh- und Holzlager.

Vor dem Abschluss steht die Generalsanierung des ehemaligen "Meierhofes" des Klosters Speinshars in Haselhof. Es handelt sich um eines der ältesten Gebäude in der Region

Seit langem stellte sich für die Eigentümer der Frage: Wohin mit dem Klotz? Für eine zeitgemäße landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet, dachten Gerhard Diepold und Georg Schraml an einen Abbruch. Beide Landwirte sind gemeinsame Eigentümer. Als Besonderheit verläuft mitten durch den imposanten 33 Meter langen Uralt-Stadel die Eigentumsgrenze. Die südliche Hälfe gehört Gerhard Diepold, der nördliche Teil nutzt Georg Schraml. Der Abbruch sei eigentlich schon beschlossene Sache gewesen, betonten beide Landwirte, wenn sie nicht ein Eintrag in die Bayerischen Denkmalliste ausgebremst hätte. Denn dort steht: „Haselhof 1a: Stadel des ehemaligen Klostermeierhofs, stattlicher Satteldachbau, Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderungen, im Kern spätmittelalterlich, 1652 wiedererrichtet“. Zudem verweist der Eintrag auf einen Bildstock in Sandstein mit Inschrift.

Fast 400 Jahre hat das ehemalige Ökonomiegebäude des Klosters in Haselhof schon auf dem Buckel. Nun packen zwei Landwirte an, den Stadel zu sanieren und für kulturelle Zwecke zur Verfügung zu stellen. Unser Bild zeigt die Scheune vor Sanierungsbeginn

Da war gut Rat wortwörtlich teuer. Das Denkmalamt und auch eine Reihe weiterer Behörden sprachen sich gegen einen Abbruch aus. Zu wertvoll war für die Behörden die Bausubstanz. Schließlich siegten die Überzeugungskraft der Denkmalschützer und das Versprechen einer hohen staatlichen Förderung. Bei einem Termin erläuterte Diplom-Ingenieur Anton Landgraf vom Planungsbüro ALS in Amberg den Zwischenstand der Generalsanierung und schwärmte von einer spektakulären Baustelle. Anton Landgraf koordiniert die Bauschritte. Eine schwierige und herausfordernde Aufgabe, gibt er zu.

Das zeigt sich schon beim Blick auf die verwirrende Gebälk-Konstruktion. Das besondere Augenmerk richtete der Diplom-Ingenieur auf den historischen Dachstuhl: „80 Prozent der Holzbalken, fast 400 Jahre alt, konnten erhalten und wiederverwendet werden“. Die 90 Zentimeter dicke Sandstein-Außenmauer trägt einen spektakulären Dachstuhl. „Einen Zwitter zwischen den Baustilen des Barock, der Gotik und der Renaissance stellen die Schwalbenschwanzverbindungen dar“, versuchte der Experte zu erklären. Umso wertvoller sei die Konstruktion, so Landgraf, die in weiser Überlegung mit schrägen Bändern den Druck und den Zug der massiven Balkenreihen aufnahm. „Eine in Bayern einmalige Beobachtung“, wie Landgraf feststellte.

Äußerst aufwändig gestaltet sich die Wiederherstellung der historischen Dachkonstruktion. 80 Prozent der alten Balken kann wiederverwendet werden

Sein Blick richtete sich auf weitere Besonderheiten. Landgraf staunte über das schöne Sandsteinmauerwerk mit für die damalige Zeit intelligenten Luftöffnungen, die Schießscharten ähnelten und die in einen wuchtigen Balken gehauene Aufstiegstreppe zum Heu- und Getreideboden. Dickes Lob zollte Landgraf auch den Experten vom Bau. Sanierungsaufträge erhielten die Zimmerei Kreuzer aus Lanz bei Störnstein und die Baufirma Reim & Kraus aus Schirmitz.

Anstelle einer Leiter diente vor 400 Jahren eine in den Balken gehauene Aufstiegshilfe, die zu den Lagerstätten der oberen Geschosse führte

Auch die Maße des Gebäudes sind für die Verhältnisse von damals fast monumental. 33 Meter lang und 15 Meter breit, 12 Meter Höhe in drei Etagen, 4400 Kubikmeter umbauter Raum auf fast 500 Quadratmetern Grundfläche. Stolze Dimensionen, die künftig den beiden Landwirten für eine Wiedernutzung zur Verfügung stehen. Allerdings nicht mehr für Heu und Stroh, wie sie betonten. Diepold bewies es bereits am Tag des Baustellentermins. Die riesige Fläche diente mit ihrem besonderen Flair für ein großes Familienfest. Der Bauherr feierte seinen 50. Geburtstag.

Denkbar ist für die Eigentümer eine künftige Nutzung als Kulturstadel, etwa für die Veranstaltung von Stodl- und Kirchweihfesten. Auch Theateraufführungen und weitere kulturelle Events bieten sich an. Zum Feiern aufgelegt war beim Ortstermin auch Bürgermeister Albert Nickl. „Ich bin glücklich, dass sich die beiden Eigentümer nach einem langjährigen Prozess des Überlegens und Prüfens zur Sanierung durchgerungen haben“, sagte der Gemeindechef. Nickl rühmte die Leistungen der beiden Familien als außergewöhnlich. Gleichzeitig wies er auf die staatlichen Förderleistungen des Amts für Ländliche Entwicklung, des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, der Landesstiftung und des Bezirks Oberpfalz hin. 660.000 Euro sind veranschlagt.

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