18.03.2020 - 13:14 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Musikalischer Brückenschlag

Eigentlich dient der Bindestrich dazu, die Lesbarkeit zu verbessern. Man setzt ihn auch dann, wenn ein Begriff aus vielen Wörtern besteht. Yuuki Oba geht weit darüber hinaus. Er kreiert aus Bindestrichen ein Konzert. Wie das?

Musik kann zwischen Menschen Verbindungen entstehen lassen, aber auch zwischen Orten und Zeitepochen. Solche musikalischen "Bindestriche" vereint Pianist Yuuki Oba bei seinem Konzert im Musiksaal des Klosters.
von Robert DotzauerProfil

Mit „Bindestrichen“ war auch das Klavierkonzert überschrieben, das der in Frankreich geborene und heute in Regensburg lebende Pianist Yuuki Oba in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart gab. Es war ein spannender Sonntagnachmittag unter dem Damoklesschwert des Corona-Virus. Begegnungsstätten-Chef Thomas Englberger gab zu: „Die Veranstaltung ist eine Balanceakt zwischen Vernuft und der Freude an der Musik.“

Wenige Tage vor dem Termin mussten eben wegen der Pandemie die Akkordeonisten Alena Budzináková (Slowakei) und Grzegorz Palus (Polen) wegen der Ein- beziehungsweise Ausreisesperren absagen. Ein As unter den Klaviervirtuosen nahm die Gelegenheit war, „mündige und unerschrockene Besucher“ aus finsteren Youtube-Zeiten in den Glanz des klösterlichen Musiksaales zu locken.

Der Pianist verband in Speinshart gekonnt Noten. Die daraus entstehende Musik sollte wiederum Menschen verbinden, begründete Yuuki Oba seine Idee der „Bindestriche“ - auf Französisch „Traits d'union“. In diesem Kontext waren für ihn Bindestriche keine Trennungszeichen, sondern Zeichen des musikalischen Brückenschlages zwischen Menschen und Kulturen.

Diese imaginäre Brücke schuf der Künstler zwischen den Kulturhauptstädten Wien und Paris. Das Programm vereinte ein hochgeschätztes Werk Ludwig van Beethovens (Sonate Nr. 11 op. 22) aus der Zeit des Wiener Klassizismus mit der Ballsaalmusik von Frédéric Chopin (Polonaise-Fantasie Opus 61, Scherzo Nr. 1 Opus 20) und Francis Poulenc (Suite Francaise FP 80).

Yuuki Oba machte in Speinshart Beethovens Welt wieder lebendig. Mit dem Allegro con brio, dem Adagio, dem Menuetto und dem Rondo wurde hörbar, was die Klaviersonaten des berühmten Komponisten so revolutionär und einmalig machte. Mit einem wilden Ritt auf dem Instrument verdeutlichte der Pianist Beethovens Sprache und emotionale Kraft.

Es war ein äußerst kurzweiliges Erlebnis, das der Klaviervirtuose mit vier interessanten Sätzen aus der Suite "Francaise FP80" von Francis Poulenc fortsetzte, die er mit viel Spielwitz und musikalischem Geschick darbot. Verzückt lauschte das Publikum besonders dem letzten Satz „Carillon“ mit seinen glockenspielähnlichen Klangvariationen.

„Polnische Klänge“ gehörten im zweiten Teil zu den virtuosen Höhepunkten des Nachmittages. Yuuki Oba brachte eines der populärsten Werke von Frédéric Chopin, des wohl berühmtesten polnischen Komponisten, nach Speinshart. Streng durchdacht und entfesselt gespielt erklang die Polonaise-Fantasie. Wucht und Entrückung, Eleganz und Besessenheit führte Oba am Steinweg-Flügel in einem Sog der Extreme und mit beinahe dämonischer musikalischer Gestaltungskraft zusammen.

Seine technische Brillanz offenbarte der Künstler auch im folgenden Scherzo in h-Moll, das als Frühwerk Chopins in Wien, Stattgart und Paris entstand, während in Warschau der Novemberaufstand des Jahres 1830 ausbrach. Die nationalen Gefühle des Komponisten, die mit der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstandes durch die Russen enttäuscht wurden, entluden sich in Speinshart in dramatischen Passagen und rasanten Stimmungswechseln, aber auch im hingebungsvoll zitierten polnischen Weihnachtslied im Mittelteil des Werkes.

Yuuki Oba zeigte in den beiden Werken Chopins seine langjähriger intensiver Arbeit am Klavier erwachsene überragende Klangtechnik. Es war ein grandioser Klaviernachmittag, der noch durch einige Zugaben verlängert wurde, die sich das Publikum erklatschte.

Im Blickpunkt:

Unverkennbarer Stil

Yuuki Oba wurde 1980 in Frankreich geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er 1986 bei Bruno Vinci in Paris. Seit 20 Jahren nimmt Oba regelmäßig an Interpretationskursen bei Peter Sauermann (Nürnberg) und Theodor Brei (Paris) teil und erweitert dort seine Kenntnisse im Klavierspiel. Geprägt von seinen Lehrern an den Musikhochschule Berlin entwickelte der Künstler seinen eigenen unverkennbaren Stil. Vor zum Teil internationalem Publikum spielte er schon mehrfach im Pariser, Leipziger und Regensburger Raum.

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